Einigung Merckle erreicht Stundung

Der in Geldnöte geratene schwäbische Unternehmer Adolf Merckle hat mit seinen Gläubigerbanken eine Kreditstundung ausgehandelt. Wie es mit dem Firmenimperium weiter geht, bleibt allerdings weiter unklar.

Frankfurt am Main - In einem nächsten Schritt sollen in den kommenden Tagen die Verhandlungen über einen Überbrückungskredit zu Ende geführt werden, wie eine Sprecherin am späten Montagabend mitteilte. Anschließend soll über einen Sanierungskredit gesprochen werden.

Die Vereinbarung sei von allen Beteiligten unterzeichnet worden, teilte Merckles Beteiligungsgesellschaft VEM weiter mit. "Einvernehmen besteht zwischen den Parteien auch, Anfang Januar die restlichen Abkommen umzusetzen."

Weitere Einzelheiten will die Familie Merckle, deren Unternehmen im Zuge der Finanzkrise ins Wanken geraten waren, Anfang 2009 bekanntgeben

Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Wochenende unter Berufung auf Verhandlungskreise berichtete, dürfte das mit den Gläubigerbanken vereinbarte Finanzpaket wohl auf einen Notverkauf des Medikamentenherstellers Ratiopharm hinauslaufen. Dazu äußerte sich die VEM in ihrer Mitteilung nicht. Es hieß lediglich, mit der Einigung seien die "Voraussetzungen für eine nachhaltige Lösung der aufgetretenen Finanzierungsprobleme gegeben".

Berichte, dass bei Ratiopharm bereits Vorbereitungen für einen Verkauf Getroffen werden, wurden bei dem Unternehmen am Wochenende dementiert. Der Betriebsratsvorsitzende von Ratiopharm, Odo Maxein, hält den Verkauf des Generikaherstellers inzwischen für wahrscheinlich und "wohl nicht mehr zu vermeiden", wie die "Südwest Presse" schrieb.

Merckle hatte wochenlang mit seinen rund 30 Gläubigerbanken über einen Überbrückungskredit verhandelt. Der Unternehmer geriet in Bedrängnis, weil einige seiner Firmen hoch verschuldet sind und im Zuge der Finanzkrise drastisch an Wert verloren. Er benötigt nicht zuletzt wegen Fehlspekulationen mit VW-Aktien kurzfristig mehrere hundert Millionen Euro.

Mit einem Gesamtumsatz von 1,8 Milliarden Euro im Jahr 2007 ist Ratiopharm eines der größten internationalen Generikaunternehmen. In Deutschland beläuft sich der Umsatz der Ratiopharm-Gruppe mit nach eigenen Angaben 5417 Mitarbeitern, davon 2846 in Deutschland, auf 819 Millionen Euro.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa und ap

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