US-Wahlkampf McCain setzt auf Vize-Kandidatin

Der Republikaner John McCain hat überraschend die Gouverneurin von Alaska zu seiner Kandidatin für das Amt des US-Vize-Präsidenten ernannt. Manche politische Beobachter sprechen von einem strategisch genialen Schritt, andere zeigen sich skeptisch.

Dayton - "Sie stammt nicht aus dieser Gegend und sie stammt nicht aus Washington", erklärte McCain am Freitag in Dayton im Bundesstaat Ohio. McCain stellte Sarah Palin vor jubelnden Anhängern am Tag nach dem Ende des Parteitags der Demokraten vor. Die 44-Jährige gehörte für die meisten Experten nicht zu der engeren Auswahl für das Amt des Vertreters. Palin wurde 2006 als erste Frau an die Spitze des flächenmäßig größten Bundesstaates gewählt.

Palin ist außerhalb Alaskas vergleichsweise wenig bekannt. Die fünffache Mutter - ihr jüngstes Kind ist vier Monate alt - ist als Abtreibungsgegnerin und wegen ihrer Politik der Steuersenkungen bei Konservativen beliebt. Die studierte Journalistin und Politikwissenschaftlerin war Bürgermeisterin der Stadt Wasilla. Wie McCain hat sie den Ruf, ein unabhängiger Geist zu sein. Sie hat sich mit den Öl-Firmen in Alaska angelegt und mit dem republikanischen Establishment gebrochen.

Umweltschützer kritisieren ihre Unterstützung für mehr Öl-Bohrungen in Alaska und ihren Widerstand dagegen, den Eisbären auf die Liste der bedrohten Arten zu setzen. Sie ist Mitglied der Waffenlobby NRA.

"Strategisch ein genialer Schritt"

Michael Lindsay von der Rice University sprach von der bislang größten Überraschung des Wahlkampfs. Der Schritt sei "strategisch genial": McCain habe einerseits einen reformorientierten Vize benötigt, habe andererseits auch dringend die religiösen Republikaner ansprechen müssen. Auch Chip Hanlon von Delta Global Advisers lobte die Wahl. Dies sei nicht nur strategisch zu sehen, sondern weil Palin "wirklich gescheit" sei. Dennis Goldford von der Drake University warnte jedoch, dass damit noch einmal das Alter des 72-jährigen McCain betont werde. Es sehe nun so aus, "als ob McCain und seine Tochter" ins Rennen zögen.

McCain liegt in den meisten Umfragen gleichauf mit dem Demokraten Barack Obama. Die Republikaner halten ab Montag ihren Parteitag in St. Paul im Bundesstaat Minnesota ab, auf dem McCain und Palin formell zu Kandidaten ernannt werden. Die Wahl findet am 4. November statt.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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