Heros "Weis allein hat die Millionen"

Betrug, Bankrott, Bereicherung: Der zweite Heros-Prozess steuert auf das Urteil zu. In seinem Plädoyer schob der Anwalt eines Bereichsleiters alle Schuld auf Karl-Heinz Weis, der bereits verurteilt ist. Die Anklage fordert sechs Jahre Haft.

Hildesheim - Im zweiten Heros-Prozess hat die Verteidigung des mitangeklagten Bereichsleiters am Mittwoch einen Freispruch gefordert. Sein Mandant habe kein Geld veruntreut, sagte der Verteidiger Gunter Kramper in seinem Plädoyer vor dem Landgericht Hildesheim. Der frühere Leiter der Hartgeldabteilung bei Heros soll gemeinsam mit dem Ex-Chef des ehemals größten deutschen Geldtransportunternehmens, Karl-Heinz Weis, knapp 12,9 Millionen Euro veruntreut und in die eigene Tasche gesteckt haben.

Die Anklage hatte sechs Jahre Haft für den ehemaligen Bereichsleiter gefordert. Sie sieht ihn als ausschlaggebende Figur in dem Untreueverfahren. Der 50-Jährige bestritt die Vorwürfe in der Verhandlung. "Die Millionenbeträge hat Herr Weis allein eingesteckt", erklärte auch Verteidiger Kramper. Die beiden Angeklagten beschuldigen sich gegenseitig. Das Urteil wird für den 24. Oktober erwartet.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass die beiden Männer das Geld für teure Autos, luxuriöse Immobilien und wertvollen Schmuck ausgaben. Der Leiter der Hartgeldabteilung habe immer wieder Geld für seinen kostspieligen Lebensstil unterschlagen. Als Weis hinter die Machenschaften seines Angestellten kam, habe er ihn aber nicht entlassen, sondern ihn seinerseits als "Geldquelle" genutzt, ist sich die Staatsanwaltschaft sicher. Der 60-Jährige behauptet allerdings, er habe kein Geld erhalten. Sein Verteidiger hatte eine Einstellung des zweiten Verfahrens beantragt.

Weis war im Mai 2007 unter anderem wegen Untreue und Bankrott zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Zusammen mit drei mitangeklagten Managern hatte er ein Schneeball-System mit Kundengeldern aufgezogen, um die gravierenden Finanzprobleme bei Heros zu verschleiern. Beim Zusammenbruch des Unternehmens war ein Schaden von rund 240 Millionen Euro entstanden.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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