Karriere als Werber Die Kunst des Verführens

Ob großformatige Anzeigen auf Plakatwänden oder rasant in Szene gesetzte Autospots im Fernsehen: Reklame hat sich längst zu einer raffinierten Kunst der Verführung entwickelt. Wer als Werber Karriere machen will, braucht Kreativität, Selbstbewusstsein, Durchhaltevermögen, Überzeugungskraft und ein dickes Fell.

Berlin - "Zur Werbebranche zählen viele verschiedene Berufe, die unterschiedliche Aufgaben innerhalb einer Kampagne übernehmen", erklärt Mirco Hecker vom Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA in Frankfurt am Main. "Eines haben sie fast alle gemeinsam: Es gibt meist nicht nur einen möglichen Weg zum Ziel." Daher kommen in einer Agentur oder Werbefirma Männer und Frauen mit unterschiedlichen Biografien zusammen, die gemeinsam an Projekten arbeiten.

Eine Werbekampagne beginnt meist beim Berater oder Kontakter. "Sie sind das Bindeglied zwischen dem Kunden und der Agentur", sagt Volker Nickel, Sprecher des Zentralverbands der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW) in Berlin. Schließlich stellen die Kunden bei den Kontaktern ihre Wünsche vor und erarbeiten mit ihnen die Ziele der Kampagne. Die Kontakter geben dies in die Agentur weiter und achten dann auf die Einhaltung des Terminplans und des Werbeetats.

Nach der Arbeit in der Agentur ist es dann wieder der Kontakter, der die Werbeideen seiner Kollegen beim Kunden präsentiert. "Eine feste Ausbildung gibt es für diesen Beruf nicht", sagt Nickel. "Oft sind es Werbekaufmänner oder studierte Betriebswirte, doch auch Politologen oder Mathematiker können da reinkommen - wenn sie sich neben dem Studium Fähigkeiten wie Überzeugungstalent und Organisationsgeschick angeeignet haben."

Im nächsten Schritt sind dann laut Hecker die strategischen Planer gefragt. Sie müssen - bevor die Arbeit an der eigentlichen Kampagne beginnt - Marktforschung betreiben und wichtige Grundlagen klären, zum Beispiel: Wer gehört zur Zielgruppe des Produkts, was sind ihre Bedürfnisse, und wie kommt man an diese Menschen ran? "Für diesen Bereich eignen sich neben BWL mit Schwerpunkt Marketing auch andere Studiengänge", sagt Hecker. Dazu gehörten beispielsweise Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste in Berlin oder Markt- und Kommunikationsforschung an der FH Pforzheim. Erst wenn die Planer den Markt analysiert haben, sind die Texter und Art Directoren gefragt.

"Texter sind diejenigen, die alle Texte einer Werbung verfassen - von der Überschrift über griffige Sprüche bis hin zu ganzen Broschüren", erklärt Volker Pankrath von der Geschäftsstelle vom Fachverband Freier Werbetexter FFW in Berlin. Texter müssen vor allem schreiben können. Einen festen Ausbildungsweg gibt es für sie ebenfalls nicht. "Einige absolvieren Ausbildungen an speziellen Texterschulen, die meisten sind Quereinsteiger, die im Studium oder einem Volontariat bei einer Zeitung das Schreiben gelernt haben", sagt Pankrath.

Allrounder gesucht

Die Texter arbeiten dabei eng mit den Art Directoren zusammen, die für das Layout, also das Gesamtaussehen der Werbung zuständig sind. "Ein Art Director muss darauf achten, dass die Ideen verständlich kommuniziert und rübergebracht werden", erklärt ZAW-Sprecher Nickel. Deswegen leitet der Art Director eine Gruppe von Textern, Layoutern und anderen Werbeexperten. Eine gute Grundlage für diese Arbeit sind eine Ausbildung zum Designer, Gestalter oder Grafiker und ein Grafik- oder Designstudium.

So eine Ausbildung kann aber nur die Basis für den Erfolg im Job sein - das gilt für alle Berufe in der Werbebranche. "Man sollte schon während des Studiums Praxiserfahrung sammeln, das erleichtert den Einstieg", rät GWA-Sprecher Hecker. Schließlich sei die Arbeit so vielfältig, dass eine Ausbildung zum Grafiker allein nicht ausreichen könne.

Wichtig sind auch Soft Skills: "In der Werbebranche muss man im Team und unter Druck arbeiten sowie sich schnell auf neue Projekte und Produkte einlassen können", sagt Hecker. Es könne durchaus vorkommen, dass man heute mit Autos zu tun hat, morgen mit einem Baumarkt und sich übermorgen etwas zu Erdbeerjoghurt überlegen muss. "Wer dabei ein Allrounder ist, hat gute Chancen, einen Weg in die hart umkämpfte Branche zu finden."

Nach Angaben des Zentralverbandes der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW) arbeiten fast 600.000 Männer und Frauen in der Werbewirtschaft. Die Berufsaussichten gelten als gut. Die Arbeitslosenquote in der Branche sinkt, Werbeagenturen und werbende Unternehmen suchen Nachwuchs. "Derzeit sind Kontakter, Art Directoren und Texter besonders gefragt", sagt ZAW-Sprecher Volker Nickel. Allein die zahlreichen Werbeagenturen bieten laut ZAW knapp 70 Prozent aller neuen Stellen an.

Aliki Nassoufis, dpa

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