Deutsche Bahn Üppige Zulagen für den Vorstand

Bis zu 37,5 Prozent Plus: Die Gehälter und Boni von Bahn-Chef Mehdorn und seinen Vorstandskollegen sollen laut "Süddeutscher Zeitung" 2009 deutlich steigen. Dabei hatten schon die geplanten Börsengang-Zulagen den Konzern und Verkehrsminister Tiefensee in die Kritik gebracht - die Opposition fordert nun Rücktritte.

Berlin - Das Grundgehalt von Hartmut Mehdorn soll im kommenden Jahr um 20 Prozent steigen - von 750.000 auf 900.000 Euro. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" mit Verweis auf Auszüge aus dem bislang unter Verschluss gehaltenen Börsengangsprospekt.

Als Leistungszulage, die vom Konzernergebnis abhängt, soll der Bahn-Chef im kommenden Jahr 3,51 Millionen Euro verdienen können statt bisher 2,99 Millionen Euro. Dazu kämen im Fall eines Börsengangs auf jeden Fall 140.000 Euro; wenn der Börsengang 4,5 bis fünf Milliarden Euro einbringe, steige dieser Sonderbonus für Mehdorn auf 560.000 Euro, bei einem höheren Erlös sogar auf bis zu 1,4 Millionen Euro.

Auch die anderen Vorstandsgehälter und -zulagen sollen deutlich steigen. Konkret soll jeder Vorstand beim Börsengang je nach Erlös 100.000 Euro bis 1,2 Million Euro zusätzlich bekommen.

Eine besonders kräftige Lohnerhöhung bekommt Personalchefin Margret Suckale, die zusätzliche Aufgaben im Konzern übernehmen soll. Ihr Grundgehalt steigt von 400.000 auf 550.000 Euro - das wären 37,5 Prozent mehr. Außerdem könnte sie 2009 insgesamt fast zwei Millionen Euro Sonderhonorar einstreichen. Bislang verdient sie allerdings deutlich weniger als ihre männlichen Vorstandskollegen.

Unmut in den Gewerkschaften

Die Bahn teilte der Zeitung mit, die Vorstandsbezüge seien 2007 gesunken, und die Vergütung liege "nach wie vor im unteren marktüblichen Bereich". Aufsichtsratsinsider werden anonym mit dem Satz zitiert: "Bei einem Chemie-, Energie- oder Autokonzern bekommt man für dieses Geld keinen Vorstand."

In den Gewerkschaften ist man der "Süddeutschen Zeitung" zufolge nicht einig über die Zahlungen. Während Transnet-Chef Lothar Krauß im Personalausschuss die Steigerungen mitbeschlossen haben soll, schimpfen andere in der Gewerkschaft: "Unsere Leute leisten Sonderschichten wegen der Probleme beim ICE", während das Management abkassiere. Auch in der Partnerorganisation GDBA soll es Kritik geben. Die Bahn hat mehrere harte Tarifauseinandersetzungen hinter sich, am erbittertsten zwischen Suckale und der Lokführergewerkschaft GDL.

Verkehrsminister Tiefensee unter Druck

Verkehrsminister Tiefensee unter Druck

Die Börsengang-Sonderboni für die Bahn-Manager sind umstritten, seit der SPIEGEL am vergangenen Wochenende erstmals darüber berichtete. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee lehnt sie ab und hat am Mittwoch seinen Staatssekretär Matthias von Randow entlassen, weil dieser den Bonuszahlungen im Bahn-Aufsichtsrat zugestimmt hatte. Die "Financial Times Deutschland" berichtet an diesem Freitag aber, der SPD-Politiker habe schon viel früher von den Boni gewusst, als er zugibt. Sie beruft sich auf das Umfeld des Ministeriums und des Aufsichtsrats.

Tiefensee gerät wegen des Börsengangs und der Boni inzwischen unter Druck der Opposition. In der "Berliner Zeitung" machte FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich den Minister verantwortlich für unzureichende Rahmenbedingungen bei der vorerst gescheiterten Teilprivatisierung der Bahn. "Er hat das Ding verbockt", sagte Friedrich. "Die Fehler liegen eindeutig beim Minister, nicht bei der Bahn." Tiefensee müsse auch von den geplanten Börsengang-Sonderboni gewusst haben: "Das ist nicht ohne Wissen des Verkehrsministers gemacht worden." Die FDP fordert den Rücktritt des Ministers, um weiteren Schaden vom Konzern abzuwenden.

Der grüne Bundestagsabgeordnete Winfried Hermann forderte wegen der Bonuspläne und den Achsproblemen beim ICE die Ablösung der Konzernspitze. "Der gesamte Bahnvorstand ist fällig, und auch der Aufsichtsrat muss erneuert werden", sagte er der "Berliner Zeitung". Auch der Regierung macht er Vorwürfe: "Die Politik kontrolliert den Konzern nicht aktiv." So würden sich die drei Regierungsvertreter vor den Aufsichtsratssitzungen, etwa jener zu den Vorstandsprämien, nicht koordinieren.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa und afp

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