Donald Trump Die Show ist aus

Die Kreditkrise trifft mit Donald Trump nun auch einen der umtriebigsten Unternehmer Amerikas. Etliche seiner Bauprojekte geraten ins Wanken. In einem Fall ist er sogar in einen milliardenschweren Rechtstreit verwickelt. Sein Gegner: die Deutsche Bank.

New York - Am Anfang gab es natürlich wieder die üblichen schamlosen Übertreibungen. Das "höchste Gebäude der Welt" solle es werden, prahlte Amerikas bekanntester Immobilienimpresario Donald Trump. Luxus, Glamour, Exklusivität und "wahrhaft überwältigende Architektur" - das alles unter dem unschlagbaren Markenzeichen Trump: "Die Menschen lieben meine Gebäude."

Davon ist heute keine Rede mehr. Der Trump International Hotel & Tower in Chicago - ein fast fertiger Wolkenkratzer, dessen Bauleitung Trump einst in seiner Realityshow "The Apprentice" ausgelobt hatte - ist für den Milliardär zum Problemfall geworden, der den Tausendsassa, wie so viele andere Immobilienaufschneider und Investoren auch, ins finanzielle Unheil zu reißen droht.

Weder wird die 92-stöckige Glassäule am Chicago River das höchste Gebäude der Welt. Noch ist die 08/15-Architektur bemerkenswert. Viele Luxuswohnungen liegen wie Blei im Markt, Trump droht an Schulden zu ersticken. Und jetzt folgt auch noch ein möglicherweise sündhaft teurer Rechtsstreit mit seinem Top-Finanzier - der Deutschen Bank .

Und so bringt die Kredit- und Wirtschaftskrise selbst eines der stoischsten Stehaufmännchen der Branche ins Wanken. "Der amerikanische Traum lebt", hatte Trump-Ziehsohn Bill Rancic noch gejubelt, als er 2004 im ersten "Apprentice"-Finale zum Chicago-Projektleiter ernannt wurde. Rancic arbeitet heute längst nicht mehr für Trump, der American Dream ist für Millionen Immobilienbesitzer gestorben. Nun droht dieses Schicksal auch dem Selbstvermarkter Trump.

Denn nicht nur in Chicago wachsen dem sonst so findigen Immobilienhai die Probleme über den Kopf. Auch an anderer Stelle kollabieren Projekte: Die Trump-Casinos in Atlantic City stehen mal wieder vor finanziellen Schwierigkeiten, ein Hochhausprojekt in Philadelphia liegt auf Eis, sein Hotel in Las Vegas kommt nicht voran und die Arbeit an seinem 600-Millionen-Dollar-Mega-Hotel auf einer künstlichen Insel in Dubai wurde vorige Woche wegen der miserablen Kreditkonditionen ausgesetzt.

Klage gegen die Deutsche Bank

Trump - dessen Vorhaben stets größer scheinen, als die Realität erlaubt - bleibt nonchalant. Das alles, sagte er jetzt in einem Interview mit der "New York Times", sei höhere Gewalt. Weshalb er sich auch weigert, seine seit einem Monat überfälligen Ratenzahlungen bei der Deutschen Bank (334 Millionen Dollar) zu zahlen. Stattdessen klagt er, typisch Trump, auf drei Milliarden Dollar Schadensersatz.

Der 415 Meter hohe, fast 850 Millionen Dollar teure Trump Tower Chicago, der 2009 als dann zweithöchstes Gebäude Amerikas offiziell fertig gestellt werden soll, war von Anfang an ein Sorgenkind. Die protzige Mischung aus Nobelhotel und Luxusbleiben stieß in der Stadt auf Kritik, das Design mussten die Planer mehrmals anpassen.

Die größten Probleme waren und sind jedoch finanzieller Art. Hauptgeldgeber ist die Deutsche Bank  mit einem 640-Millionen-Dollar-Darlehen, dessen letzte große Rate im November fällig wurde. Hinzu kommen 130 Millionen Dollar von der Finanzierungsgesellschaft Fortress . Trump selbst steuerte rund 77 Millionen Dollar bei.

Doch seit zwei Jahren stagniert der Verkauf der 486 Wohnungen ebenso wie der Absatz der 286 privaten Hotelsuiten und der 53 "Spa-Apartments". Zwar sind die unteren Stockwerke schon teilweise bezogen. Doch bisher fanden erst rund die Hälfte aller Wohnungen Interessenten. Investoren klagen, sie seien zu teuer. Einige Käufer haben ihre Immobilien zudem selbst wieder auf den Markt geworfen - zu wesentlich niedrigeren Preisen. Das bremst den Absatz der noch nicht verkauften Unterkünfte zusätzlich.

