Berthold Beitz Macher, Manager, Erbe der Krupps

"Managen kann man kaum lernen, entweder man hat das Talent oder man hat es nicht", sagte Berthold Beitz einst. Das Leben des Unternehmers könnte die Vorlage für einen Kinofilm sein - so übervoll ist es mit überraschenden Wendungen, Krisen und triumphalen Erfolgen. Am Freitag wurde Beitz 95 Jahre alt.

Essen - Wegen seiner Rolle beim Wiederaufbau des Krupp-Konzerns gilt der jung gebliebene 95-Jährige auch heute als einer der bedeutendsten Manager der Nachkriegszeit. Doch glänzte der 1913 im vorpommerschen Zemmin geborene Unternehmer mit weit mehr als nur geschäftlichem Erfolg. Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt lobte Beitz als "Diplomat ohne Auftrag", der Deutschland bei der Verständigung mit Polen und Russland als Vorreiter gedient habe.

Und die jüdische Gedenkstätte Yad Vaschem ehrte in als "Gerechten der Völker", weil er ihm Zweiten Weltkrieg in Polen unter Einsatz seines Lebens Hunderte Juden vor dem Tod rettete. Schon als 28-Jähriger erlebte Beitz seine erste große Bewährungsprobe. Als kaufmännischer Leiter der Karpaten-Öl AG verantwortlich für Ölfelder im besetzen Polen, sah sich der junge Manager hautnah mit den Gräueltaten der deutschen Besatzer konfrontiert.

Und Beitz schaute nicht weg. Er rettete Hunderte von Juden vor der Deportation in die Konzentrationslager, indem er sie als unentbehrlich für die kriegswichtige Ölproduktion ausgab. Einige jüdische Kinder versteckte er sogar in seinem Haus. Nur mit Glück entging er dabei selbst dem KZ. "Ich habe spontan gehandelt, aus dem Gefühl heraus. Ich musste es einfach tun", sagte der Manager erst kürzlich in einem Interview.

"Wenn ich viel nachgedacht hätte, hätte ich es vielleicht gar nicht gewagt." Doch Mut gehörte wohl zum Charakter von Beitz. Dies zeigte sich auch, als der branchenfremde Manager 1953 das Angebot von Alfried Krupp akzeptierte und als dessen Generalbevollmächtigter die Sanierung des nach Kriegszerstörung und Demontage am Boden liegenden Krupp-Konzerns in Angriff nahm. Unter seiner Führung stieg das als Waffenschmiede Nazi-Deutschlands geächtete Unternehmen auf wie ein Phönix aus der Asche. Die Zahl der Beschäftigten wuchs von nur 13.000 im Jahr 1951 auf 113.000 im Jahr 1961.

Dabei ging Beitz immer wieder ganz eigene Wege. So pflegte er auch mitten im Kalten Krieg Kontakte zu Polen, der UdSSR, Bulgarien und Ungarn. Damit öffnete er nicht nur Krupp, sondern der ganzen deutschen Industrie den Zugang zu bislang verschlossenen Märkten.

Ein Viertel für den Iran

Ein Viertel für den Iran

Erst als Generalbevollmächtigter von Alfried Krupp, später als dessen Testamentsvollstrecker und als Vorsitzender der zum Konzerneigentümer aufgestiegenen Krupp-Stiftung überraschte Beitz immer wieder durch seinen Erfindungsreichtum. Etwa 1976, als er eine Finanzkrise abwandte, indem er für eine Milliardensumme 25,01 Prozent des Traditionskonzerns an den Iran verkaufte.

Später begleitete er als Krupp-Patriarch aus dem Hintergrund die Neuordnung der deutschen Stahlindustrie: die Übernahme von Hoesch durch Krupp und die Fusion der danach noch verbliebenen beiden Stahlriesen zum neuen Konzern ThyssenKrupp .

Auch heute ruht sich Beitz noch nicht auf seien Verdiensten aus. Erst vor gut einem Jahr baute die von ihm geführte Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung ihren Stimmrechtsanteil an ThyssenKrupp wieder auf eine Sperrminorität von 25,01 Prozent aus. Außerdem ließ sich die Stiftung von der Hauptversammlung ein Entsenderecht für drei der zehn von den Kapitaleignern gestellten Aufsichtsratsmitglieder einräumen. Damit schuf Beitz de facto einen Schutzschild, der "seinen" Konzern vor einer befürchteten feindlichen Übernahme bewahren soll.

Der Stadt Essen schenkte Beitz aus Mitteln der Stiftung erst kürzlich für 55 Millionen Euro ein neues Folkwang Museum. Es soll 2010 fertiggestellt werden, also in dem Jahr, in dem sich Essen mit dem Titel Kulturhauptstadt Europas schmücken kann. Und die Stadt dankt es ihrem Ehrenbürger. Künftig soll die Straße an der neuen Hauptverwaltung von ThyssenKrupp in Essen Berthold-Beitz-Boulevard heißen.

Erich Reimann, AP

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