Reinhold Würth Schraubenkönig will Österreicher werden

Der Unternehmer und Kunstmäzen Reinhold Würth, der mit Schrauben zum Milliardär wurde, will die österreichische Staatsbürgerschaft annehmen. Der 73-Jährige, der seit 1993 einen Wohnsitz im Salzburger Land hat, hatte bereits im Frühjahr aufgrund eines Verfahrens wegen Steuerhinterziehung öffentlich über Abwanderung nachgedacht.

Künzelsau - Der Unternehmer Reinhold Würth bemüht sich um die österreichische Staatsbürgerschaft. Eine Unternehmenssprecherin bestätigte am Donnerstag einen entsprechenden Bericht der "Stuttgarter Nachrichten". Demnach prüfen die österreichischen Behörden derzeit einen Antrag Würths auf Erteilung der Staatsbürgerschaft. Seine deutsche Staatsangehörigkeit wolle der 73-jährige Unternehmer dennoch behalten. Das zuständige Innenministerium in Wien lehnte dem Blatt zufolge Auskünfte zu dem Fall des Prominenten ab.

Gut ein halbes Jahr nach dem Strafbefehl für seine Steuersünden ließ Würth erklären, er pflege seit Jahrzehnten enge Beziehungen zum Nachbarland. Würth hatte bereits im Frühjahr aufgrund des Verfahrens wegen Steuerhinterziehung öffentlich über eine Abwanderung nachgedacht. Als möglichen Grund nannten Medien auch seine Unzufriedenheit über die Debatte um die Erbschaftssteuer und die Steuerpolitik. Künzelsau soll aber weiter Sitz des deutschen Konzerns bleiben, hieß es jetzt.

Schon seit 1993 besitze er einen Wohnsitz im Salzburger Land, ließ Würth erklären. Je weniger er im Alter arbeite, desto mehr werde Salzburg zu seinem Ruhesitz. "In der Europäischen Union ist die Zugehörigkeit zu zwei Staatsbürgerschaften nichts Ungewöhnliches", hieß es. "Reinhold Würth fühlt als europäischer Bürger", sagte eine Würth-Sprecherin.

Die Gerüchte, Würth wolle das Land verlassen, kursieren seit über einem halben Jahr. Im Sommer war die Justiz-Akte Würth gegen Zahlung eines Strafbefehls von mindestens 3,5 Millionen Euro geschlossen worden. Der Förderer der Kunst ist damit vorbestraft.

Die Salzburger Landesbehörde wollte sich aus Gründen der Amtsverschwiegenheit nicht zu laufenden Staatsbürgerschaftsverfahren äußern. Wie die "Stuttgarter Nachrichten" (Donnerstag) meldeten, brauche der Betreffende für eine doppelte Staatsbürgerschaft jedoch eine Ausnahmegenehmigung der Behörden. Zu den Hintergründen für den Staatsbürgerschaftsantrag wollte sich die Würth-Sprecherin nicht äußern.

Kein Veränderung am Steueraufkommen

Von der Entscheidung des Schraubenmilliardärs sei weder der Wirtschafts- noch der Kulturstandort betroffen, sagte Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP). Nach seiner Ansicht werde das "Mäzenatentum von Würth" nicht leiden. Würth könne wohnen, wo er wolle, das gelte für alle. "Wenn seine Lebensplanung einen Umzug nach Salzburg vorsieht, kann man nichts dagegen sagen." Dramatisch wäre dies aus Sicht des Ministers nur, wenn Würth den Standort seines Konzerns verlegen würde. Dafür gebe es aber keine Anhaltspunkte.

Würth beschäftigt weltweit 65.000 Menschen und hatte im vergangenen Jahr 8,49 Milliarden Euro umgesetzt. Rund 60 Prozent des Umsatzes macht Würth heute außerhalb Deutschlands. Es habe sich gezeigt, dass es bei in den kommenden Jahrzehnten weiter steigenden Auslandsanteilen am Gesamtumsatz "nicht sinnvoll sein kann, den deutschen und den internationalen Konzern gleichzeitig von Künzelsau aus zu steuern", sagte die Würth-Sprecherin. Aus diesen Gründen werde die Konzernleitung von 2009 an die Führungsaufgaben zwischen den Geschäftssitzen im schweizerischen Rorschach und Künzelsau aufteilen.

"Künzelsau bleibt unverändert der Sitz des deutschen Konzerns, die Konzernführungsaufgaben außerhalb Deutschlands werden in Zukunft von Rorschach aus geleitet", betonte Würth. Schon seit 42 Jahren halte Würth International in der Schweiz die Beteiligungen an den ausländischen Gesellschaften. "Durch diese Entscheidung können wir uns ein Rationalisierungspotenzial eröffnen, die Wege werden kürzer, die Würth-Gruppe noch effizienter und von politischen Zukunftsrisiken der nächsten Dekaden unabhängiger."

In den Betriebsabläufen werde sich in Künzelsau und Deutschland überhaupt nichts verändern. Einige Stabsstellen mit weniger als 50 Arbeitsplätzen, die eng mit der Konzernführung verbunden sind, werden ihren Sitz in der Schweiz haben. "Am Steueraufkommen der Würth-Gruppe in Deutschland wird es keinerlei Veränderung geben", hieß es in der Erklärung.

Auch Öhringens Bürgermeister Klaus Kübler bezeichnete den Umzug von Würth als nicht dramatisch. "Ich habe damit kein Problem. Herr Würth hatte ja bisher schon einen Wohnsitz in Salzburg." Der Kommunalpolitiker geht davon aus, dass sich dies nicht auf die Steuer- und Arbeitsplatzsituation in Hohenlohe auswirken wird. Die Wahl des Wohnorts allein habe keine Konsequenzen.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ddp und ap

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.