Schon im Mai versäumte Trump eine erste Zahlungsfrist an die Deutsche Bank. Damals wurde ihm eine Fristverlängerung eingeräumt. Kurz bevor diese nun ablief und er 334 Millionen Dollar hätte zurückzahlen sollen, verklagte Trump seinen Finanzpartner vor dem Obersten Gericht des Bundesstaates New York.

Er brauche mehr Zeit, um diesen "einmaligen Kredit-Tsunami" zu überstehen, forderte Trump unter Berufung auf besagte "höhere Gewalt" in seiner 34-Seiten-Klage. Die Bank - die das Darlehen wiederum über 18 weitere Gläubiger verteilt hat - weigere sich jedoch, ihm ohne "finanzielle Konzessionen" Kulanz einzuräumen. Auch erlaubten die Gläubiger ihm nicht, die Preise für die Apartments zu senken oder die restlichen Wohnungen selbst zu kaufen, für fast 100 Millionen Dollar.

Stattdessen, so versucht Trump nun den Spieß umzudrehen, arbeite die Deutsche Bank daran, ihm das Projekt "abzuluchsen", um "ihre eigenen Taschen zu füllen". Damit habe die Bank seinen "Ruf beschädigt", ihn um Gewinne gebracht und zusätzliche Kosten verursacht, weshalb ihm Schadensersatz in Höhe von mindestens drei Milliarden Dollar zustehe.

Die Bank streitet die Vorwürfe ab. "Überfällige Schulden sind nichts Neues für Trump", spottete sie in einem Antrag auf Ablehnung der Klage. "Dieses Verfahren ist klassisch Trump." Stattdessen legte die Deutsche Bank jetzt Gegenklage ein: Trump solle gezwungen werden, eine persönliche Bürgschaft in Höhe von 40 Millionen Dollar zurückzuzahlen.

Trumps Imperium wankt

Es wäre schlimm genug, wenn das juristische Fingerhakeln mit den deutschen Finanziers um Chicago Trumps einziges Problem wäre. Doch auch anderswo in seinem Betonreich brennt es.

Trumps einstiges Casinogeschäft in Atlantic City, darunter etwa das Trump Taj Mahal Casino Resort, seit jeher von Schulden geplagt, steckt erneut in der Klemme. Ende November verpasste die Muttergesellschaft Trump Entertainment Resorts eine 53-Millionen-Dollar-Zinszahlung. Zwar ist Trump bei der Gesellschaft nur noch Aufsichtsratschef (zum Jahresgehalt von zwei Millionen Dollar), doch sein Name ist damit untrennbar verbunden. Die Aktie des Unternehmens war am Freitag nur noch 23 Cents wert, die Rating-Agenturen stuften sie auf "Junk" herab.

In Philadelphia musste Trump den Bau seines 300 Millionen Dollar teuren Trump Towers wegen "verschärfter Marktkonditionen" verschieben. "Wir werden die Bauarbeiten fortsetzen, wenn es der Markt erlaubt", erklärte Trumps Tochter Ivanka, die seine Immobilienprojekte verantwortet. Der 45-stöckige Wolkenkratzer, für den 263 Luxuswohnungen avisiert sind, sollte schon Mitte dieses Jahres am Ufer des Delaware Rivers entstehen.

Trumps neues glitzerndes Wohnhotel in Las Vegas - 1,2 Milliarden Dollar teuer - eröffnete zwar im April. Doch auch hier schleppt sich der Verkauf der 1282 Apartments und Suiten nur mühsam dahin. Jetzt haben sich einige der Investoren zusammengetan, um Trump auf Rückzahlung ihrer Einlagen zu verklagen.

Und in Dubai killte Trumps Finanzpartner das Mammutvorhaben bis auf weiteres. Die staatliche Entwicklungsgesellschaft Nakheel stoppte das 600-Millionen-Dollar-Projekt mit Hinweis auf die schwindende Nachfrage in Dubai, dem bisherigen Immobilien-Eldorado. Mit 62 Stockwerken hätte sich der futuristische zweiteilige Turmbau 270 Meter hoch über dem persischen Golf erheben sollen. Dennoch verspricht Trumps Dubai-Website, von Computerphantasien animiert, bis heute Hotel-Suiten, Swimmingpools und eine Sky-Bar mit Blick auf das Emirat.

Trump hat natürlich schon manch anderes überstanden. In den neunziger Jahren rasselte er schon einmal in die Insolvenz, zog seinen Kopf aber mit geschickten Transaktionen wieder aus der Schlinge. "Forbes" schätzt sein Vermögen auf drei Milliarden Dollar. Aber das war im Mai - bevor die Wall Street kollabierte.

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