Samstag, 20. Juli 2019

manager-lounge Der Dreiklang des Erfolgs

Ein Unternehmen führen oder ein Orchester dirigieren - der Unterschied ist gar nicht so groß. Der Dirigent Christian Gansch gab den Mitgliedern der manager-lounge anhand origineller Musikbeispiele Tipps, wie man andere für seine Ideen begeistert, die Wahrnehmungskraft schärft und Stress souverän bewältigt.

München - Musik von Sergej Rachmaninow anstatt einer Powerpoint-Präsentation. Erfrischend ungewöhnlich ist nicht nur der Vortragsstil, sondern auch das Thema der manager-lounge-Veranstaltung in München: "Vom Solo zur Sinfonie - was Unternehmen von Orchestern lernen können". Doch Referent Christian Gansch zieht seine Zuhörer im Restaurant GourVin sofort in seinen Bann - keine Überraschung für jemanden, der weltweit vor großen Häusern mit renommiertesten Orchestern aufgetreten ist.

Christian Gansch: Der geborene Österreicher ist international als Dirigent, Produzent und Consultant tätig. Von 1981 bis 1990 war er Führungskraft bei den Münchner Philharmonikern. Danach wechselte er in die Musikindustrie.
Der Österreicher dirigierte unter anderem das englische BBC Orchester, das City of Birmingham Symphony Orchestra, das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, das Russian National Orchestra und das Pariser Orchestre Philharmonique de Radio France. Zu den Höhepunkten seiner Karriere gehört die 9. Symphonie von Beethoven mit dem Orchestra Teatro La Fenice in Venedig. Darüber hinaus produzierte er als Manager in die Musikindustrie weltweit über 190 CDs - mit Künstlern wie Pierre Boulez, Claudio Abbado und Anna Netrebko.

Seine internationalen Erfahrungen in der Musik- und Wirtschaftswelt bilden das Fundament für seine Tätigkeit als Referent und Experte für Unternehmensführung. Gansch analysiert nun die Strukturen und Arbeitsabläufe von Orchestern und zeigt anhand von Beispielen, wie inspirierend ein Transfer orchestraler Lösungsstrategien für Unternehmen sein kann.

"Es gibt viele Parallelitäten zwischen Unternehmens- und Orchesterstrukturen", sagt Gansch: "So spielen in Toporchestern über 100 international rekrutierte Spitzenkräfte - mit dem Unterschied zu einem Konzern, dass sie statt in großzügig eingerichteten Einzelbüros auf engstem Raum sitzen, also quasi wie bei einem Dauerseminar."

Doch vieles, was in Orchestern klischeemäßig als emotional interpretiert wird, seien prozessoptimierte Abläufe, berichtet der Musikfachmann. "Auch die Exzentriker wissen, dass es keinen Sinn hat, 100 verschiedene Privatversionen einer Sinfonie anzubieten", so Gansch. Jeder Star müsse also wissen, wann sein Solo vorbei ist. "Und auch die Pauke braucht Präsenz im entscheidenden Moment."

Denn im Orchester gibt es genauso wie in einem Unternehmen verschiedene Abteilungen, das Wechselspiel der Kräfte ist dementsprechend wichtig. "In den Proben sind Konfliktbereitschaft und Reibungsprozesse wichtig, um beim Konzert Harmonie zu erzeugen", berichtet Gansch.

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