Sonntag, 21. April 2019

Krisenticker Experte schreibt Autoindustrie bis 2010 ab

Die russische Regierung bereitet sich auf die Verstaatlichung von Banken vor. Commerzbank-Chef Martin Blessing kritisiert die Kollegen von der Deutschen Bank für ihren Bonusverzicht. Das Gesetz über das deutsche Rettungspaket nimmt alle Hürden. Verfolgen Sie den Krisenticker auf manager-magazin.de.

22.10 Uhr: Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer zeichnet ein düsteres Bild für die Automobilbranche in Deutschland. "Bis zum Jahr 2010 wird es bergab gehen", sagte Dudenhöffer dem Bremer "Weser-Kurier" (Samstagausgabe) laut Vorabbericht. Die Krise werde ihre Spuren bei den Arbeitsplätzen in der deutschen Autoindustrie hinterlassen. Auch Volkswagen Börsen-Chart zeigen werde von der Krise nicht verschont bleiben. "Wir geraten in die größte Krise seit der ersten Ölkrise 1973", sagte Dudenhöffer. Ursache sei in erster Linie die Finanzkrise. Die Autokrise habe mit dem Wertverlust von Immobilien in USA begonnen und dann eine Kettenreaktion ausgelöst. Daher rührten die Überproduktionen.

Ford-Werk in Köln: "Wir geraten in die größte Krise seit der ersten Ölkrise 1973"
22 Uhr: Der Dow-Jones-Index Börsen-Chart zeigen schließt in New York mit 8852 Punkten 1,4 Prozent unter seinem Vortagesschluss. Am frühen Nachmittag hatte er zeitweise mehr als 3 Prozent im Plus klar über der 9000-Punkte-Marke notiert. Erst in der letzten Handelsstunde drehten die Kurse deutlich ins Minus. Der breiter gefasste S&P 500 Börsen-Chart zeigenverlor 0,6 Prozent auf 940 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Börsen-Chart zeigensank um rund 0,4 Prozent auf 1711 Punkte.

21.45 Uhr: Der weltweit drittgrößte Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf sieht sein Geschäft durch die Finanzkrise langfristig gestärkt und hat seine Ziele bekräftigt. "Wir sind überzeugt, dass wir durch die Krise eine Renaissance des Retail Banking sehen werden, und das ist ja unser Geschäft", sagte Vorstandschef Eckard Heidloff der in Zürich erscheinenden Zeitung "Finanz und Wirtschaft" (Samstagausgabe) einem Vorabbericht zufolge. "Wir werden von dieser Entwicklung profitieren, die Krise ist für uns eine Chance."

21.30 Uhr: Russland hat am Freitag einen Rettungsplan für die strauchelnden Banken des Landes beschlossen, der auch den vorübergehenden Kauf von Kreditinstituten möglich macht. Es sei nicht ausgeschlossen, dass der Staat bei weiteren Banken eingreife und wieder verkaufe, wenn sich der Markt stabilisiert habe, sagte ein Regierungsvertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte, in Moskau: "Wir werden uns jede Bank einzeln anschauen und wenn wir sie retten können, dann machen wir das." Dieses Jahr haben bislang vier Banken Moskau um Hilfe gebeten. Die Regierung gewährte ihnen Kredite in Höhe von umgerechnet 45 Milliarden Euro.

20.20 Uhr: Chinas Wirtschaftswachstum hat sich nach Ansicht von Handelsminister Chen Deming im dritten Quartal abgeschwächt. Der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) werde für diesen Zeitraum wohl etwas weniger als 10 Prozent betragen, sagte Chen am Freitag in Paris. Er betonte, dass dies seine persönliche Sichtweise sei. Im zweiten Quartal hatte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt noch einen BIP-Zuwachs von 10,1 Prozent verzeichnet. Die Volksrepublik will die offiziellen Zahlen für das dritte Quartal Anfang nächster Woche bekanntgeben.

Die Exportwirtschaft des Landes werde wahrscheinlich die geringere Nachfrage spüren, die von der schwächeren Weltkonjunktur infolge der Finanzkrise ausgehe, sagte Chen. Chinas Exporte waren im September um 21,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Am Dienstag hatte Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao in einem Telefonat mit seinem britischen Amtskollegen Gordon Brown versichert, die globale Kreditkrise habe bislang nur begrenzte Auswirkungen auf die Finanzmärkte des Landes. Wen bekräftige zudem eine Erklärung der regierenden Kommunistischen Partei, wonach China sein Wachstum auch bei einer globalen Konjunkturflaute auf Kurs halten will.

