Middelhoff vor Ablösung Eick wird Arcandor-Chef

Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick wechselt zum angeschlagenen Handels- und Touristikkonzern Arcandor. Dort soll Eick so schnell wie möglich den gescheiterten Thomas Middelhoff als Vorstandsvorsitzenden ablösen.
Von Sören Jensen und Astrid Maier

Hamburg - Die Deutsche Telekom  hatte zuvor mitgeteilt, Eick habe um die Auflösung seines bis 2012 laufenden Vertrags gebeten, um sich einer neuen Aufgabe zu widmen. Eick werde die Telekom im Februar 2009 verlassen, hieß es. Wie manager-magazin.de von mit der Situation vertrauten Personen erfuhr, wird der Telekom-Manager zum stark angeschlagenen Arcandor-Konzern  wechseln, was Arcandor inzwischen bestätigt hat.

Arcandor-Aufsichtsratschef Friedrich Carl Janssen konnte den Telekom-Manager offenbar mit einer entsprechenden Vergütung locken: Schafft Eick es, das MDax-Unternehmen zu sanieren, sollen ihm ähnlich wie bei einem Private-Equity-Deal hohe Auszahlungen zustehen. Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz hatte nach den großen Kursverlusten der Aktie das Vertrauen in Middelhoff verloren.

Arcandor hatte erst vergangene Woche einen radikalen Umbau des Vorstands eingeleitet. Neben dem langjährigen Einkaufsvorstand Helmut Merkel verlässt auch Finanzvorstand Peter Diesch den Konzern. Vor zwei Monaten war bereits der Vertrag mit Personalvorstand Matthias Bellmann regulär ausgelaufen und wurde auf seinen Wunsch hin nicht verlängert.

Auf Eick wartet eine heikle Aufgabe: In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres, in denen bereits das Weihnachtsgeschäft 2007 enthalten war, verbuchten die hoch verschuldeten Essener einen Verlust von 375 Millionen Euro.

Eick sitzt seit fast neun Jahren als Finanzchef im Vorstand der Telekom, inzwischen unter dem dritten Vorstandschef. Er hatte sich bei der Telekom selbst Hoffnungen auf den Vorstandvorsitzposten gemacht, zuletzt 2006. Den Vorzug hatte beim Abgang von Kai-Uwe Ricke aber René Obermann erhalten.

Zwei Gewinnwarnungen hatten den Ruf des Managers zwischenzeitlich stark angekratzt. Zuletzt hatte die Telekom ihm die Verantwortung für den Rechtsbereich entzogen und diesen dem eigens dafür geschaffenen neuen Datenschutz-Vorstand übertragen.

Middelhoff - bei Arcandor gescheitert

Middelhoff - bei Arcandor gescheitert

Eick hatte selbst gerne in der Öffentlichkeit damit kokettiert, er könne sich sehr gut ein „Leben nach der Telekom" vorstellen. Einen Nachfolger für den 54-jährigen bei der Telekom gibt es offenbar noch nicht. Es werde sowohl extern als auch intern gesucht, hieß es. Eick sei auf eigenen Wunsch gegangen, es habe ihn aber auch niemand aufhalten wollen, hieß es im Umfeld der Telekom. Eick ist der letzte Manager im Vorstand der Telekom, der vor der Berufung von René Obermann bereits in dem Gremium saß.

Middelhoff hatte in der vergangenen Woche in einer telefonischen Aufsichtsratssitzung erklärt, dass er möglichst bald seinen Posten räumen wolle. Er hatte stets erklärt, dass er Ende 2008 gehen würde. Im April jedoch hatte der Aufsichtsrat Middelhoffs Vertrag bis Ende 2009 verlängert, da er die von ihm immer wieder forcierten Großprojekte wie die Einbringung des Warenhaus- und des Versandgeschäftes in internationale Partnerschaften zu Ende bringen sollte. Diese Vorhaben verharren bis heute auf der Stufe der Ankündigung.

Erstmals hatte in der vergangen Woche der neue Aufsichtsratsvorsitzende Janssen die Sitzung des Arcandor-Kontrollgremiums geleitet. Janssen zeichnet als persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses Sal. Oppenheim, das seit einigen Wochen Großaktionär bei Arcandor ist. Janssen hatte den als schwach geltenden ehemaligen Linde-Vorstand Hero Brahms (67) abgelöst. In der vergangenen Woche hatte Arcandor bereits das Ausscheiden von Finanzchef Peter Diesch (54) und Einkaufsvorstand Helmut Merkel (59)mitgeteilt.

Das Verhältnis zwischen dem neuen Großaktionär Sal. Oppenheim und Middelhoff gilt als sehr gut. Deshalb dürfte Janssen dem scheidenden Vorstandschef einen gesichtswahrenden Abgang ermöglichen.

Das ändert jedoch nichts daran, dass Middelhoff als Arcandor-Chef gescheitert ist. Die Sanierung der operativen Gesellschaften, der Warenhaustochter Karstadt und der Versandsparte Primondo mit Quelle, ist ihm völlig misslungen. Der Verkauf von Aktiva, besonders der Warenhausimmobilien, hat den Konzern so lange am Leben gehalten, bis fast nichts mehr zu verkaufen war.

Es folgten nach dramatischen Verhandlungen in diesem Sommer lebensverlängernde Neukredite der Konsortialbanken. Der einzige Erfolg, der Middelhoff zuzuschreiben ist, ist der Zukauf des Reiseveranstalters Thomas Cook, heute praktisch der einzige werthaltige Bestandteil des Konzerns.

Middelhoff hatte alle Forderungen zurückgewiesen, Thomas Cook zu verkaufen. Seinem Nachfolger Eick könnte die Aufgabe zufallen, den Konzern mit dem Kunstnamen Arcandor aufzulösen, Thomas Cook zu veräußern und das Warenhaus- und Versandgeschäft entweder abzustoßen oder in Kooperationen einzubringen. Großaktionäre der operativen Gesellschaften blieben im letzten Fall Sal. Oppenheim und die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz.

Richtigstellung

In unserem Beitrag hatten wir ursprünglich über Dr. Matthias Bellmann geschrieben:

"Vor zwei Monaten war bereits der Vertrag mit Personalvorstand Matthias Bellmann gekündigt worden."

Hierzu stellen wir richtig:

Der Vertrag mit Dr. Bellmann ist nicht gekündigt worden. Er lief vielmehr vor zwei Monaten regulär aus.

Die Redaktion

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