Bahn-Chef Pariser Kollege schimpft über Mehdorn

Aggressiv, anmaßend, arrogant - nur drei der Attribute, die Frankreichs Bahnchef Guillaume Pepy für seinen deutschen Amtskollegen Hartmut Mehdorn findet. Die Staatsbahn SNCF beschwert sich über den Expansionskurs der Deutschen Bahn - die sich umgekehrt in Brüssel über die Franzosen beschwert.

Paris - Der Chef der französischen Staatsbahn SNCF, Guillaume Pepy, hat Bahnchef Hartmut Mehdorn scharf für dessen Verhalten beim Ringen um Marktanteile in Europa kritisiert. "Herr Mehdorn spricht immer über Kooperation, aber in Wirklichkeit ist das aggressiv", sagte SNCF-Chef Guillaume Pepy am Freitag vor Journalisten in Paris. So sei das Interesse der Deutschen Bahn am westeuropäischen Schnellzug Eurostar "arrogant, anmaßend und verfrüht", sagte Pepy. Dies zeige, dass ein Jahr vor der 2010 geplanten Liberalisierung des grenzüberschreitenden Personenverkehrs die "Feindseligkeiten in Europa begonnen haben".

Die britische Zeitung "Times" hatte in ihrer Freitagsausgabe berichtet, die Deutsche Bahn wolle den britischen Anteil an Eurostar kaufen. Die Deutsche Bahn wolle das Netz der Eurostar-Züge, die in Frankreich, Belgien und Großbritannien verkehren, auf Deutschland ausweiten. Mehrheitseigner von Eurostar ist die SNCF, die rund 62 Prozent der Anteile hält. SNCF-Chef Pepy warf der Deutschen Bahn auch vor, das Intranet der SNCF auszuspioniert zu haben auf der Suche nach Lokführern für das in Frankreich tätige Tochterunternehmen ECR.

Zu einem Brief, mit dem sich die Deutsche Bahn zusammen mit der italienischen Bahn bei der EU-Kommission über Frankreich beschwerte, sagte Pepy, dies sei "eine juristische Antwort auf unseren erfolgreichen Einstieg in Italien". Die Deutsche Bahn und die italienische Ferrovie dello Stato (FS) beschwerten sich am Freitag in dem Brief darüber, dass die SNCF trotz der für 2010 geplanten Liberalisierung weiter keine Anstalten mache, den französischen Markt für ausländische Konkurrenten zu öffnen.

In dem Schreiben wiesen die beiden Unternehmen darauf hin, dass die schleppende Liberalisierung negative Auswirkungen auf den fairen Wettbewerb habe, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Freitag in Berlin. Frankreich werde in dem Brief, den Bahn-Chef Hartmut Mehdorn Mitte November dem EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani in Brüssel überreicht habe, aber nicht explizit erwähnt. Auch die italienische Ferrovie dello Stato bestätigte den Vorstoß.

Tajani stimmte der Einschätzung der beiden Eisenbahnkonzerne grundsätzlich zu. "Die Liberalisierung kann nicht in einem Land gelten und in einem anderen nicht", sagte er im italienischen Rundfunks. Einige Länder hinkten hinterher. Dazu zähle Frankreich, das die Marktöffnung stärker als bisher vorantreiben müsse, aber auch andere Staaten. Die Deutsche Bahn hat wiederholt unfaire Wettbewerbsbedingungen in zahlreichen EU-Staaten kritisiert. So sei der Personenverkehr im französischen Markt ausländischen Konkurrenten bisher verschlossen - allerdings fahren deutsche ICE-Schnellzüge inzwischen auf der Strecke von Paris nach Frankfurt am Main, während die SNCF mit ihren TGV den Streckenzweig nach Stuttgart bedient.

In Deutschland hat die DB bereits den Betrieb von Regionalverkehr an die Töchter französischer Konzerne verloren. In Italien will Frankreichs Staatsbahn SNCF einen 20-prozentigen Anteil am Konsortium NTV übernehmen, das hochrangige italienische Geschäftsleute zur Entwicklung von Hochgeschwindigkeitsverbindungen in dem Land gegründet haben.

manager-magazin.de mit Material von afp und reuters

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