Madoffs Milliardenbetrug Großbanken bauten mit an der Pyramide

Von Santander bis BNP Paribas - etliche Großbanken sind in das Pyramidenspiel des Bernard Madoff verwickelt. Manche setzten Milliardenbeträge in den auf 50 Milliarden Dollar geschätzten Profibetrug. Neben Prominenten und Privatanlegern verbrannten vor allem Hedgefonds Geld. Immer mehr Opfer outen sich.

New York - Von dem mutmaßlichen Milliardenbetrug an der Wall Street sind auch große Namen der Finanzwelt betroffen. So bestätigten unter anderem die Großbanken Santander , BNP Paribas , Nomura , Société Générale  und Royal Bank of Scotland (RBS) , zu den Opfern des Finanziers Bernard L. Madoff zu gehören. Der ehemalige Nasdaq-Börsenchef betrieb laut Vorwürfen der Behörden ein gigantisches "Schneeballsystem" im Volumen von 50 Milliarden Dollar.

Laut Medienberichten drohen unter anderem der größten europäischen Bank HSBC  sowie zwei Fonds Ausfälle von über einer Milliarde Euro. Die HSBC war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Bei weitem am stärksten betroffen ist nach bisherigem Stand die spanische Santander, die nach eigenen Angaben 2,3 Milliarden Euro ihrer Kunden und 17 Millionen Euro auf eigene Rechnung bei Madoff investiert hatte. Konkurrent BBVA  rechnet mit Belastungen von bis zu 300 Millionen Euro. Die RBS teilte mit, sie sei über den Handel und die Kreditvergabe an Hedgefonds in Madoffs Geschäfte involviert. Der mögliche Verlust belaufe sich auf etwa 400 Millionen britische Pfund (rund 450 Millionen Euro). Die Pariser BNP Paribas bezifferte den möglichen Verlust auf bis zu 350 Millionen Euro. Die Bank sei nicht selbst bei den von Madoff geführten Hedgefonds engagiert, wäre allerdings über den Handel und die Vergabe von Krediten indirekt betroffen.

Der japanische Finanzriese Nomura hat nach eigenen Angaben 27,5 Milliarden Yen (knapp 225 Millionen Euro) verloren. Die Auswirkungen für den Konzern seien jedoch "begrenzt", erklärte Nomura am Montag. Von der italienischen Unicredit  hieß es, das Engagement liege bei rund 75 Millionen Euro. Der in Dublin ansässige Vermögensverwalter Pioneer Investments sei indirekt bei Madoff engagiert. Italienische Kunden seien nicht betroffen, schreibt Unicredit in einer Mitteilung an die Börse. Die Pariser Société Générale beurteilte das Engagement bei Madoff als "verbachlässigbar". Es liege unter 10 Millionen Euro, teilte die Bank mit.

Madoff gegen Kaution freigelassen

Madoff soll Investoren mit einem Schneeballsystem um ihr Geld gebracht haben, erklärten Staatsanwaltschaft und US-Bundespolizei FBI am Donnerstag. Madoff wurde nach Hinterlegung einer Kaution auf freien Fuß gesetzt. Seine Londoner Investmentfirma stellte am Freitag den Handel ein. Dem 70-Jährigen drohen 20 Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe in Höhe von fünf Millionen Dollar. Er hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft zugegeben, dass sein Geschäft seit Jahren zahlungsunfähig sei. Leitenden Angestellten seiner Firma soll er laut Anklage eingestanden haben: "Es ist alles eine große Lüge."

Madoff selbst hatte den US-Behörden zufolge den Schaden auf 50 Milliarden Dollar beziffert. Das wäre der größte Betrugsfall der Geschichte. Es soll ein klassisches Schneeballsystem gewesen sein: Die Anleger bekamen die versprochenen hohen Zinsen - wohl 8 bis 12 Prozent im Jahr - aus dem Geld immer neuer Investoren. Den Behörden zufolge gestand Madoff, dass er nur noch 200 bis 300 Millionen Dollar übrig habe und sein Unternehmen ansonsten pleite sei. Demnach gestand Madoff den Betrug zwei seiner wichtigsten Angestellten - laut Zeitungsberichten waren es seine Söhne -, die anschließend die Behörden einschalteten.

