Kirch gegen Breuer Mit Haken und Ösen

Der Streit zwischen Leo Kirch und der Deutschen Bank um Schadensersatz in Milliardenhöhe beschäftigt das Landgericht München. Rolf Breuer, der Ex-Chef der Deutschen Bank, hatte 2002 die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe infrage gestellt, kurz darauf ging Kirch pleite. Zu Prozessbeginn errang das Institut einen Punktsieg.

München - Im milliardenschweren Schadenersatzprozess des Medienmoguls Leo Kirch gegen die Deutsche Bank und ihren Ex-Chef Rolf Breuer hat das Kreditinstitut einen Punktsieg errungen. Die Vorsitzende Richterin Brigitte Pecher hat am Dienstag beim Auftakt des Verfahrens deutliche Zweifel daran gehegt, ob die von Kirch eigens für Schadenersatzansprüche konstruierte Firma KGL Pool seriös sei.

"Wir stehen der Sache wirklich skeptisch gegenüber", sagte Pecher am Landgericht München. Sie wandte ein, dass KGL nur mit einer dünnen Kapitaldecke ausgestattet sei und daher im Falle einer Niederlage Kirchs nicht für die Prozesskosten aufkommen könnte. KGL Pool ist eine Zweckgesellschaft, in der insolvente Töchter von Kirchs früherem Medienimperium Ansprüche auf Schadenersatz gebündelt haben.

Die Anwälte Kirchs, darunter der ehemalige bayerische Minister Peter Gauweiler, wollen nun überraschend eine schriftliche Vereinbarung vorlegen, mit der Leo Kirch selbst für alle finanziellen Verbindlichkeiten der KGL Pool aufkommen würde. Sie wollen diese Vereinbarung aber nur in Auszügen der Richterin und den Vertretern der Deutschen Bank vorlegen. Deutschland größtes Geldhaus legte dagegen Einspruch ein.

Kirch will über die KGL Pool mehr als zwei Milliarden Euro Schadenersatz erstreiten. Die Entscheidung in dem Prozess wird nach Angaben der Richterin am 10. März 2009 verkündet. Der zweite Prozess, in dem eine weitere Kirch-Tochter Ansprüche von über einer Milliarde Euro geltend macht, sollte am Nachmittag beginnen.

Kirch wirft Breuer vor, mit Aussagen in einem Interview vor sechs Jahren seinen Medienkonzern in die Pleite getrieben zu haben. Deshalb fordert Kirch von Deutschlands größtem Geldhaus und Breuer zusammen insgesamt 3,7 Milliarden Euro Schadenersatz und überzieht die Bank mit einer Welle von Klagen. Das höchste Zivilgericht, der Bundesgerichtshof (BGH), hatte 2006 festgestellt, dass Breuer in dem TV-Gespräch zwar vertragliche Pflichten der Deutschen Bank verletzt, aber nicht den Zusammenbruch des Fernsehimperiums verursacht habe.

Der 71 Jahre alte Breuer steht für den Aufstieg der Deutschen Bank unter die großen Geldhäuser der Welt. Nach einer Lehre bei der Deutschen Bank studierte er Jura und promovierte. 1966 kehrte er zurück, wurde Leiter der Börsenabteilung (1974) und später Vorstandsmitglied (1985). Als er 1997 Vorstandssprecher wurde, übernahm er ein auf Deutschland bezogenes Institut mit Schwerpunkten im Kreditgeschäft und bei Privatkunden. Gegen viele Widerstände baute er das Investmentbanking aus. Weggefährten beschreiben den Manager mit einem Faible für Musik und Kunst als professionell und zielstrebig, wobei er mitunter auch "ein bisschen beratungsresistent" sei. Nicht ganz freiwillig gab Breuer 2006 auch den Aufsichtsratsvorsitz der Deutschen Bank auf. Grund war eben jene Auseinandersetzung mit Kirch.

"Lästig ist das schon"

Ums Geld dürfte es dem zuckerkranken Kirch kaum noch gehen, für ihn geht es auch um sein Lebenswerk. Standfestigkeit billigen ihm fast alle zu, die ihn näher kennen. Der studierte Betriebswirt und Mathematiker baute sein Imperium aus eigener Kraft auf. Mit 29 sicherte er sich mit geliehenem Geld in Italien die Rechte an dem Filmklassiker "La Strada". Mit viel Mut zum Risiko und unternehmerischem Gespür für die weitere Entwicklung des Fernsehens in Deutschland baute er in den folgenden Jahrzehnten ein Geflecht von Beteiligungen rund um Fußball, Film, Fernsehen und die Formel 1 auf.

Bei der Expansion ging ihm wiederholt das Geld aus. Doch mit Hilfe seiner guten Kontakte zu Banken und politischen Schaltstellen beschaffte er sich immer wieder milliardenschwere Kapitalspritzen.

Besonders auf seine guten Beziehungen in Bayern konnte er sich jahrzehntelang verlassen. Am Ende aber hatte Kirch vor allem zu viel Geld in den Bezahlsender Premiere gepumpt und musste Insolvenzantrag stellen. "Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen", sagte der fränkische Winzersohn und gläubige Katholik lakonisch nach der Pleite.

Doch bei Fatalismus allein beließ es Kirch nicht. Ganz irdisch machte er vor allem Breuer und dessen Statement für seine Pleite verantwortlich und startete einen juristischen Feldzug gegen ihn. "Ich hätte nie gedacht, dass eine zutreffende Bemerkung, die ja nur wiedergab, was längst in der Öffentlichkeit bekannt war, so einen juristischen Rachefeldzug auslöst", sagte Breuer fast verwundert über Kirchs Kampf gegen ihn. "Lästig ist das schon. Aber ich wache nachts nicht auf und denke: 'Herr Kirch, Herr Kirch.'"

Mehrere Gerichte haben sich bereits mit dem Streit befasst. Der Bundesgerichtshof hatte im Jahr 2006 bereits entschieden, dass Breuer seine Pflichten mit seinen Äußerungen verletzt hat und Kirch grundsätzlich Anspruch auf Schadenersatz hat. In dem aktuellen Prozess in München soll unter anderem geklärt werden, wie hoch der Schaden ist und ob er möglicherweise schon durch die damalige Situation des angeschlagenen Kirch-Konzerns verursacht wurde.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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