Rolf Koerfer Erst Anschleicher, nun AR-Chef

Er war einer der Strippenzieher hinter der Conti-Übernahme durch Schaeffler. Nun löst der Jurist Rolf Koerfer den langjährigen Konzernlenker Hubertus von Grünberg als Aufsichtsratschef bei Conti ab. Der Experte für Fusionen und Übernahmen wird in Zukunft mit Argusaugen über die Entwicklungen bei Conti wachen.

Hannover/Herzogenaurach - Trotz der kritischen Lage bei Continental  und Großaktionär Schaeffler sieht der künftige Conti-Aufsichtsratschef Rolf Koerfer die Übernahme nicht gefährdet. "Es ist keineswegs so, dass wir die Probleme nicht in den Griff bekommen können", sagte Koerfer der dpa.

"Meine Entscheidung, dieses Amt anzunehmen, ist getragen davon, dass wir die Probleme lösen werden und den Erfolg der Transaktion einfahren. Ich will aber nicht verhehlen, dass wir uns in einem schwierigen Marktumfeld bewegen." Zur Frage möglicher Staatshilfen für Conti und Schaeffler wollte er sich nicht äußern. Sowohl Schaeffler als auch Conti sind hoch verschuldet.

Koerfer war am Samstag auf einer Krisensitzung des Conti-Aufsichtsrats als neuer Vorsitzender des Kontrollgremiums benannt worden. Der 51-Jährige wird Nachfolger von Hubertus von Grünberg, der seinen Posten nach einem wochenlangen Machtkampf auf Druck von Schaeffler abgegeben hatte. Der breiten Öffentlichkeit ist Koerfer bislang wenig bekannt. In Fachkreisen jedoch gilt der 51-Jährige als einer der führenden Anwälte in Deutschland für Fusionen und Übernahmen. Er ist langjähriger Berater von Schaeffler und hat das Familienunternehmen in der Übernahmeschlacht mit Continental begleitet.

Bis zum Sommer vergangenen Jahres hatte Schaeffler unbemerkt ein großes Conti-Aktienpaket zusammengesammelt und die Conti-Führungsspitze dann vor vollendete Tatsachen gestellt. An der Umsetzung dieser Strategie, die wegen ihrer Undurchschaubarkeit von Kritikern als "Anschleichen" bezeichnet wird, hatte Koerfer einen wesentlichen Anteil. Koerfer ist Partner der Rechtsanwaltskanzlei Allen & Overy Deutschland mit Sitz in Düsseldorf. Er berät etwa Versicherungsunternehmen und andere Finanzinstitutionen, Familienunternehmen und Investmentbanken bei nationalen und grenzüberschreitenden Fusionen und Übernahmen.

Koerfer war unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender der FAG Kugelfischer AG, die mittlerweile zu Schaeffler gehört. Für die Bundesrechtsanwaltskammer fungiert Koerfer als Sachverständiger bei Anhörungen vor dem Rechtsausschuss des Bundestages. Er kam Anfang 2008 von Shearman & Sterling zu Allen & Overy. Koerfer wurde am 26. September 1957 in Köln geboren und studierte in Tübingen und Köln Jura. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Wie Schaeffler-Geschäftsführer Jürgen Geißinger ist Koerfer ist ein leidenschaftlicher Jäger mit eigenem Jagdrevier.

Einen Interessenkonflikt wegen seiner Doppelrolle als Conti- Aufsichtsratschef und Schaeffler-Berater sieht Koerfer nicht. "In erster Linie bin ich Aufsichtsratsvorsitzender der Continental AG. Mir geht es vor allem um die Interessen der Conti. Dass ich auch Berater der Schaffler-Gruppe bin, weiß jeder."

manager-magazin.de mit Material von dpa

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