Ehrung Nobelpreis für Paul Krugman

Der US-Wissenschaftler Paul Krugman erhält den Nobelpreis für Wirtschaft. Krugman lehrt an der Universität von Princeton. In seiner wöchentlichen Kolumne in der "New York Times" macht er keinen Hehl aus seiner Ablehnung für die Politik von Präsident Bush, ebenso wenig in seinem jüngsten Interview mit manager-magazin.de.

Stockholm - Der Nobelpreis für Wirtschaft geht in diesem Jahr an den US-Ökonomen Paul Krugman, einen der prominentesten Kritiker von US-Präsident George W. Bush. Krugman werde für seine Arbeit auf dem Feld der sogenannten "Neuen Ökonomischen Geographie" geehrt, begründete die schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm ihre Entscheidung.

Seine Theorien hätten dazu beigetragen, besser zu verstehen, warum einige Länder den internationalen Handel dominierten und Fragen im Zusammenhang mit der zunehmenden Verstädterung geklärt. "Er hat die separaten Forschungszweige über den internationalen Handel und die Wirtschaftsgeographie zusammengeführt", würdigte die Akademie die Arbeit des 55 Jahre alten Krugman.

Der Professor an der Princeton-Universität in New York sagte in einer ersten telefonischen Reaktion, er sei "tief bewegt". Über die derzeitige internationale Banken- und Finanzkrise meinte Krugman: "Sie ist furchterregend. Ich freue mich, dass die Politiker endlich anfangen, vernünftig zu handeln." Er habe es bis vor kurzem nicht für möglich gehalten, dass die Welt sich wie jetzt am Rande einer großen Depression bewegen könne.

Krugman wurde einem breiteren Publikum durch seine wöchentlichen Kolumnen in der "New York Times" bekannt, in denen er die Politik der Bush-Regierung massiv angriff. Im Interview mit manager-magazin.de unterstrich er kürzlich seine kritische Haltung zur aktuellen US-Wirtschaftspolitik.Der Preis ist mit umgerechnet rund 1,1 Millionen Euro dotiert. Die Preisverleihung findet am 10. Dezember in der schwedischen Hauptstadt statt.

Seine Karriere begann Krugman an der Universität Yale, danach wechselte er an das rennomierte Massachusetts Institute of Technologie (MIT) und lehrte an der Universität Stanford. 1998 verlieh im die Freie Universität Berlin die Ehrendoktorwürde.

Der kritische Forscher hat sich immer wieder aktiv in der Politk engagiert. So war er unter anderem während eines Walkampfes Berater des späteren US-Präsidenten Bill Clinton. Auch der frühere US-Präsident Ronald Reagan vertraute kurzzeitig auf die Expertise Krugmans in Wirtschaftsfragen.

Begabter und sprachgewaltiger Ökonomen

Begabter und sprachgewaltiger Ökonomen

Die Entscheidung des Komitees stieß bei Experten auf Zustimmung. "Sicher ist Paul Krugman einer der begabtesten und sprachgewaltigsten Ökonomen, die wir weltweit haben", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann. Eine besondere Auszeichnung sei, das Krugman den Preis schon so früh bekommen haben. Andere Preisträger seien vergleichsweise älter.

Der seit 1969 an 62 durchweg männliche Preisträger vergebene Ökonomie-Nobelpreis gilt bisher als ausgeprägte Domäne für marktwirtschaftlich orientierte Wirtschaftswissenschaftler, die gegen staatliche Eingriffe sind. 48 der Preisträger kamen von US- Instituten. Zur Vergabe an einen harschen Kritiker der rein marktwirtschaftlichen Orientierung wenige Wochen vor den Präsidentschaftswahlen in den USA sagte der schwedische Juror Mats Persson vom Nobelkomitee: "Das ist reiner Zufall. Wir können unsere langfristig angelegten Entscheidungen nicht von solchen äußeren Ereignissen abhängig machen."

Obwohl auch die Jury unter dem Eindruck der akuten Finanzkrise stehe, habe diese ebenfalls keine Rolle bei der Entscheidung für Krugman gespielt. Der New Yorker Star-Ökonom hat seit Jahren zum engsten Anwärterkreis gehört. Der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel lobte die Verleihung als "politisch klug". Krugman sei ein moderner und kritischer Wirtschaftswissenschaftler. Er habe viel über die Notwendigkeit von Kooperation statt aggressiver Konkurrenz gearbeitet. Krugman habe sich 2007 dafür eingesetzt, die Herrschaft der internationalen Finanzmärkte einzuschränken. Hickel sagte: "Er hat nachgewiesen, warum Finanzmärkte kollabieren, wenn man sie frei spielen lässt."

Der Wirtschafts-Nobelpreis heißt offiziell "Preis der schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften zum Andenken an Alfred Nobel". Er ist neben der bisher starken Fixierung auf konservative US-Ökonomen auch umstritten, weil er nicht auf Nobels Testament zurückgeht, sondern auf eine nachträgliche Stiftung der Nationalbank 1968. Krugman erhält die Auszeichnung trotzdem am 10. Dezember, dem Todestag des 1896 gestorbenen Nobel, in Stockholm zusammen mit den anderen Nobelpreisträgern von Schwedens König Carl XVI. Gustaf überreicht.

Bislang hat nur ein Deutscher den Nobelpreis für Wirtschaft bekommen: Der ehemalige Bonner Volkswirtschaftsprofessor Reinhard Selten. Er wurde 1994 zusammen mit den beiden US-Wissenschaftlern John Nash und John Harsanyi für die Weiterentwicklung der Spieltheorie geehrt. Sie überträgt das strategische Verhalten von Spielern auf wirtschaftliche und andere wissenschaftliche Fragestellungen.

Zweifellos bislang berühmtester Preisträger ist der US-Ökonom Milton Friedman. Er wurde vor rund 30 Jahren für seine Theorie über den Zusammenhang der Geldversorgung der Wirtschaft mit der Preisentwicklung geehrt.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa und ap

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