UBS-Aktionäre "Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen"

Den Aktionären der Schweizer Großbank UBS genügt es nicht, dass frühere Topmanager und der Ex-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel sich freiwillig zu Gehaltsrückzahlungen und Bonusverzichten von insgesamt rund 70 Millionen Franken bereiterklärt haben. Sie wollen die früheren UBS-Verantwortlichen vor Gericht sehen.

Luzern - Auf der dritten außerordentlichen UBS-Generalversammlung dieses Jahres in Luzern erhielten die Aktionäre viel Beifall, die vom neuen Verwaltungsratspräsidenten Peter Kurer verlangten, dass die Bank gegen frühere Verwaltungsräte Klage einreichen, deren Verantwortung gerichtlich feststellen lassen und dann Schadenersatz fordern müsse. Die 70 Millionen Franken Gehaltsverzicht der Ex-Manager seien ein Tropfen auf den heißen Stein, sagte ein Aktionär, und nur ein kleiner Teil der früher bezogenen Boni. "Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden", sagte ein 68 Jahre alter Aktionär, der erklärte, er habe mit UBS-Aktien 658.000 Franken und damit den größten Teil seiner Altervorsorge verloren.

Der seit dem Frühjahr amtierende Ospel-Nachfolger Kurer wurde nicht müde zu wiederholen, dass UBS  die Frage von einer unabhängigen Stelle untersuchen lasse. Zehn Juristen seien mit der Prüfung beschäftigt, erklärte er vor rund 2400 Aktionären. Mitglieder des Verwaltungsrates, die erst nach Ospels Zeit in das Gremium gewählt wurden, würden dann über eine Klage entscheiden. Die Aktionäre haben Grund zur Frustration. Die UBS-Aktie hat im laufenden Jahr zwei Drittel ihres Wert verloren. Nach einem Hoch im letzten Jahr bei 71,95 Franken notiert sie noch bei 15,28 Franken.

UBS ist und war der größte Vermögensverwalter der Welt und unter Ospel sollte sie auch zu einer der größten Investmentbanken der Welt werden. Die Schweizer Bank investierte aggressiv in den amerikanischen Hypothekenmarkt. Die Folge: Seit Beginn der Subprime-Krise musste die Bank mehr als 50 Milliarden Franken abschreiben. Als die Kreditkrise immer schlimmer wurde, zogen Anleger Geld von der Bank ab und andere Banken wollte UBS kein Geld mehr leihen. Schließlich mussten Mitte Oktober der Schweizer Staat und die Schweizerische Nationalbank der UBS mit einem Hilfspaket im Volumen von 68 Milliarden Franken beispringen.

Ospel und die beiden Verwaltungsräte, Stephan Haeringer und Marco Suter, die als Chairman's Office die Schaltzentrale der Bank gebildet hatten, traten im Frühjahr zurück und unter dem Druck der öffentlichen Kritik ließen sie diese Woche mitteilten, dass sie zusammen 33 Millionen Franken zurückerstatten oder auf ihnen noch zustehende Zahlungen verzichten. Davor hatte schon der im Sommer 2007 zurückgetretene Konzernchef Peter Wuffli auf zwölf Millionen Franken verzichtet.

Es gibt offenbar weitere ehemalige Topmanager, die sich mit den erhaltenen Boni nicht mehr wohlfühlen, aber nicht genannt werden wollen. Kurer teilte mit, dass weitere 22 Millionen Franken von ehemaligen Spitzenleuten eingegangen seien. Diese Fälle würden aber vertraulich behandelt. In keiner anderen Bank hätten so viele ehemalige Manager so viele Verzichte geleistet, sagte Kurer. Er führe aber weitere Gespräche, die zu weiteren Verzichten und zu weiteren Bonus-Rückzahlungen führen sollen.

Um ein gutes Beispiel zu geben, hat die Bank beschlossen, dass der Verwaltungsratspräsident künftig keinen Bonus erhält. Kurer selbst erhält ein Bargehalt und eine im Voraus definierte Anzahl Aktien. Andere Manager erhalten zwar Boni, diese werden aber gesperrt und wenn es im Jahr darauf schlechter geht, wird ein Teil der Boni wieder eingezogen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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