Amtsmissbrauchsvorwurf IWF ermittelt gegen Strauss-Kahn

Der Internationale Währungsfonds ermittelt gegen seinen eigenen Chef. Eine Anwaltskanzlei prüft, ob Dominique Strauss-Kahn eine Mitarbeiterin bevorzugt hat, mit der er ein sexuelles Verhältnis hatte. Wegen eines ähnlichen Vorwurfs musste im vergangenen Jahr Weltbank-Chef Paul Wolfowitz seinen Posten räumen.

Washington - Wegen des Verdachts auf Missbrauch seiner Machtposition hat der Internationale Währungsfonds (IWF) eine Untersuchung gegen seinen Direktor Dominique Strauss-Kahn eingeleitet. Das bestätigte ein IWF-Sprecher am Samstag in Washington. Alle Anschuldigungen, "insbesondere diejenigen, die mit der Direktion zu tun haben", würden sehr ernst genommen, sagte der Sprecher.

Die Zeitung "Wall Street Journal" hatte zuvor berichtet, Strauss-Kahn stehe im Verdacht, seine Machtposition für eine sexuelle Beziehung zu einer Mitarbeiterin missbraucht zu haben.

Der IWF beauftragte demnach eine Anwaltskanzlei mit der Untersuchung. Dem Bericht zufolge dreht sich die Untersuchung um das Verhältnis des Franzosen zu der früheren hochrangigen Mitarbeiterin der Afrika-Abteilung beim IWF, Piroska Nagy. Beide sollen E-Mails über eine mögliche intime Beziehung ausgetauscht haben. Das Verhältnis habe Anfang des Jahres während einer Konferenz in Europa begonnen. Nagys Ehemann, der argentinische Ökonom Mario Blejer, der früher ebenfalls für den Währungsfonds tätig war, habe die E-Mails entdeckt.

Laut "Wall Street Journal" erklärte Strauss-Kahn, er arbeite mit den externen Ermittlern zusammen und werde dies auch weiter tun. Der "Vorfall, der sich in meinem Privatleben abspielte", habe sich im Januar 2008 ereignet. "Zu keinem Zeitpunkt habe ich meine Position als Direktor des Fonds missbraucht", zitierte die Zeitung den früheren französischen Finanzminister. Die von der Kanzlei Morgan, Lewis & Bockius geführte Untersuchung soll der Zeitung zufolge bis Ende Oktober abgeschlossen sein.

Der Fall weckt Erinnerungen an den früheren Weltbank-Chef Paul Wolfowitz. Wolfowitz war im Mai vergangenen Jahres wegen des Vorwurfs der Günstlingswirtschaft zurückgetreten. Mit einer Gehaltserhöhung für seine Lebensgefährtin hatte er gegen die Regeln der Weltbank verstoßen.

manager-magazin.de mit Material von afp

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.