EnBW Stiller Chefsucher

Claus Dieter Hoffmann gehört nicht zu den Managern, die sich in den Vordergrund drängen. Als Chef des EnBW-Aufsichtsrats hatte er die Aufgabe, einen Nachfolger für Utz Claassen zu finden. Hoffmann präsentierte eine Überraschung. Und liefert nun Hilfe zur Selbsthilfe im Mittelstand.

Stuttgart - Nur kurz tauchte Claus Dieter Hoffmann aus der selbst gewählten Versenkung auf. Als sich der neue EnBW-Chef Hans-Peter Villis im vergangenen Oktober zum ersten Mal im Rampenlicht präsentierte, saß auch der Stuttgarter Unternehmer auf dem Podium des Energieriesen, zufrieden und zurückhaltend.

Nicht nur der EnBW-Aufsichtsratsvorsitzende selbst war sich an diesem Tag sicher, dass er einen Coup gelandet hatte mit seinem Kandidaten für den Chefsessel. Niemand hatte nach der schlagzeilenträchtigen Utz-Claassen-Ära mit dem stilleren Eon-Manager Villis gerechnet. Und während sich das inoffizielle Kandidatenkarussell drehte, hatte Hoffmann ihn aus dem Hut gezaubert - heimlich, still und leise, wie es seine Art ist.

Als "Chefsucher" hatte der 66-Jährige im vergangenen Sommer mächtig unter Zeitdruck gestanden. Gedanken über einen Wechsel an der Konzernspitze soll es bei den EnBW-Großaktionären schon Anfang des vergangenen Jahres gegeben haben, heißt es. Hoffmann selbst schweigt dazu. Der frühere Topmanager hat sich nicht nur auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten für die EnBW auf seine jahrzehntelangen Erfahrungen verlassen und auf sein weit gespanntes Beziehungsnetz, auch im Alltag baut Hoffmann auf das angediente Wissen.

Er ist als Gesellschafter der Stuttgarter H+H Senior Advisors GmbH verantwortlich für eine nicht ganz alltägliche Hilfe zur Selbsthilfe im Mittelstand. Die Idee: Pensionierte Ex-Manager geben ihr lang angesammeltes Wissen an Unternehmen weiter, die mehrheitlich im Familienbesitz sind und von den Eignern geführt werden. Sie beraten die Mittelständler in strategischen Fragen und bei Führungswechseln oder Finanzierungen.

Für Hoffmann ist das eine logische Folge seines Lebenslaufes: "Sollen wir unser Wissen, unseren Erfahrungsschatz und unsere Beziehungen einfach begraben?", meint er. Bedingung für einen Platz im Beraterreigen: Wer mitmacht, darf damit nicht seinen Lebensunterhalt verdienen. Und er sollte nicht jünger sein als 55.

Rüstiger Rentner? Hoffmann schüttelt den Kopf. Davon will er auch als Pensionär nichts hören. Bei der EnBW hält er seit 2006 als Aufsichtsratsvorsitzender schon seit einigen Jahren die Fäden in der Hand. Geboren 1942 im damaligen Litzmannstadt (Lodz/Polen) machte er in seiner Karriere nicht nur Erfahrungen auf dem internationalen Parkett.

"Strenges Freizeitkonzept"

"Gesellschafter mit strengem Freizeitkonzept"

Er zeigte durch seine Verbundenheit zu Stuttgart und zur schwäbischen Robert Bosch GmbH stets auch eine starke regionale Bindung. Für genau dieses Konzept wirbt Hoffmann auch beim Karlsruher Energieversorger, wenngleich er auch die zunehmenden internationalen Strategien der EnBW und entsprechende Fusionen fördert.

EnBW-Chef Villis weiß diese Unterstützung aus dem Aufsichtsrat zu schätzen: Hoffmann verfüge über "umfassende Management- und Industrieerfahrung, von der auch die EnBW profitiert", meint er. "Insbesondere in Zeiten, in denen wir mehrere Milliarden Euro wertschöpfend investieren wollen, ist ein solcher Erfahrungshintergrund von unschätzbarem Wert."

Der promovierte Betriebswirt Hoffmann arbeitete zunächst als Forschungsassistent an dem Projekt "Multinationale Unternehmungen", bevor er 1973 seine Laufbahn bei Bosch begann. Die Stationen seiner Karriere führten ihn dort bis 1978 zu verschiedenen Aufgaben im Konzerncontrolling und in der kaufmännischen Leitung, bevor er für sechs Jahre als Geschäftsführer für Robert Bosch Japan steuerte.

1996 wurde Hoffmann in die Geschäftsleitung der Robert Bosch GmbH berufen, zwei Jahre später zum ordentlichen Geschäftsführer bestellt. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2002 blieb der Vater von zwei Kindern seinem schwäbischen Unternehmen treu, zuletzt als Finanzchef.

Er sei "Gesellschafter mit strengem Freizeitkonzept", scherzt Hoffmann. "Ich arbeite stets sechs Wochen, dann mache ich zwei Wochen Urlaub." In der Freizeit, die ihm neben der eigenen Firma und den zahlreichen Aufsichts- und Verwaltungsratsmandaten noch bleibt, hat Hoffmann eine Vorliebe für asiatische Kunst und Kultur. Und er versucht, sein Golfhandicap unter anderem am Zweitwohnsitz an der Côte d'Azur zu verbessern. Mit Erfolg? Da bleibt Hoffmann schweigsam, wie es seine Art ist.

Von Martin Oversohl, dpa

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