Hypo-Real-Estate-Vorstand Die Alten sollen weg

Im Zuge des Beinahe-Zusammenbruchs des Immobilienfinanzieres HRE mussten bereits sechs Vorstände ihren Hut nehmen. Nun wackeln offenbar auch die Posten der Alt-Vorstände Robert Grassinger, Cyril Dunne und Bettina von Oesterreich. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, an der finanziellen Misere mitschuldig zu sein.

München - Der Vorstand soll nun laut einem Bericht mit komplett unbelasteten Topmanagern besetzt werden. Sechs der ehemals neun Vorstände sind schon weg, nun könnte es auch die verbliebenen drei vom alten HRE-Vorstand treffen. Gegenwärtig sind nur noch Robert Grassinger, Cyril Dunne und Bettina von Oesterreich im Konzernvorstand. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) wirft ihnen die Münchener Staatsanwaltschaft vor, an der finanziellen Krise der Hypo Real Estate (HRE)  eine Mitschuld zu tragen. Die Justiz ermittelt gegen alle Ex-Vorstände der Bank, die zwischen November 2007 und September 2008 im Amt waren.

Neben dem bereits angekündigten Ausscheiden von Grassinger vor einigen Monaten wird dem Bericht zufolge intern bereits über weitere Veränderungen gesprochen. Ein HRE-Sprecher wollte gegenüber manager-magazin.de zu dem Bericht keinen Kommentar abgeben. Die HRE hatte vor kurzem eine umfassende Restrukturierung angekündigt.

Ein Insider sagte der SZ, bei dem Münchener Immobilienfinanzierer werde es "genauso kommen wie bei Siemens  ". Dort war wegen des Korruptionsskandals der komplette Vorstand ausgetauscht worden. Aus HRE-Kreisen erfuhr die SZ, man baue im Konzern weiter auf Cyril Dunne. Er solle sich auf die Führung der Tochterbank Depfa  in Irland konzentrieren. Der irische Staatsfinanzierer war erst 2007 von der HRE übernommen worden. Die riskante Geldpolitik der Depfa verursachte einen akuten Liquiditätsengpass und brachte die HRE vergangenes Jahr damit an den Rand des Zusammenbruchs. Die HRE musste mit milliardenschweren staatlichen Rettungsgeldern aufgefangen werden.

Zuletzt schied Thomas Glynn, zuständiger Vorstand für die Bereiche Capital Markets und Asset Management, aus. Er bleibt aber ebenfalls im Depfa-Vorstand als geschäftsführender Direktor tätig. Seine Aufgaben bei HRE übernimmt Kai Wilhelm Franzmeyer.

Im Dezember hatte sich die HRE von den beiden Vorstandsmitgliedern Markus Fell und Frank Lamby getrennt. Auch die ehemaligen Vorstände Georg Funke und Bo Heide-Ottosen verließen den Konzern. Fell hatte zusammen mit dem früheren HRE-Chef Funke die Lage des Konzerns zu lange schöngeredet. Der Aufsichtsrat der Bank wurde nach ihrer Beinahe-Pleite fast vollständig neu besetzt.

Der neunköpfigen ehemaligen Führungsspitze wird vorgeworfen, die Öffentlichkeit und die Aktionäre jahrelang über den tatsächlichen Zustand der Bank getäuscht zu haben. Die Münchener Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue sowie auf Verstöße gegen das Aktiengesetz und der Marktmanipulation. Im Dezember war bekannt geworden, dass die Behörde auch wegen des Verdachts auf verbotene Insider-Geschäfte ermittelt. Fahnder hatten im vergangenen Dezember die Geschäftsräume der Münchener Bank durchsucht und Unterlagen beschlagnahmt.

Die vor Weihnachten angekündigte Restrukturierung der HRE geht mit einem massiven Stellenabbau einher. Die Zahl der Mitarbeiter soll den Plänen zufolge binnen drei Jahren von rund 1800 auf etwa 1000 sinken. Bis 2013 ist der Wegfall weiterer Arbeitsplätze vorgesehen. Bis Jahresende 2008 schieden bereits sechs der ehemals neun Vorstände aus.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und ap

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