Sun Von Bechtolsheim fordert Cisco

Der deutschstämmige Milliardär Andreas von Bechtolsheim macht sich erneut selbstständig. Bechtolsheim, der ein großes Aktienpaket am Suchmaschinenkonzern Google hält, will künftig mit seiner neuen Firma Arista Networks dem Branchengiganten Cisco Konkurrenz machen. Bei Sun will der Manager bleiben.

Menlo Park - Der deutschstämmige Milliardär Andreas von Bechtolsheim wird auch nach seiner jüngsten Firmengründung weiter für Sun Microsystems  arbeiten. "Wir können bestätigen, dass Andy bei Sun bleiben wird und seine Mitarbeit an der Entwicklung neuer Produkte und Architekturen in der "Sun Systems Group" fortführen wird", teilte das Unternehmen am Freitag mit und dementierte damit einen anderslautenden Medienbericht vom Donnerstag. Die "New York Times" hatte berichtet, Bechtolsheim werde Sun verlassen, um sich künftig ausschließlich der Arbeit in seiner neu gegründeten Firma Arista Networks zu widmen.

In den 70er Jahren hatte der gebürtige Bayer die Firma Sun Microsystems zusammen mit Scott NcNealy, dem langjährigen Chef, sowie Vinod Khosla und Bill Joy, der unter anderem die Programmiersprache Java entwickelt hat, gegründet. Er gilt als einer der besten Programmierer und Entwickler im Silicon Valley. Eine von Bechtolsheim 1995 gegründete Netzwerkfirma (Granite Systems) war knapp ein Jahr später von Cisco  für 220 Millionen Dollar aufgekauft worden, Bechtolsheim übernahm bis 2003 dort die Aufgaben des Vize-Präsidenten für Engineering. Zu Sun kehrte Bechtolsheim zurück, nachdem das IT-Unternehmen seine kurz zuvor gegründete Firma Kealia übernahm, die Server produzierte.

Arista Networks ist die jüngste Firmengründung des umtriebigen Unternehmers. Das von Bechtolsheim und dem Stanford-Professor David Cheriton finanzierte Start-up will künftig eine besonders schnelle Steuereinheit für Internet-Netzwerke (Switch) produzieren, die vor allem den Netzwerk- Spezialisten und Marktführer Cisco herausfordern dürfte.

Anders als am Donnerstag in verschiedenen Medien berichtet, werde Bechtolsheim jedoch seine Arbeit als Chef-Architekt bei Sun Microsystems nicht aufgeben. "Ich bin sehr stolz auf all die Leistungen, die wir als System-Team (bei Sun) erreicht haben"", sagte Bechtolsheim in einer Stellungnahme. "Ich freue mich auf noch viel mehr in den kommenden Jahren." Bechtolsheim werde künftig weiter die Hälfte seiner Arbeitskraft bei Sun in die Entwicklung von neuen Servern und die Architektur von Supercomputern investieren, teilte Sun mit.

Als Venture-Kapitalgeber beteiligte sich von Bechtolfsheim noch in den Gründungsjahren an dem Suchmaschinenbetreiber Google . Angeblich hält der Manager 1 Prozent aller Google-Aktien. Die hätten heute einen Gegenwert von knapp einer Milliarde Euro.

Mit dem derzeitigen Trend hin zu Software-Lösungen, die statt zuvor auf dem PC als Software installiert nun online im Internet verfügbar gehalten werden (so genanntes cloud computing) hätten sich die Anforderungen an die Netzwerke deutlich erhöht, sagte Bechtolsheim. "Die neue Ära des cloud computing erfordert fundamentale Verbesserungen in der Kapazität, Wartezeit und den Kosten gegenüber bestehenden Netzwerk-Lösungen."

Sogenannte Switches sind wichtige Schaltstellen, die den Informationsfluss zwischen den verschiedenen Computersystemen im Internet-Verkehr steuern. Anders als bei derzeit verfügbaren Switches etwa von Cisco, sollen die Schaltstellen der neuen Firma Arista mit deutlich schnelleren Prozessoren betrieben werden und bei einem Zehntel der Kosten schneller funktionieren. Zu den ersten Kunden sollen Internet- Unternehmen wie Google gehören, die große Mengen an Daten umschlagen.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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