Wirtschaftsweiser Rürup geht zu AWD

Der Wirtschaftsweise Bert Rürup wird neuer Chefökonom des Finanzmaklers AWD. Der 65-Jährige ist Begründer der Rürup-Rente und einer der Wegbereiter des Riester-Modells. Rürup, nebenbei noch Professor für Volkswirtschaft an der TU Darmstadt, war bisher einer der prominentesten Berater der Bundesregierung.

Frankfurt am Main - Bert Rürup macht seinem Ruf als Allzweckberater wieder mal alle Ehre. Der kasachischen Regierung stellte er schon seine Expertise zur Verfügung, ebenso dem österreichischen Sozialministerium und der Europäischen Union. In Deutschland kam jahrelang kaum eine wichtige sozialpolitische Kommission ohne das Wissen und die Stimme des Ökonomen aus.

Höhepunkt seiner Karriere war der Vorsitz der Wirtschaftsweisen. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist so etwas wie der Olymp für Wirtschaftsprofessoren. Auch wenn die Bundesregierung die Tipps des fünfköpfigen Gremiums nicht immer aufgreift, bekommt das Jahresgutachten große Aufmerksamkeit. Die fünf Wissenschaftler gelten als ökonomische Vordenker der Republik. Rürup steht dem Rat seit dem Jahr 2005 vor.

Im kommenden Jahr nun wird Rürup, der mit 65 Jahren schon im Rentenalter ist, als Chefökonom zum Finanzdienstleister AWD  wechseln. Das bestätigte das Unternehmen am Donnerstag in Hannover. Der 65-jährige Chef des Sachverständigenrates werde die Swiss-Life-Tochter AWD bei Fragen der Vorsorge und -Altersentwicklung der Gesellschaft beraten, hieß es in der Mitteilung.

Rürup werde bei AWD für den Gesamtbereich "Ökonomische Analysen" verantwortlich sein, hieß es weiter. Er solle sich zudem um neue Märkte für betriebliche und private Altersvorsorgeprodukte kümmern. Der Schwerpunkt werde auf den Märkten Russland und China liegen. "Nach 40 Jahren in Universitäten und Wissenschaft wollte ich noch einmal etwas Neues beginnen", sagte Rürup. "Mir geht es darum, aktuelle theoretische und empirische Erkenntnisse einzubringen, um für die Menschen innovative und nutzbringende Lösungen in der Praxis mitzuentwickeln."

Eine Reform nach der anderen

Rürup gilt als frühaufstehender Disziplinarbeiter. Trotzdem fragt sich mancher, wie der am 7. November 1943 in Essen geborene Professor für Volkswirtschaft sein Pensum in den vergangenen Jahren bewältigte. Seinem Ruf als Renten- und Demographieexperten folgend, war er 1999 Mitglied der Kommission zur Vorbereitung der Riester-Rentenreform, also der Einführung der staatlich geförderten Privatvorsorge. Im März 2000 wurde er zum Wirtschaftsweisen berufen, im September zum Vorsitzenden des Sozialbeirats für die Rentenversicherung.

Im April 2002 übernahm er zunächst den Vorsitz einer sechsköpfigen Reformkommission zur Rentenbesteuerung - die sich mit dem Auftrag des Bundesverfassungsgerichtes zur Gleichbehandlung von Renten und Pensionen herumplagte und die Grundlage für die 2005 in Kraft gesetzte Reform legte. Im Herbst desselben Jahres durfte sich Rürup mit 25 weiteren Experten in der nach ihm benannten Kommission gleich die Reform aller Sozialsysteme vornehmen. Immer arbeitete der Ökonom seinen Regierungsauftrag sauber ab.

Letztlich nahm er weitgehend klaglos hin, dass die Regierung die Frucht seiner Mühen häufig ignorierte. Das bekannteste mit Nichtachtung gestraften Reform-Modelle war die Umstellung der Krankenversicherung auf Kopfpauschalen. Die Union war dafür, die SPD verhinderte den Pauschalbetrag.

Manche Konzepte konnte Rürup erst mit Verspätung durchsetzen: Die Anhebung des Rentenalters auf 67 etwa scheiterte unter der rot-grünen Regierung von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Doch schließlich einigte sich die Große Koalition darauf, Arbeitnehmer später in die Rente zu schicken.

Seine Erfahrung als Rentenexperte kann Rürup bei AWD gebrauchen: Ein Schwerpunkt des Finanzdienstleisters ist die Vermittlung von Altersvorsorgeprodukten.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

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