Madoff-Skandal Diamanten für die Verwandten

In großem Stil verschickte der unter Hausarrest stehende mutmaßliche Milliardenbetrüger Bernard Madoff teure Uhren und Diamanten an Verwandte. Während die Ankläger nun überlegen, Madoff in U-Haft zu stecken, sprechen sein Anwälte von Andenkenversand. Ein Jurist spekuliert sogar, dass Madoff sein Flucht vorbereiten wollte.

New York - Die Verteidiger von Bernard Madoff bemühten sich nach Kräften, die möglichen Verfehlungen ihres Mandanten herunterzuspielen. Viele der Gegenstände, die der Angeklagte an seine Verwandten verschickt hätte, sagten sie während der Anhörung vor dem zuständigen Magistratsrichter Ronald L. Ellis, seien nur von geringem Wert, also eher als Andenken zu werten. Manschettenknöpfe im Wert von 25 Dollar seien darunter oder ein Paar Handschuhe, die einmal 200 Dollar gekostet hätten, so Madoffs Verteidiger.

Eine Aufstellung, die die Vertreter der Anklage während des Haftprüfungstermins mit mildem Spott bedachten. Die von Madoffs Anwälten vorgelegte Liste bezeichneten sie laut "New York Times" als "im besten Fall unvollständig". Tatsächlich lässt die von ihnen vorgelegte Inventur der Madoff-Post nur den Schluss zu, dass der mutmaßliche Anlagebetrüger sich mit dreisten Lügen vor der Untersuchungshaft schützen will.

Demnach verschickte der unter Hausarrest stehende 70-Jährige ein Paket an Verwandte, in dem eine Diamanten-Kette, ein Dutzend Uhren und weitere Gegenstände im Gesamtwert von über einer Million Dollar lagen. Andere Päckchen enthielten Uhren der Marken Cartier und Tiffany sowie ein Armband und vier Broschen - allesamt mit Diamanten besetzt. Auch eine Gold-Uhr habe Madoff verschicken wollen, erklärten die Staatsanwälte Marc O. Litt and Lisa A. Baroni laut am Mittwoch veröffentlichten Gerichtsdokumenten.

Die Staatsanwaltschaft sieht in dem groß angelegten Postversand einen schweren Verstoß gegen die Bedingungen, unter denen das Gericht Madoff den Aufenthalt in seinem New Yorker Appartement erlaubt hatte, anstatt ihn in U-Haft zu schicken. Der jüngste Vorfall zeige erneut, wie gering die Bereitschaft Madoffs sei, sich der Justiz zu unterwerfen, erklärten die Ankläger.

Das Verhalten lasse auch den Rückschluss zu, dass er sich, wenn sich die Möglichkeit biete, dem Verfahren durch Flucht entziehen könnte. "Der Postversand könnte als ein Schritt in Richtung Flucht gewertet werden", sagte Zachary W. Carter, ein ehemaliger New Yorker Staatsanwalt, der "New York Times". Madoffs Anwälte wiesen mögliche Fluchtpläne zurück.

Unterdessen untersuchen auch britische Behörden den Skandal um Madoff. In diesem Zusammenhang wollen die Ermittler die Geschäfte des 70-Jährigen in Großbritannien unter die Lupe nehmen, teilte die Strafverfolgungsbehörde SFO mit, die dem Generalstaatsanwalt untersteht. Die Untersuchung werde sich auf Madoffs britische Opfer und alle seine möglichen Rechtsverstöße konzentrieren, hieß es weiter. Alle Geschäftspartner und ehemaligen Angestellten seien aufgerufen, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten.

Zu Madoffs Opfern in Großbritannien zählen auch die Großbanken HSBC  und Royal Bank of Scotland  (RBS). HSBC hatte die Einbußen auf bis zu eine Milliarde Dollar beziffert. RBS geht davon aus, dass sich der Schaden auf 400 Millionen Pfund (rund 440 Millionen Euro) belaufen könne.

Madoff wird vorgeworfen, Investoren mit einem Schneeballsystem um bis zu 50 Milliarden Dollar betrogen zu haben. Zu den potentiellen Opfern zählen namhafte Banken und Fonds, aber auch Universitäten und Wohltätigkeitsorganisationen.

Madoffs Vermögen ist eingefroren. Bei einer Verurteilung drohen dem Broker und Ex-Nasdaq-Chef bis zu 20 Jahre Gefängnis.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa