Wennemer-Porträt Abschied eines Kostenmanagers

Er galt als Liebling der Analysten und hat Conti zu einem der größten Autozulieferer der Welt geschmiedet. Nach der beendeten Übernahmeschlacht mit Schaeffler nimmt Wennemer jetzt seinen Hut.

Hannover - Manfred Wennemer ist Mathematiker - die Beschäftigten des Autozulieferers Continental  haben das häufig zu spüren bekommen. Denn der 60 Jahre alte Vorstandschef von Conti gilt als ein knallharter Kostenmanager. Nach seiner größten Herausforderung, den harten Verhandlungen mit der Schaeffler-Gruppe über eine Übernahme von Conti, tritt Wennemer nach der erzielten Einigung nun zurück.

Wennemer habe bei den Verhandlungen so viel wie möglich für die Conti herausholen wollen, hieß es in Hannover in den vergangenen Tagen. In dem neuen Kapitel der Unternehmensgeschichte aber sah er für sich selbst offensichtlich keinen Platz mehr und bat den Aufsichtsrat, ihn zum 31. August von seinem Amt zu entbinden.

Wennemer hatte zu Beginn der Übernahmeschlacht harsche Kritik an Schaeffler geäußert. Das Vorgehen der Franken sei "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos".

Wennemer hatte Continental in den vergangenen Jahren zu einem der fünf weltweit größten Autozulieferer geschmiedet und deutlich breiter aufgestellt, vor allem durch Übernahmen. Sein größter Coup: Im Sommer 2007 kaufte Conti für rund 11,4 Milliarden Euro die Siemens-Sparte VDO und verstärkte sich damit massiv im Wachstumsmarkt Autoelektronik.

Im Konsolidierungsprozess der Branche zu den Gewinnern zählen, das war das Ziel Wennemers. Sein Credo: Sozial ist, was die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens sichert, und zwar dauerhaft. Um auch künftig Erfolg zu haben und in einem schärferen Wettbewerb Aufträge an Land zu ziehen, müsse Continental seine Kosten ständig auf den Prüfstand stellen - um nicht irgendwann als "Tochtergesellschaft eines chinesischen Konzerns" zu enden.

Conti gilt als Vorreiter von Produktionsverlagerungen ins Ausland und wächst seit Jahren vor allem im Ausland. Für viele Gewerkschafter ist Wennemer deswegen ein "rotes Tuch".

1947 in einem Dorf im Münsterland geboren, legte Wennemer 1973 an der Universität Münster sein Mathematikdiplom ab. Kurze Zeit später stieg er als Projektleiter im EDV-Bereich bei Procter & Gamble ein.

Nach mehreren Zwischenstopps kam er 1994 als Vorstandsvorsitzender zum Autozulieferer Benecke-Kaliko in Hannover, der kurze Zeit später von Conti zu 100 Prozent übernommen wurde. Vier Jahre später zog Wennemer in den Continental-Vorstand ein und verantwortete dort zunächst die Tochter ContiTech. Am 11. September 2001 - dem Tag der Terroranschläge in den USA - wurde Wennemer neuer Conti- Vorstandschef.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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