Klaus Bölling Ein Diplomat mit Witz und Charme

Als Regierungssprecher unter Helmut Schmidt erlangte Klaus Bölling Legendenstatus. Der Sohn eines preußischen Beamten aus Potsdam ist ein Mann alter Schule, der für Loyalität und Verlässlichkeit steht. Heute wird Bölling 80 Jahre alt.

Berlin - Auch seine Nachfolger lobten ihn in höchsten Tönen. Für Peter Boenisch, das zeitweilige Sprachrohr von Helmut Kohl, war Klaus Bölling "der beste Regierungssprecher aller Zeiten". Und für Ulrich Wilhelm, Angela Merkels Sprecher, ist der Sozialdemokrat Bölling weiter "das Maß aller Dinge" in einem der heikelsten Ämter des deutschen Politikbetriebs.

Solche Elogen sind dem Staatssekretär außer Diensten, der am Freitag 80 Jahre alt wird, wohl eher unangenehm. Der Sohn eines preußischen Beamten aus Potsdam war immer ein Mann alter Schule, der auch auf gute Manieren achtet. Und dem das Genossen-Du nie leicht von der Hand ging. Das war auch bei Helmut Schmidt so, mit dem Klaus Bölling in besonders schwierigen Zeiten von 1974 bis 1981 ein eingespieltes pragmatisches Gespann bildete.

"Zwischen uns war immer eine gewisse hanseatische und preußische Distanz", berichtete Bölling kürzlich über dieses Verhältnis. Er habe den zehn Jahre älteren Schmidt natürlich immer als "Herr Bundeskanzler" angesprochen. Der habe ihn nach dem Hamburger Ritual stets mit "Klaus und Sie" tituliert. Erst nach seinem Rücktritt "verlieh" Schmidt Bölling dann doch noch das bei ihm seltene Du.

Vor allem seine sprachliche Brillanz und eine oft heitere Selbstironie gehörten nach Ansicht von Weggefährten zu Böllings Erfolgsrezepten. "Das Allerwichtigste für einen Regierungssprecher ist, dass er ein stabiles Vertrauensverhältnis zu seinem Kanzler hat", lautet seine feste Überzeugung.

Einer, der sich durch kumpelhaften Umgang mit der Presse beliebt machen wolle, habe sein Amt missverstanden, ist er bis heute fest überzeugt. Seine journalistische Herkunft verleugnete Bölling, der aus einer deutsch-jüdischen Familie stammt, nie.

Seine Laufbahn begann er 1947 beim Berliner "Tagesspiegel". Als RIAS-Redakteur berichtete er vom Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953. Danach wechselte er zum WDR. Von 1969 bis 1973 leitete er das ARD-Studio in Washington. Danach war er Intendant von Radio Bremen.

Im Februar 1981 wurde Bölling Nachfolger von Günter Gaus als Ständiger Vertreter der Bundesrepublik in der DDR. Gut ein Jahr später kehrte er bis zum Ende von Schmidts Kanzlerschaft für wenige Monate auf seinen alten Sprecherposten in Bonn zurück. Seitdem meldet sich Bölling von Berlin aus als weiter in den Medien gefragter Gesprächspartner zu allen möglichen aktuellen Themen zu Wort.

Joachim Schucht, dpa

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