Sonntag, 18. August 2019

Discounter Oskierski nicht mehr Lidl-Chef

Wilfried Oskierski ist nicht länger Lenker des Discounters Lidl. Der Chef des Aldi-Konkurrenten, der 2005 berufen worden war, hat das Unternehmen bereits verlassen. Einen Nachfolger gibt es laut Lidl bislang nicht.

Neckarsulm - Lidl-Vorstandschef Wilfried Oskierski hat seinen Hut genommen. Der Manager habe das Unternehmen bereits verlassen, sagte eine Lidl-Sprecherin am Mittwoch in Neckarsulm und bestätigte eine Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

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Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE gab es zuletzt Differenzen zwischen Oskierski und dem mächtigen Lidl-Aufsichtsratschef Klaus Gehrig. Unternehmenskenner berichten, dass Gehrig mit Blick auf die Expansion des Discounters den Druck auf Oskierski erhöht hat, dem der Vorstandsvorsitzende offenbar nicht mehr standhielt. Weder Lidl noch Oskierski wollten dazu Stellung nehmen. Oskierski war Ende 2005 von Gehrig berufen worden.

Das Ausscheiden Oskierskis habe mit der Bespitzelungsaffäre nichts zu tun, hieß es weiter. Lidl war in diesem Jahr wegen der Bespitzelung von Mitarbeitern in die Schlagzeilen geraten. Datenschützer mehrerer Bundesländer verlangen fast 1,5 Millionen Euro Bußgelder von dem Unternehmen.

Der öffentlichkeitsscheue Oskierski war Chef der Lidl Stiftung & Co. und verantwortete dort das nationale und internationale Geschäft des Handelskonzerns. Zuvor hatte er für kurze Zeit bei der Edeka-Tochter Netto gearbeitet. Einen Nachfolger gebe es bislang nicht, sagte die Sprecherin.

Firmenkenner rechnen aber mit einer baldigen Entscheidung. Als möglicher Nachfolger wird Einkaufschef Heinz Holland gehandelt. Auch der Leiter des Deutschland-Geschäfts, Frank Michael Mros, soll Chancen auf den Posten haben.

Mit Oskiereski verliert Lidl den zweiten Top-Manager innerhalb weniger Monate. Ende August hatte Thorsten Hermelink den Konzern nach nur zweijähriger Tätigkeit verlassen. Hermelink, der vom Hamburger Handelshaus Tchibo kam, sollte das Aktionsgeschäft mit Non-Food-Artikeln aufbauen. Der ambitionierte Plan scheiterte laut Insidern jedoch an internen Widerständen.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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