Sonntag, 18. August 2019

Siemens-Prozess "Hauptsache, das Geld kam"

Siemens hat laut Aussage einer Zeugin im AUB-Prozess jahrelang Mitarbeiter bezahlt, obwohl diese ausschließlich für die Arbeitnehmerorganisation tätig waren. Die ehemalige Sekretärin habe zudem mehrfach Sonderzahlungen erhalten.

Nürnberg - Das ergab die Aussage der Sekretärin am Montag im Prozess gegen den ehemaligen AUB-Bundesvorsitzenden Wilhelm Schelsky und den ehemaligen Siemens-Zentralvorstand Johannes Feldmayer vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth.

Ex-Bundesvorsitzender vor Gericht: Die Arbeitnehmer-Organisation AUB
Die Zeugin war bis 1990 Sekretärin im Erlanger Betriebsratsbüro von Siemens und damit die Sekretärin von Wilhelm Schelsky gewesen. Als dieser sich selbstständig machte, ging sie mit. Sie arbeitete bis zum Jahr 2000 in der AUB-Bundesgeschäftsstelle in Nürnberg. Danach wechselte sie als Lohnbuchhalterin in Schelskys Unternehmensberatungsfirma. Bis zum April 2001 sei ihr Gehalt dennoch ausschließlich von Siemens Börsen-Chart zeigen bezahlt worden. Sie habe auch mehrfach Sonderzahlungen von Siemens von bis zu 7000 Euro erhalten.

Hinter den Kulissen habe sie alle paar Jahre in eine andere Siemens-Sparte gewechselt. "Das ging alles problemlos", sagte sie vor dem Landgericht. "Da gab es keine großartigen Verhandlungen." Sie habe sich nichts dabei gedacht - "Hauptsache, das Geld kam."

Ab April 2001 wurde sie dann von Schelsky selbst bezahlt. Sie schied offiziell bei Siemens aus, erhielt aber eine fünfjährige Wiedereinstellungszusage aus der Personalabteilung. Unterschrieben hatte sie der derzeitige Deutschland-Personalchef von Siemens, Walter Huber, wie aus der Verlesung des Dokuments im Gericht hervorging.

Die Staatsanwaltschaft wirft Schelsky und dem mitangeklagten früheren Siemens-Zentralvorstand Johannes Feldmayer vor, mehr als 30 Millionen Euro verdeckt an die AUB geleitet zu haben. Feldmayer muss sich wegen Steuerhinterziehung und Untreue verantworten, Schelsky wegen Steuerhinterziehung, Beihilfe zur Untreue und Betrug.

manager-magazin.de mit Material von dpa

© manager magazin 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung