Manager in der Krise Glaube, Kaufen, Hoffnung

Die Jobangst unter deutschen Führungskräften wächst. Einer aktuellen Umfrage zufolge steigt die Zahl derer, die um ihren Job bangen. Knapp jeder zweite Manager ist zum Jobwechsel bereit. Trotz der pessimistischen Stimmung hat die Hälfte der Befragten das eigene Konsumverhalten bisher nicht geändert.

Hamburg - Einer aktuellen Umfrage des Online-Karrieremanagers Placement24 zufolge sieht mehr als jede vierte Fach- und Führungskraft (28 Prozent) den eigenen Job aufgrund der Finanzkrise gefährdet. Das teilte Placement24 heute mit. Im Mai bangte noch knapp jede fünfte Führungskraft (19 Prozent) um den Arbeitsplatz. 60 Prozent der Befragten erwartet eine Verschlechterung der eigenen finanziellen Situation im kommenden Jahr.

Trotz der überwiegend pessimistischen Einschätzungen gibt die Hälfte der Befragten (51 Prozent) an, das eigene Konsumverhalten bisher nicht geändert zu haben. Placement24 befragte im Dezember die im Headhunter-Portal registrierten Fach- und Führungskräfte. 2.217 Personen beteiligten sich an der Umfrage.

"Die Krise ist noch nicht endgültig in allen Köpfen der Fach- und Führungskräfte angekommen", kommentiert Tonio Riederer von Paar, Gründer und Geschäftsführer von Placement24, die Ergebnisse. "Ein Großteil lebt zwischen Glauben und Hoffnung, dass die Krise sie persönlich nicht so hart treffen wird." Die Beobachtung deckt sich mit dem aktuellen Konsumklimaindex der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Demnach schlägt sich die Finanzkrise nicht weiter auf die Konsumlaune der Verbraucher nieder, obwohl die Konjunkturerwartung auf Talfahrt ist.

Fast jede zweite Fach- und Führungskraft ist zum Jobwechsel bereit, 45 Prozent der angestellten Führungskräfte geben an, dass sie ihren Arbeitgeber wechseln würden – wenn der neue Arbeitgeber wirtschaftlich besser gestellt wäre. Knapp 47 Prozent fühlen sich hingegen bei ihrem aktuellen Arbeitgeber sicher.

Keine Konsumgutscheine, bitte

"Das Ziel der Haushaltskonsolidierung sollte aufgegeben werden", dieser Aussage stimmen 59 Prozent der Fach- und Führungskräfte zu. 60 Prozent befürworten reduzierte Lohn- und Einkommensteuern als staatliche Maßnahme zur Unterstützung der Wirtschaft. 46 Prozent halten das Senken der Mehrwertsteuer für die richtige Aktion. Erst danach folgt die Zustimmung zu einem Konjunkturprogramm (42 Prozent), gefolgt von der Unterstützung für ein Infrastrukturprogramm (37 Prozent). Konsumgutscheine finden hingegen kaum Zustimmung bei den Fach- und Führungskräften (7 Prozent).

Fast drei von vier Führungskräften (73 Prozent) trauen der CDU oder einer Koalition mit der CDU "am ehesten zu, die Finanzkrise zu bewältigen". Dabei wünscht sich eine relative Mehrheit der Führungskräfte eine CDU-Koalition mit der FDP (32 Prozent) gefolgt von einer großen Koalition mit der SPD, der noch 28 Prozent der Befragten zustimmen.

Die Koalitionen liegen damit auch deutlich vor den Einzelbewertungen der Parteien. Lediglich für die CDU (13 Prozent) sowie die FDP (10 Prozent) gibt es größeres Vertrauen, auch ohne Koalitionspartner die Krise zu bewältigen. Alle anderen Parteien genießen hier kaum Vertrauen. Weniger als fünf Prozent (4,9 Prozent) der Befragten traut der SPD alleine zu, die Finanzkrise zu bewältigen.

Gespalten sind die Meinungen der Führungskräfte bezüglich eines grundsätzlichen Wandels im Finanz- und Wertesystem durch die Finanzkrise. Während 33 Prozent keine tiefgreifenden Änderungen erwarten, sehen knapp 35 Prozent einen "vollständigen Wandel des gesamten Finanzsystems" kommen. Knapp jeder Vierte (23 Prozent) der Befragten stimmt auch der Aussage zu, dass die Marktwirtschaft durch die Finanzkrise weiter an Glaubwürdigkeit verloren hat. 18 Prozent sehen den staatlichen Einfluss auch zukünftig in anderen Bereichen als dem Finanzsektor zunehmen.

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