Insolvenz Windhorst scheitert mit Vatas

Der ehemalige Vorzeigeunternehmer Lars Windhorst konnte den Sanierungsplan für sein Unternehmen Vatas nicht in die Tat umsetzen. Die Beteiligungsgesellschaft stellte den Antrag auf Insolvenz. Nicht die erste für den 32-Jährigen.

Hannover - Das Amtsgericht Berlin bestellte Rüdiger Wienberg als vorläufigen Insolvenzverwalter, teilte Wienbergs Kanzlei am Donnerstag mit. Die Sanierung von Vatas war laut Wienberg vor wenigen Tagen gescheitert, nachdem bekannt geworden sei, dass die Norddeutsche Landesbank (NordLB) Vatas wegen geplatzter Aktiengeschäfte auf Zahlung von rund 150 Millionen Euro verklagt hat. Daraufhin hätten die Geschäftsführer Lars Windhorst und Peter Ogrisek Insolvenzantrag gestellt.

Gesellschafterin der Vatas Holding ist die in London ansässige Sapinda International Limited des südafrikanischen Investors Robert Hersov. Die NordLB hatte im Auftrag von Vatas größere Aktienpakete des Handybetreibers Balda , des Altersheimbetreibers Curanum  , des Netzwerkausrüsters Euromicron  sowie des US-Fußfesselherstellers Remote MDx gekauft. Die Beteiligungsgesellschaft nahm die Aktien allerdings nicht ab. Da die Kurse der Unternehmen stark nachgaben, musste die Landesbank für Wertberichtigungen Rückstellungen von 132 Millionen Euro bilden. Der Vorfall kostete den für den Handel zuständigen Vorstand Jürgen Kösters sowie zwei Kollegen den Job. Die Finanzaufsicht BaFin startete wegen des Vorfalls eine Sonderprüfung bei der NordLB.

Noch im Mai vergangenen Jahres hatte die britische Hedgefonds-Gesellschaft Audley Capital einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens von Vatas gestellt. Es ging um eine offene Forderung in Höhe von 29,4 Millionen Euro. Ende Juli 2008 verurteilte das Berliner Landgericht Vatas zur Zahlung der geforderten Millionen. Auch bei diesem Streit ging es um ein Geschäft mit Curanum-Aktien.

Windhorst galt in den 1990er Jahren als junger Aufsteiger der deutschen Wirtschaft. Mit 15 Jahren gründete der heute 32-Jährige seine erste Computerfirma und begleitete als gefeierter Jungunternehmer den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl auf Staatsreisen. Mit dem Platzen der Internetblase zu Beginn des Jahrtausends mussten allerdings drei seiner Firmen Insolvenz anmelden und 2004 Windhorst als Privatperson ebenfalls. Vor gut einem Jahr wurde er an Weihnachten bei einem Flugzeugabsturz in Kasachstan schwer verletzt. Vatas war zwischenzeitlich auch an der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin und dem Telekommunikationskonzern Freenet  beteiligt.

manager-magazin.de mit Material von reuters und ddp

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