Kuba Warten auf den Tag X

Weltweite Finanzkrisen können Kuba kaum schocken, die Verstaatlichung von Banken hat in dem armen Land schon vor Jahrzehnten stattgefunden. Fraglich ist allerdings, wie es nach dem absehbaren Ende der Castro-Ära weitergeht. Investoren aus China, Russland, Venezuela und den USA stehen bereits in den Startlöchern.

Hamburg - Zigarren spielen beim Gedanken an Kuba eine große Rolle. Von daher war das Ambiente zum Vortag über den karibischen Inselstaat passend gewählt: Die Hanse Lounge in Hamburg beherbergt einen großen begehbaren Humidor, gefüllt mit den herrlichsten Zigarren. Auch Referent Frank Seifert verheimlichte seine Liebe zur gepflegten Zigarre nicht, lugte diese doch schon während seines Vortrags vor den Mitgliedern der manager-lounge verlockend aus der Jacketttasche hervor.

Doch das sollte nur die Belohnung am Ende des Tages sein. "In der kubanischen Wertschöpfung spielt die Zigarre nur eine ganz kleine, untergeordnete Rolle", berichtet Rechtsanwalt Seifert, der auch Präsident der Deutsch-Kubanischen Juristenvereinigung ist. Zunächst sollte es also vor allem um die Politik und die Wirtschaft des Landes gehen.

"Kuba hat in den letzten 50 Jahren das Augenmerk der Weltöffentlichkeit in erheblichem Maße auf sich gelenkt – ein wenig überproportional im Hinblick auf die Größe der Insel mit ihren nur gut elf Millionen Einwohnern", so Seifert. Doch die Geschichte des Landes ist bekanntlich besonders bunt und ungewöhnlich. Staatschef Fidel Castro, die räumliche Nähe zu den USA und zugleich die sozialistische Umarmung durch Russland haben das Land und seine Außenwahrnehmung geprägt.

"Reich an Bodenschätzen, verfügte Kuba lange Zeit auch über eine überdurchschnittlich ausgebildete Bevölkerung und damit hervorragendes Arbeitskräftepotenzial – grundsätzlich beste Voraussetzungen", sagt Seifert. Doch das Auseinanderbrechen der Sowjetunion, die Kuba 40 Jahre lang politisch und finanziell unter die Arme gegriffen hatte, führte zum völligen Zusammenbruch der kubanischen Wirtschaft. "Diese Zeit wird seitdem als 'período especial' bezeichnet", so der Landeskenner.

Nur langsam kommt Kuba durch eine vorsichtige wirtschaftliche Öffnung für westliche Unternehmen aus dieser Krise heraus. "Gleichzeitig wird noch immer die Fahne des Sozialismus hochgehalten", so Seifert mit Blick auf die massive finanzielle Unterstützung durch das seit Ende der 90er Jahre eng befreundete Venezuela.

Hugo Chávez, Venezuelas Staatspräsident, führt Kuba als Mitglied der Organisation Petrocaribe als einen seiner Hauptwirtschaftspartner. Er unterstützt das Land mit Erdöllieferungen unter dem Weltmarktpreis - in einem so großen Umfang, dass Kuba die Überschüsse sogar gegen Devisen wieder verkaufen konnte. Andererseits ist Venezuela laut Seifert auch für die Abwerbung von etwa 6000 Ärzten verantwortlich, die nun in Kuba fehlen.

Privatrestaurants mit höchstens zwölf Gästen

Zu den wichtigsten Handelspartnern Kubas nach Venezuela gehören China, Spanien, die Niederlande, Kanada und die USA. Doch für viele ausländische Unternehmen ist es weiterhin schwer, in Kuba Fuß zu fassen: "Die Joint-Venture-Verhandlungen sind so kompliziert, dass viele Konzerne wieder abspringen", so Seifert über Probleme mit den Behörden vor Ort.

Doch es liegt mehr als ein Hauch Wechselstimmung in der karibischen Luft: Als die schwere Erkrankung Fidel Castros im Sommer 2006 bekannt wurde, verhielt sich die Bevölkerung noch still. 2007 ging Bruder Raúl, mittlerweile neuer Staatspräsident, dann in die Offensive und rief die Bevölkerung zu Verbesserungsvorschlägen auf. Und immerhin, es gab seitdem einige "Make-up-Maßnahmen": So dürfen Kubaner nun leichter ausreisen - zumindest in der Theorie, denn die Kosten sind für die meisten Einwohner weiterhin nicht bezahlbar. Ähnliches gilt für den mittlerweile erlaubten Kauf von Autos oder den Besuch von Touristenhotels.

Auch Privatrestaurants gibt es seitdem auf der Insel - mit strengen Auflagen: Höchstens zwölf Gäste dürfen dort empfangen werden. Und die Steuerzahlung ist festgelegt, unabhängig vom tatsächlich gemachten Umsatz. "Raúl Castro möchte Änderungen innerhalb des Systems, aber kein neues System. Eine Umwandlung nach dem Vorbild Chinas wünsche ich den Kubanern allerdings nicht, denn das würde zu weiteren sozialen Ungerechtigkeiten führen", sagt Seifert.

Was nach der absehbaren Ära der Brüder Castro kommt, weiß niemand. Doch das Interesse vieler Länder am kubanischen Markt ist bereits jetzt riesig: "Es fehlt quasi an allem, sie könnten dort alles verkaufen", berichtet Seifert.

Auch der alte Verbündete hat seit Kurzem sein Interesse an Kuba wiederbelebt: Russland will laut einer aktuellen Meldung die kubanische Armee bei der Luftverteidigung unterstützen. Dazu besuchte eine Militärdelegation aus Moskau die vor der US-Küste liegende Insel. Dies solle der "Stärkung der Beziehungen zwischen den russischen Streitkräften und der Revolutionären Volksarmee Kubas" dienen. Wirtschaftliche Gründe dürften für diese Maßnahme auch eine Rolle spielen. Seifert kennt die Hintergründe: "Am Golf von Mexiko will Russland zusammen mit Kuba nach Erdöl suchen - ein Abkommen zum Ärger der USA wurde bereits unterzeichnet."

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