Dreimal von der Aufsicht untersucht - nie aufgeflogen

Einem Bericht des "Wall Street Journals" zufolge ermittelte die US-Börsenaufsicht SEC seit 1992 mehrmals gegen Madoff, ohne jedoch seine illegalen Geschäfte aufzudecken. Nach 1992 wurden die Geschäfte des 70-Jährigen auch 2005 und 2007 untersucht, wie die Zeitung am Sonntagabend auf ihrer Internetseite berichtete.

Unter den Opfern des Betrugs sollen neben Hedgefonds und Superreichen wie dem Eigentümer des Baseballteams New York Mets auch kleinere Investoren sein, die erspartes oder geerbtes Geld für den Lebensabend angelegt haben. Laut Zeitungsberichten gehen die Behörden von mehreren hundert Geschädigten aus. Das "Wall Street Journal" zitierte zum Beispiel einen Anwalt von 30 Investoren, deren Verluste eine Milliarde Dollar übersteigen könnten. In den Golf- und Country-Clubs, in denen Madoff verkehrte, galt er als Investmentstar. Zum Teil vertrauten ihm die Leute laut Medienberichten nahezu ihr gesamtes Erspartes an. Die "New York Times" berichtete von Familien, die alle ihre Rücklagen verloren haben. Eine Wohltätigkeitsstiftung aus Massachusetts ist vermutlich ihr gesamtes Geld los und muss schließen.

Milliarden kamen von den Hedgefonds

Das wirklich große Geld kam aber aus der Hedgefondsbranche. So habe allein die Fairfield Greenwich Group, ein Dach-Hegdefonds, bei Madoff 7,5 Milliarden Dollar angelegt. Die britische Man Group geht von Ausfällen von bis zu 267 Millionen Euro aus. Zugleich wirft das plötzliche Auffliegen des Betrugs die Frage auf, wie ein so großes Schneeballsystem über Jahre unentdeckt bleiben konnte. Madoffs Firma legte der Finanzaufsicht SEC alle erforderlichen Berichte vor. Die Investoren bekamen regelmäßig Auszüge mit der Auflistung angeblich ausgeführter Geschäfte.

Dabei gab es auch immer wieder Zweifel von Wettbewerbern, denen das Geschäft Madoffs zu glatt lief, um wahr zu sein. Der Mitarbeiter einer Konkurrenzfirma schrieb der SEC schon im Jahr 1999, er glaube, Madoff betreibe ein Schneeballsystem. Als Buchprüfer beschäftigte Madoff eine winzige New Yorker Firma. Eine misstrauische Anlegerberatung will herausgefunden haben, dass der Wirtschaftsprüfer nur drei Beschäftigte hatte: eine Sekretärin, einen 78-Jährigen, der in Florida wohnte, und einen 47-jährigen Buchhalter. Das Eingeständnis eines Milliardenbetrugs durch Madoff selbst hat die US-Bundespolizei FBI und die SEC nun offenbar überrascht: Die schriftlichen Vorwürfe enthalten praktisch nur die Angaben, die er selbst im Gespräch mit seinen Mitarbeitern gemacht haben soll.

Madoff war zeitweise auch Verwaltungsratsvorsitzender der Technologiebörse Nasdaq und zählte seit Jahrzehnten zu den einflussreichen Figuren der Wall Street. Madoffs Firma Bernard L. Madoff Investment Securities agierte vor allem als Broker an der Börse. Allerdings unterhielt er auch einen Investmentarm, über den der Betrug gelaufen sein soll. Die Kombination war praktisch, denn so konnte man behaupten, zahlreiche Geschäfte über den eigenen Aktienhandel abgewickelt zu haben.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, afp, reuters und dow jones

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