Freitag, 6. Dezember 2019

Wirtschaftskrise Das Schweigen der Manager

Weltweit kämpfen Unternehmen gegen den Abschwung. Doch in den Konzernen gibt es erhebliche Zweifel an der Wirksamkeit des eigenen Krisenmanagements. Eine Umfrage der Strategieberatung Booz zeigt, dass in vielen Chefetagen ein Mangel an Weitsicht und tiefe Verunsicherung herrschen.

München/Brüssel/Berlin - Weltweit spitzt sich die Lage für viele Unternehmen dramatisch zu: Banken und die Autoindustrie kämpfen bereits gegen die Krise. Auch weitere Wirtschaftszweige wie der Maschinenbau, die Medien oder die IT-Branche geraten in den Krisenstrudel.

Bankmanager (von Lehman Brothers): Hang zum Altbewährten
Getty Images
Bankmanager (von Lehman Brothers): Hang zum Altbewährten
Jetzt bräuchten die Unternehmen vor allem eins: Führungsstärke. Doch eine Umfrage der Strategieberatung Booz & Company unter 830 internationalen Managern der obersten Führungsebene - davon 133 aus dem deutschsprachigen Raum - vom vergangenen Dezember zeigt, dass es ausgerechnet daran mangelt.

Die Rettungsprogramme der Bundesregierung: Klicken sie auf das Bild für die Großansicht
DER SPIEGEL
Die Rettungsprogramme der Bundesregierung: Klicken sie auf das Bild für die Großansicht
Zwar beurteilen 75 Prozent der befragten Manager die finanzielle Situation ihrer Unternehmen noch immer positiv. Nur 20 Prozent befürchten eine Verschlechterung der Lage. Und jeder zweite Top-Manager geht sogar davon aus, sich im Zuge der Krise einen Wettbewerbsvorteil verschaffen zu können.

Doch intern herrscht Skepsis gegenüber dem eigenen Krisenmanagement. Der Umfrage zufolge beschäftigen sich 65 Prozent der aktuell finanziell angeschlagenen Unternehmen trotz Finanzkrise und drohender Kreditklemme nur unzureichend mit Aufbau und Erhalt ihrer Liquidität. Selbst ein Viertel der solide aufgestellten Unternehmen lässt Wachstumspotentiale ungenutzt und geht Investitionen, Expansionen und Akquisitionen nicht konsequent genug an.

Laut Booz ist das ein Beleg für den Mangel an Weitsicht in den Chefetagen: "Strategisch agierende CEOs verfolgen auch in einem schwierigen Marktumfeld einen antizyklischen Wachstumsplan, um gegenüber dem Wettbewerb gestärkt aus der Krise hervorzugehen", argumentiert Stefan Eikelmann, Sprecher der Geschäftsführung von Booz & Company im deutschsprachigen Raum.

Auch Topmanager deutscher Unternehmen klagen über Mängel im eigenen Krisenmanagement. Ausgerechnet den Führungsgremien angeschlagener Unternehmen droht offenbar die Schockstarre. Es herrscht erhebliche Verunsicherung und laut Booz ein "gefährlicher Hang" zum Altbewährten. 62 Prozent der Manager sind dort nicht von ihrem Krisen- und Cash-Management überzeugt.

"Oft fehlt es an Mut und Durchsetzungskraft, notwendige Maßnahmen wie Kostensenkungen und Restrukturierungen konsequent anzugehen", sagt Booz-Experte Eikelmann. Das Ausmaß der Krise sei so immens, dass sich viele Unternehmenslenker am sichersten fühlten, wenn sie in gewohnter Weise weiter agierten. "Doch was bisher funktioniert hat, ist künftig keine Erfolgsgarantie mehr", warnt Eikelmann.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung