Siemens-Affäre US-Behörden belasten von Pierer

Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer wird Presseberichten zufolge durch die Ermittlungsergebnisse von US-Behörden belastet. Pierer, sein Nachfolger Klaus Kleinfeld und vier weitere namentlich genannte Ex-Vorstände würden beschuldigt, deutlichen Hinweisen auf Korruption nicht nachgegangen zu sein.

München - Durch die Ermittlungsergebnisse der US-Behörden im Korruptionsfall Siemens  werden nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" (Montagausgabe) der ehemalige Konzernchef Heinrich von Pierer und weitere frühere Vorstände belastet. Pierer werde vorgeworfen, er habe seit 2001 von Treuhandkonten in der Schweiz gewusst, über die Provisionszahlungen für Aufträge aus dem Ausland abgewickelt worden seien. Seit 2004 sei Pierer über schwarze Kassen informiert gewesen.

Sein Anwalt Winfried Seibert wollte den Bericht am Montag nicht kommentieren. Man werde sich gegebenenfalls "zunächst gegenüber den zuständigen Gremien äußern", sagte Seibert. Auch ein Siemens-Sprecher wollte keine Stellungnahme zu dem Bericht abgeben. Pierer, sein Nachfolger Klaus Kleinfeld und vier weitere namentlich genannte Ex-Vorstände sowie der gesamte frühere Zentralvorstand als Organ würden beschuldigt, massiven Hinweisen auf Korruption nicht nachgegangen zu sein und nicht genug gegen mutmaßliche Gesetzesverstöße unternommen zu haben.

Die Vorwürfe der US-Behörden beruhen nach Angaben der Zeitung weitgehend auf den Ergebnissen der internen Ermittlungen bei Siemens. Sie seien nahezu identisch mit dem, was der Aufsichtsrat früheren Vorständen vorhält. Der Konzern verlange von Pierer, Neubürger, Kleinfeld und anderen Ex-Managern Schadenersatz in Millionenhöhe. Dass mit dem US-Justizministerium nun erstmals eine Behörde die Vorwürfe übernimmt, bestärkt den Aufsichtsrat laut Zeitungsbericht bei dessen Schadenersatzforderungen.

Nach Erkenntnissen des US-Justizministeriums wurden Pierer, Neubürger und andere Vorstände wiederholt über mutmaßliche Korruptionsfälle und Mängel in den internen Kontrollsystemen informiert. Trotzdem, so lautet die Kritik, seien keine Maßnahmen ergriffen worden - bis hinein in Kleinfelds Amtszeit als Konzernchef von Januar 2005 bis Mitte 2007, so das US-Justizministerium. Der Siemens-Zentralvorstand habe Ende Mai 2005 von einer mit internen Nachforschungen beauftragten Anwaltskanzlei von 126 Zahlungen zwischen 1997 und 1999 via Liechtenstein erfahren, bei denen die Empfänger "nicht identifiziert werden konnten".

Zu Kleinfeld werde angemerkt, dass er Mitte 2005 einen Vergleich über interne Vorkehrungen gegen Gesetzesverstöße bei Siemens und ihrem größten Konkurrenten, General Electric , anfertigen ließ. Das bei Siemens eingesetzte Team sei mit sechs Leuten extrem klein gewesen, während bei General Electric 300 Leute für Ordnung sorgten, schreibt das US-Justizressort. Kleinfeld habe eine Überprüfung der betreffenden Abteilung in Auftrag gegeben.

Aus Kleinfelds Umgebung hieß es am Sonntagabend, der frühere Konzernchef fühle sich durch das Papier des US-Ministeriums bestätigt. Das gelte "insbesondere für die Maßnahmen zur Aufklärung, die laut US-Justizressort für Siemens entlastend gewirkt hätten und die in Kleinfelds Amtszeit initiiert und eingeleitet wurden", berichtet die Zeitung weiter. Pierer und Kleinfeld haben stets ihre Unschuld beteuert.

manager-magazin.de mit Material von dpa, afp und ddp

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