20.15 Uhr: Nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden der MAN Börsen-Chart zeigen, Håkan Samuelsson, können Industrieunternehmen von der veränderten Situation auf den Finanzmärkten profitieren. "Geld wir teurer und die Eigenkapitalquote wichtiger. Die industrielle Wertschöpfung kommt wahrscheinlich deutlich mehr in den Fokus," sagte der Manager auf einem Festakt anlässlich des 250-jährigen Firmenjubiläums des Maschinenbaukonzerns. "Dies ist für MAN und die deutsche Industrie sicher ein Vorteil," sagte er.

20.05 Uhr: Die ukrainische Premierministerin Julia Timoschenko spricht sich für die Verstaatlichung der Prominvestbank aus und schließt sich damit der Zentralbank sowie einem Berater des Präsidenten Viktor Juschtschenko an. Die sechstgrößte Bank des Landes steht seit einer Woche unter Zwangsverwaltung, nachdem die Sparer massenhaft ihre Einlagen zurückforderten. Prominvestbank-Chef und -Großaktionär Wladimir Matwijenko sagte allerdings der Tageszeitung Kommersant Ukraina, eine Verstaatlichung löse nicht das Problem mangelnden Kapitals. Es gebe Angebote ausländischer Großbanken zu einem Einstieg.

EZB in Frankfurt: Wie die amerikanischen Kollegen von der Fed wollen die Eurobanker mehr Wertpapiere als Sicherheit akzeptieren
19.45 Uhr: Die von der Europäischen Zentralbank (EZB) angekündigten neuen Regeln zur Belebung des Geldmarkts sollen ab kommenden Mittwoch gelten. Dies teilte die EZB am Freitagabend mit. Wegen der Finanzkrise und der weiterhin angespannten Lage an den Geldmärkten will die EZB Teile ihres Regelwerks für Sicherheiten ändern, gegen die sie Banken Liquidität zur Verfügung stellt.

Die von der EZB akzeptierten Papiere müssen in Zukunft nicht mehr nur bester Bonität sein. Akzeptierte die Notenbank bislang lediglich Papiere mit einem Rating von wenigstens A-, können die Banken der EZB nun auch solche mit einem Rating von bis zu BBB- als Sicherheit anbieten. Einzige Ausnahme sind mit Forderungen unterlegte Anleihen (Asset-Backed Securitites, kurz ABS), für die die EZB ihre Konditionen erst Anfang September verschärft hatte. Sie sind durch die Finanzkrise in Verruf geraten.

19.05 Uhr: Die USA haben die Erwartungen an das ranghohe Politiker-Treffen am Samstag in Washington gedämpft. Dort würden voraussichtlich keine neuen Maßnahmen zur Linderung der Finanzkrise verkündet, sagte am Freitag Dana Perino, Sprecherin des Weißen Hauses. Auch werde wohl kein Datum für das geplante G-8-Treffen festgelegt.

Bei dem Treffen kommen die Präsidenten der USA, Frankreichs und der Europäischen Kommission zusammen - George W. Bush, Nicolas Sarkozy und José Manuel Barroso. Sarkozy hatte angekündigt, dort sollten erste Schritte für eine Neuordnung des globalen Finanzsystems erörtert werden. Wohl noch im November soll es einen Weltfinanzgipfel geben.

18.40 Uhr: Der Commerzbank-Vorstandssprecher Martin Blessing hat den Verzicht der Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank auf ihre Boni kritisiert. "Ich kann doch nur auf etwas verzichten, was mir auch zusteht", sagte Blessing der "Bild"-Zeitung (Samstagausgabe). Nur wenn man ein gutes Ergebnis für das Unternehmen erwirtschafte, also Erfolg habe, stehe einem auch ein Erfolgsbonus zu.

Weil die Commerzbank 2007 trotz Rekordergebnis nicht alle selbstgesteckten Ziele erreicht habe, sei der Bonus für die Vorstände schon im vergangenen Jahr um bis zu 50 Prozent gesenkt worden. Auf die Frage, ob es für die Commerzbank-Vorstände 2008 überhaupt einen Bonus gebe, sagte Blessing: "Gute Frage, dahinter mache ich ein großes Fragezeichen."

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