Karrriere Wir müssen leider draußen bleiben

Ein paar Semester in München, ein Zwischenstopp in Harvard, dann der Abschluss in Heidelberg: So könnte ein optimaler Studienweg aussehen. Tatsächlich wird ein Uniwechsel leicht zum Kraftakt. Denn ein Ende der universitären Kleinstaaterei ist trotz Bologna noch lange nicht in Sicht.

Bochum/Bonn - Die EU-Bildungsminister setzten 1999 mit dem Bologna-Prozess eine Reform des Hochschulwesens in Gang, die an Universitäten erbrachte Leistungen europaweit vergleichbar machen sollte. Durch die Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge sollen laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Berlin für Studenten die Weichen für mehr Mobilität gestellt werden. Wissen kenne schließlich keine Landesgrenzen. Probleme treten allerdings schon beim Wechsel innerhalb Deutschlands auf.

"Bislang ist die Abschottung der einzelnen Universitäten gegeneinander leider nicht aufgehoben", sagt etwa Manfred Bähr vom Verein zur Förderung studentischer Belange (VSB) in Bonn. Der Wechsel sei nicht einfacher geworden. Die Ursache dafür sei, dass die Universitäten in der Lehre unterschiedliche Schwerpunkte setzen.

"Da liegt der Hund begraben", sagt auch Jan Thiemann vom in Bochum erscheinenden Studentenmagazin "Unicum". Die Unis wollten durch ihr Angebot ihr Profil schärfen. Gerade die besondere Ausrichtung eines Faches sei für Studenten einerseits ein Anreiz zu wechseln, sagt Bähr. Andererseits seien dadurch die Studienleistungen aber nur schwer zu vergleichen. "Wenn man Pech hat, werden Scheine nicht anerkannt und müssen an der neuen Uni nachgeholt werden", sagt Bähr. "Der Student verliert Zeit. Die Semesterzahl läuft weiter."

Generell gibt es zwei Wege zur neuen Uni: Studierende können sich entweder direkt bei der Wunschhochschule bewerben oder ihren Studienplatz mit einem anderen Studenten tauschen. Maßgeblich sind im ersten Fall die Kapazitäten der Hochschule, erläutert Ansgar Schulz-Kleyenstüber von der FH Düsseldorf: Wie viele Plätze gibt es für den betreffenden Studiengang und wie ist die Auslastung? Zudem seien die Fächer in der Regel NC-beschränkt, sagt Thiemann.

Wenn die bisherigen Scheine sich nur bedingt mit den Anforderungen der Uni decken, kann diese eine Ablehnung damit begründen, sagt Bähr. Eine weitere Hürde sind besonders bei Fachhochschulen die Regelungen zu Eingangspraktika, sagt Schulz-Kleyenstüber. Die Anforderungen, etwa zur Art und Dauer, seien je nach Hochschule unterschiedlich.

"Voraussetzung für einen Studienplatztausch ist, dass beide das gleiche Fach im gleichen Semester mit gleichem Leistungsstand studieren", erklärt Bähr. Das Angebot entsprechender Tauschbörsen im Internet ist ebenso groß wie die Nachfrage. Auf der Seite Studienplatztausch.de gehen täglich mehr als 100 Anfragen ein. "Nur bei einem Fünftel der Fälle gelingt der Tausch", sagt Bähr, der die Gesuche bearbeitet. Mindestens drei bis vier Monate vor Semesterbeginn sollten Interessierte sich auf die Suche nach einem Tauschplatz begeben.

Zäsuren eignen sich besonders

Thiemann empfiehlt deswegen, zweigleisig zu fahren: Studierende sollten sich parallel sowohl um einen Tauschplatz bemühen, als auch bei der Uni vorstellig werden. Da die Modalitäten sich von Uni zu Uni erheblich unterschieden, rät er, sich im Vorfeld genau zu informieren.

"Auskunft geben das Studierendensekretariat und die Prüfungsämter. Zudem können die Studenten von den Erfahrungswerten der Asta und der Fachschaften profitieren." Bewerbungsfristen seien von der jeweiligen Uni abhängig. Am wichtigsten sei die Frage, welche Leistungen anerkannt werden. Um all das in Erfahrung zu bringen, sollten Studenten viel Zeit einkalkulieren.

Bereits vor Beginn des Studiums sollten sich Studierende überlegen, ob sie einen Master machen wollen und ob dieser an ihrer Uni angeboten wird. Auch die inhaltliche Schwerpunktsetzung des Faches an der Uni sollte bei der Wahl eine Rolle spielen. Gerade bei Medizinstudenten führe dies oft zu einem Ortswechsel, erklärt Bähr: "Nach den ersten Semestern kristallisiert sich heraus, welche Fachrichtung die Studenten einschlagen wollen. Manchmal bleibt ihnen dann nichts übrig, als die Uni zu wechseln."

Zäsuren während der Studienzeit, wie nach der Zwischenprüfung, dem Bachelorabschluss oder der Grundlagenvermittlung, eigneten sich besonders für einen Wechsel, sagt Bähr. Die Rechnung, dass das Studium woanders einfacher sei, gehe aber selten auf, warnt er: "Das ist ein Gerücht, dass sich nicht ausmerzen lässt, aber das Studium ist nirgendwo leichter." Es sei lediglich anders strukturiert.

Ein Wechsel sei aufwendig. Der Entschluss sollte daher nicht übers Knie gebrochen werden, sagt Bähr: "Ich kann nicht morgens aufstehen und sagen, Berlin ist eine schöne Stadt. Da will ich hin." Auch müssten Wechsler damit rechnen, dass der Wunsch nicht zum nächstmöglichen Termin umsetzbar sei. Dennoch bringe ein Wechsel der Uni auch Vorteile, so Bähr. Er bilde weiter und mache sich auch im Lebenslauf gut.

Jasmin Henning, dpa

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