Bankbranche Karriere in schwierigen Zeiten

Trotz der Finanzkrise braucht die Bankbranche qualifizierten Nachwuchs. Gute Chancen haben gegenwärtig etwa Privatkundenberater. Gefragt sind außerdem Fachleute für das Risikomanagement, Abteilungsleiter und andere Führungskräfte.

Frankfurt am Main/Berlin - In der Bankbranche gibt es zurzeit viele schlechte Nachrichten: Übernahmen, Entlassungswellen, dazu die weltweite Finanzkrise. Dennoch bietet sie bundesweit rund 700.000 Menschen einen Job. Und auch in Zukunft brauchen Banken Fachleute, die den Privat- oder Geschäftskunden passende Finanzkonzepte anbieten. Die Berufsperspektiven sind deshalb nicht so düster, wie die aktuellen Nachrichten glauben machen könnten.

"Es steht gut um die Berufsaussichten, trotz der Finanzkrise", sagt etwa Ingolf Jungmann, Vizepräsident der Frankfurt School of Finance & Management aus Frankfurt: "Die Krise lehrt uns, dass wir qualifizierte Leute brauchen." Zwar bedeuteten Entwicklungen wie Übernahmen auch sinkende Mitarbeiterzahlen. Dieser Abbau vollziehe sich aber zumeist in den IT-Abteilungen oder der Buchhaltung. "Das betrifft nicht die Geschäftsstellen, nicht den Vertrieb, nicht die Arbeit mit den Kunden", sagt Jungmann.

Für die Ausbildung zu Bankkaufmann brauchen Bewerber einen Realschulabschluss oder Abitur. Wer später nicht nur Sparbücher an den Mann bringen will, kann sich spezialisieren, also zum Beispiel in zwei Jahren zum Bankfachwirt weiterbilden lassen. "Das machen die Leute bei voller Berufstätigkeit", sagt Jungmann. Möglich seien aber auch enger gefasste Spezialisierungen wie in der Immobilien- oder Kreditberatung. Nach einer Berufsausbildung liegt das Tarifgehalt für einen Bankkaufmann je nach der ausgeübten Beschäftigung zwischen 2100 und 2300 Euro pro Monat. Üblich seien mindestens 13 Monatsgehälter und 30 Tage Urlaub.

"Insbesondere im Privatkundenbereich sehen wir aufgrund der zunehmenden Bedeutung positive Berufsaussichten für gut qualifizierte Mitarbeiter", sagt auch Ulf Grimmke vom Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes in Berlin. Dies spiegele sich auch bei der steigenden Zahl der Neueinstellungen von Nachwuchskräften wider.

Dieser Trend lasse positive Rückschlüsse auf die weitere Karriere zu - weil die Banken bedarfsgerecht ausbilden. Jungmann rechnet zwar damit, dass mittelfristig die Zahl der Arbeitsplätze im Bankgewerbe leicht sinken wird. Das werde aber wegen der zunehmenden Automatisierung eher den IT-Sektor treffen. Die Zahl der Angestellten im Vertrieb "wird konstant bleiben oder sogar noch steigen".

Optional ins Ausland

"Wir gehen davon aus, dass sich der Anteil der Beschäftigten mit Hochschulabschluss in den kommenden 20 Jahren auf 22 Prozent erhöht", sagt Kai Gramke, Marktfeldleiter für Wirtschaft und Politik des Prognos-Instituts in Basel. "Allerdings bildet die klassische Banklehre auch weiterhin die Basis für einen Einstieg in die Branche."

Voraussetzung für spätere Leitungspositionen in einer Bank, eine Tätigkeit in der Vertriebssteuerung oder als Wertpapieranalyst ist allerdings in der Regel ein abgeschlossenes Studium. "Hochschulabsolventen mit einem Abschluss in Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften besitzen beste Voraussetzungen", sagt Gramke. Fachleute für Risikomanagement, Abteilungsleiter und andere Führungskräfte sind gefragt. Gegenwärtig liegt der Anteil der Hochschulabsolventen in der Branche nach Prognos-Angaben bei 16 Prozent, während knapp drei Viertel der Beschäftigten eine berufliche Ausbildung vorweisen.

Die Chancen für Angestellte, für ihre Bank auch im Ausland zu arbeiten, sind sehr unterschiedlich. "Es gibt Institute, die international expandieren und entsprechend gute Aussichten bieten", sagt Ulf Grimmke vom Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes in Berlin. "Einige Häuser bieten auch für Auszubildende Auslandsaufenthalte während der Berufsausbildung an."

Angelika Röpcke, dpa

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