CSU-Parteitag Fast alle für Seehofer

Mehr als 90 Prozent der Delegierten haben auf dem Sonderparteitag der Christsozialen für ihren neuen Vorsitzenden Horst Seehofer gestimmt. Der will die Partei nun aus dem Stimmungstief führen, fordert einen Schulterschluss unter seinen Parteifreunden - und schickt eine Kampfansage an Bundeskanzlerin Angela Merkel.

München - Der neue CSU-Chef Horst Seehofer will seine Partei mit Kampfgeist und einer harten Gangart gegen die CDU aus der Krise führen. Zwar sei sein Arbeitsplatz künftig München, "aber meine Kampfkraft wird sich auch auf Berlin erstrecken", rief Seehofer auf dem CSU-Sonderparteitag in München.

Vier Wochen nach dem Desaster bei der Landtagswahl wählten die Delegierten den bisherigen Bundesagrarminister mit 90,3 Prozent zum Nachfolger Erwin Hubers. Als Ziel gab Seehofer die Rückkehr zur Alleinherrschaft in Bayern aus. Er rief seine Partei zu Demut auf, forderte aber auch Selbstbewusstsein: "Wir sind ein Kraftpaket als CSU."

Wegen des Wahldebakels ist die CSU nach 46 Jahren ununterbrochener absoluter Mehrheit auf einen Regierungspartner angewiesen. Am Montag wollen CSU und FDP Seehofer im Landtag zum Nachfolger des gestürzten Ministerpräsidenten Günther Beckstein wählen.

Seehofer sagte nach seiner Wahl, die hohen Erwartungen an ihn werde er so nicht erfüllen können. Die Konjunkturlage, die Finanzmarktkrise und das Zusammenführen der CSU nach dem Wahlfiasko seien Aufgaben, von denen jede einzelne "gigantisch" sei. Hinzu kämen die Europa- und die Bundestagswahl 2009. Als Messlatte für die CSU bei der nächsten Landtagswahl in fünf Jahren nannte Seehofer 52 Prozent. "Das ist ein hehres Ziel, aber wir arbeiten dafür." Bei der Wahl Ende September war die CSU auf 43,4 Prozent abgestürzt.

Huber kritisierte, die Schwesterpartei CDU habe die Steuerentlastungspläne der CSU zuerst als unrealistisch abgelehnt, eine Woche nach der Wahl aber ein Milliarden-Entlastungspaket bekanntgegeben. Seehofer betonte, der anfängliche CDU-Widerstand gegen das CSU-Konzept "Mehr Netto für alle" könnte Stimmen gekostet haben. Bei der Erbschaftsteuer-Reform werde die CSU ihren harten Kurs gegen CDU und SPD fortsetzen.

Großen Unmut gab es über Kanzlerin Angela Merkel und die von ihr geführte CDU auch wegen Merkels Nein zur Wiedereinführung der alten Pendlerpauschale. Als Blitzableiter diente vor allem der Berliner Landesgruppenchef Peter Ramsauer, den etliche in der CSU für einen der Schuldigen an der Wahlniederlage von Ende September halten.

Ramsauer wurde mit einem für CSU-Verhältnisse sehr schlechten Ergebnis von 67 Prozent zum Parteivize gewählt. Die Landesgruppe hatte im Bundestag drei Tage vor der Bayern-Wahl gegen die CSU- Forderung nach Wiedereinführung der alten Pendlerpauschale gestimmt, weil der Antrag von der Linken kam.

Der Parteitag präsentierte sich tief gespalten. Der frühere Ministerpräsident Edmund Stoiber wurde von vielen Delegierten lautstark ausgebuht und ausgepfiffen, weil er für den Sturz seines Nachfolgers Beckstein mitverantwortlich gemacht wird. Beckstein wurde dagegen von fränkischen Delegierten euphorisch gefeiert, von den Oberbayern jedoch kalt aufgenommen.

manager-magazin.de mit Material von afp, ddp und reuters

CSU-Vorsitzende: Ochsensepp, FJS und ein preußischer Bayer

Verwandte Artikel