Donnerstag, 21. November 2019

Management Freud und Leid in Australien

Wer sich in Australien als Führungskraft behaupten will, sollte direkt, ehrlich und smart sein. Die Australien-Kennerin Barbara Barkhausen erklärt gegenüber manager-magazin.de, warum Manager unterschiedliche Visitenkarten haben, Fair Play so wichtig ist und wie man sich gegen die Seilschaften der Eliteschulen durchsetzt.

mm.de: Frau Barkhausen, was wird in Australien von Managern erwartet?

Barkhausen: Man sollte ehrlich sein und vor allem geradeaus. Wer immerzu sein eigenes Süppchen kocht, kommt hier nicht weit. Und bei aller No-Worries-Mentalität, die die Australier im Privaten an den Tag legen - im Beruflichen will man wissen, was Sache ist. Von Managern wird erwartet, dass sie klare Ansagen machen. Freundlich, offen, bestimmt - das sind die Eigenschaften, die geschätzt werden. Humor kommt gut an, und Höflichkeit – vor allem gegenüber dem Kunden - ist ein Muss.

Barbara Barkhausen ist Print- und TV-Journalistin und arbeitet seit sechs Jahren als freie Auslandskorrespondentin in Sydney. Zunächst startete Barkhausen beim ZDF und ging von dort zur Bavaria Film. Nach fünf Jahren als Redakteurin, Projektleiterin und später CvD zog sie mit ihrem Mann nach Sydney und machte sich selbständig
mm.de: Wie vertragen sich Höflichkeit und der raubeinige Humor?

Barkhausen: Viele müssen sich sicher daran gewöhnen, wenn sie unter Kollegen mit gelegentlichen Schimpfwörtern empfangen werden, vor allem Männer. Aber das sind in Australien die Umgangsformen, das hat nichts mit Unhöflichkeit zu tun. Als Deutscher wird man gerne mal mit alten Kriegsthemen aufgezogen, auch da muss man sich eine raue Schale zulegen. Doch bei allem gilt eigentlich: Was sich liebt, das neckt sich.

mm.de: Wie wichtig ist Sachkenntnis?

Barkhausen: Es wird erwartet, dass ein Manager weiß, wovon er spricht. Außerdem sollte man mit Eifer und Engagement bei der Sache sein. Das schätzt der Australier.

mm.de: Wird Ehrgeiz honoriert?

Barkhausen: Gesunder Ehrgeiz schadet nicht. Weniger gefragt ist dagegen die Ellenbogenmentalität. Wer seine Kollegen aussticht oder übervorteilt, ist schnell unten durch. Eines der obersten Prinzipien in Australien ist das Fair Play. Außerdem sollte man teamfähig sein.

mm.de: Kommen die Deutschen in Australien gut an?

Barkhausen: Die Australier schätzen es sehr, dass die Deutschen alles sehr ordentlich machen, hierzulande ist das nicht die Regel. Das ist ein Bonus, den Deutsche haben. Dadurch bekommen sie Jobs oder werden als Selbstständige gebucht. Der Ruf, den Deutsche in Australien haben, ist sehr gut.

mm.de: Sollte man als erster kommen und als letzter das Licht löschen?

Barkhausen: Nein, das ist nicht nötig. In Australien fangen die Menschen etwas früher an zu arbeiten als in Deutschland, meistens zwischen sieben und acht Uhr. Wer nach neun kommt, wird schon komisch angesehen. Dafür geht man aber auch früher. Meistens ist das Wetter gut, und dann will man noch was vom Tag haben. Die Australier arbeiten zwar hart, aber sie wollen dann auch Zeit für sich. Dann geht man an den Strand oder trifft sich mit Freunden.

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