Klaus Zumwinkel "Das Gesicht der Liechtenstein-Prozesse"

Am Donnerstag hatte Klaus Zumwinkel gestanden, rund 970.000 Euro Steuern hinterzogen zu haben. Heute erwartet der ehemalige Post-Chef nun sein Urteil. manager-magazin.de berichtet aus dem Bochumer Landgericht.
Von Karsten Stumm

Bochum – Keine Menschen, die Schlange stehen. Keine Reporter, die das Gerichtsgebäude umlagern: Die hektische Aufgeregtheit um den Prozess gegen Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel (65) ist abgeklärter Spannung gewichen. "Ich rechne heute nicht mehr mit Wenden", sagt Peter Weinhold (67); der Rentner hatte bereits den ersten Prozesstag am vergangenen Donnerstag verfolgt. Und sich dafür vor vier Tagen ab 7 Uhr vor dem Haupteingang des Gerichtsgebäudes die Beine in den Bauch gestanden.

In aller Herrgottsfrühe war er aufgestanden, um eine der wenigen Prozesseintrittskarten zu ergattern. Weil er den prominenten Wirtschaftslenker einmal persönlich erleben wollte. Ihm zuhören wollte, wenn es um ihn selbst ging: Was Zumwinkel empfand, als er im vergangenen Jahr seinen eigenen Job wegen der Ermittlungen gegen ihn aufgeben musste - und nicht in TV-Shows erklären durfte, warum Tausende fremde Postangestellte ihren Arbeitsplatz bei dem Dax-Konzern verlieren müssten. "Man lernt die Menschen erst kennen, wenn es persönlich wird", sagt Weinhold. Deshalb ist er auch heute noch einmal da.

Er wird noch ein wenig warten müssen, bis er mehr über Zumwinkel wissen wird. Gegen 11.45 Uhr wird die Staatsanwaltschaft dem angeklagten Ex-Post-Chef Zumwinkel offenbaren, welche Strafe sie für ihn fordert. Bochumer Gerichtskreise rechnen damit, dass Oberstaatsanwalt Gerrit Gabriel das Plädoyer der Bochumer Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität halten wird.

Für Zumwinkel werde Hanns W. Feigen sprechen, heißt es in Justizkreisen. Und Feigen kann nur noch versuchen, eine milde Strafe für seinen Mandanten zu erstreiten. Denn der ehemalige Starmanager wird heute Nachmittag aller Voraussicht nach verurteilt werden. Schon am ersten Prozesstag gegen den ehemaligen Vorzeigemanager der Deutschland AG, Kanzlerbegleiter und Verdienstkreuzträger hatte Zumwinkel einen Schlussstrich gezogen. "Ich will nicht lange drum herumreden. Der Vorwurf der Anklage trifft zu, dass ich Kapitalerträge in Höhe von etwa 970.000 Euro nicht versteuert habe. Ich will hier reinen Tisch machen", gestand Zumwinkel vor Gericht.

"Das Urteil dafür am heutigen Nachmittag wird vielleicht nicht das vom Strafmaß bedeutendste aller Verfahren im Zuge der Liechtenstein-Ermittlungen sein. Aber Zumwinkel hat diesen Prozessen ein Gesicht gegeben", sagt Volker Talarowski, Sprecher des Bochumer Gerichts.

Irgendwie ist er mit Zumwinkel in das Rampenlicht gerückt. Am ersten Tag des Prozesses gegen den Ex-Post-Chef war Talarowski (47) in fast allen deutschen TV- und Radio-Kanälen zu sehen. Welches Strafmaß er heute erwartet? "Spekulation", sagt Talarowski.

Die Staatsanwaltschaft zumindest ist zuversichtlich. "Der eingestandene Steuerhinterziehungsbetrag von 966.000 Euro ist hoch genug, um gegebenenfalls eine Freiheitsstrafe aussprechen zu können", sagte Oberstaatsanwalt Gabriel nach dem ersten Prozesstag. "Das wird auch vom Bundesgerichtshof so gesehen. Das umfassende Geständnis wird allerdings strafmindernd wirken." Das Urteil der Richter und Schöffen um den Vorsitzenden Wolfgang Wittrup der 12. Großen Strafkammer des Bochumer Landgerichts gegen Zumwinkel wird für etwa 15 Uhr erwartet. "Mich interessiert vor allem die Höhe der Geldstrafe gegen ihn", sagt Rentner Weinhold. "Der Mann rechnet für sich ja nach eigenen Angaben am ersten Prozesstag immerhin mit einem Nettoeinkommen von 600.000 Euro in 2009."

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