Siemens-Prozess Der mysteriöse Sponsor

Die Führungsspitze der Gegengewerkschaft AUB hat ihre Finanzierung durch Siemens gegenüber Mitgliedern offensichtlich streng geheim gehalten. Intern sei der Sponsor stets als "mittelständisches Unternehmen aus Franken" bezeichnet worden, sagte eine Ex-AUB-Mitarbeiterin vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth.

Nürnberg - Dass Siemens  dahinter stecke, habe sie zwar vermutet, der Name sei aber nie gefallen. "Sicher war aber, dass die AUB sich nicht aus eigenen Mitteln finanzieren konnte", sagte die 53-Jährige, die mehrere Jahre lang im AUB-Bundesvorstand war, am Montag vor dem Nürnberger Landgericht. Schon allein die Gehälter seien viel zu hoch gewesen, um durch die Beiträge der nur knapp 10.000 Mitglieder gedeckt werden zu können.

Die finanzielle Unterstützung durch Siemens wurde offenbar auch den AUB-Mitgliedern verschwiegen. Das Gericht verlas eine E-Mail, in der die 53-Jährige einem später ausgetretenen Mitglied auf Nachfrage mitteilte, dass sich die AUB ausschließlich über ihre Mitgliedseinnahmen und Seminare finanziere.

Es habe zwar keine schriftliche Anweisung des angeklagten damaligen AUB-Vorsitzenden Wilhelm Schelsky gegeben, den Sponsor zu verschweigen, erklärte die Mitarbeiterin. Dennoch habe sie dies stets so empfunden. So habe der Vorstand in Vorbereitung auf eine Mitgliederversammlung große Mühe gehabt, eine Antwort auf die Frage nach der Finanzierung zu geben. Über Finanzen zu sprechen, sei ein "gewisses Tabuthema" in der Firma gewesen.

Der frühere AUB-Vorsitzende Schelsky muss sich seit Ende September vor dem Nürnberger Landgericht wegen Beihilfe zur Untreue in Tateinheit mit Betrug und Beihilfe zur Steuerhinterziehung verantworten. Ebenfalls angeklagt ist der ehemalige Siemens-Vorstand Johannes Feldmayer. Ihm werden Untreue und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Er soll 2001 eine Rahmenvereinbarung mit Schelsky unterzeichnet haben, wonach dieser gegen ein Honorar von 500.000 Euro pro Quartal die AUB als Konkurrenzgewerkschaft zur IG Metall aufbauen und fördern sollte.

Insgesamt soll Schelsky bis November 2006 auf diese Weise 30,3 Millionen Euro erhalten haben. Einen Teil der Mittel soll Schelsky allerdings auch für private Interessen sowie zur Unterstützung von Sportlern und Sportvereinen verwendet haben. Der Prozess ist bis zum 24. November angesetzt.

manager-magazin.de mit Material von ap

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