Andreas Kaufmann Bewahrer des "Leica-Gefühls"

Investor Andreas Kaufmann ist vor einem halben Jahr angetreten, um die Leica Camera AG zu sanieren. Die wirtschaftliche Situation lässt dem Vorstandschef und Miteigner kaum Zeit zum Müßiggang. Die Traditionsfirma steckt seit Jahren in Schwierigkeiten.

Solms - Eine typische Managerkarriere hat Leica-Chef Andreas Kaufmann nicht vorzuweisen. "Leica ist aber auch kein typisches Unternehmen", sagt der 54-Jährige. Seit vergangenen Februar ist er Vorstandsvorsitzender der Leica Camera AG  mit Sitz im mittelhessischen Solms, einer weltweit bekannten Firma.

Studiert hat Kaufmann Literatur, Geschichte und Politik. Nach der Universität arbeitete er 15 Jahre lang als Lehrer an einer Waldorfschule in Göppingen in Baden-Württemberg und gründete 2002 mit seinen Brüdern die Beteiligungsfirma ACM.

Als ACM Leica übernahm, trat Kaufmann an, den seit längerem schwächelnden Kamerakonzern zu sanieren. Er will das erhalten, was die Produkte mit dem roten Punkt umgibt, mit denen große Fotografen wie Henri Cartier-Bresson oder Robert Capa arbeiteten - das "Leica-Gefühl", wie er es nennt.

"Es gibt etwas an Leica"

"Dass ich hier bin, ist eine Frage der Verantwortung meiner Familie und mir selbst gegenüber", sagt der gebürtige Mannheimer, der auch Geschäftsführer der österreichischen ACM Projektentwicklung GmbH ist. Das Unternehmen hält derzeit rund 96,5 Prozent an Leica. "Meine Aufgabe ist es, Produkte auf den Weg zu bringen, die den Standort und die Arbeitsplätze bei Leica sichern - das ist nicht einfach und nicht in wenigen Monaten zu erledigen", sagt Kaufmann.

Zu kämpfen hat die Firma derzeit auch mit zwei Verfahren vor Gericht. An diesem Dienstag will das Landgericht Frankfurt über mehrere Klagen von Kleinaktionären gegen den geplanten Rückzug Leicas von der Börse verhandeln. Am 12. September setzt das Landgericht Limburg den Prozess um die Klage des früheren Leica-Vorstandschefs Steven K. Lee fort. Lee war nach nur 15 Monaten an der Spitze des Optikunternehmens abberufen worden. Seinen Posten hatte Kaufmann übernommen.

Kaufmann ist bei Leica eingestiegen, um länger zu bleiben; er glaube an die Marke, die fasziniere und ein Interesse entstehen lasse, das weit über die Größe des Unternehmens hinausgehe. "Es gibt etwas an Leica, das jeden Einsatz für das Unternehmen rechtfertigt", sagt der 54-Jährige.

Hoffen auf die Photokina

"Leica ist keine Golfplatzbeschäftigung"

Was er selbst so spannend finde, sei die Technik in den handgearbeiteten Fotokameras und Ferngläsern, die Präzision und exzellente Verarbeitung. Fotografieren und Oldtimerfahren seien seine Hobbys. Mit zwölf Jahren habe er seine erste Fotokamera bekommen und beim Einstellen von Blende und Belichtungsmesser so einige Aha-Erlebnisse gehabt.

Die Beteiligungsfirma ACM gründete Kaufmann mit seinen Brüdern Christian und Michael. ACM - der Name ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen - ist ein Tochterunternehmen der Socrates Privatstiftung der Familie Kaufmann. Sie soll in Österreich zu den wohlhabendsten gehören, worüber der 54-Jährige aber nicht sprechen will.

"Das hier in Solms ist aber auf gar keinen Fall eine Golfplatzbeschäftigung für mich", sagt Kaufmann. Nur zum Spaß hätte er sich niemals entschieden, drei, vier Tage die Woche in Solms aus dem Koffer zu leben, sondern wäre in Salzburg bei seinen drei Kindern und seiner Frau geblieben.

Hoffen auf die Photokina

Die wirtschaftliche Situation von Leica lässt kaum Zeit zum Zurücklehnen. Das Unternehmen mit derzeit rund 1000 Beschäftigten hat seit Jahren Schwierigkeiten. 2005 war Leica fast insolvent, weil Ende der 90er Jahre der Einstieg in die Digitalfotografie verpasst wurde. Etwa 500 Stellen wurden nach und nach abgebaut. Nur weil die Firma frisches Kapital für den Rettungsplan beschaffen konnte, wurde die Talfahrt gestoppt.

Inzwischen hat Leica im zweiten Geschäftsjahr in Folge 2007/08 (31. März) zwar schwarze Zahlen geschrieben. Für das laufende Jahr wird aber wieder ein Verlust erwartet wegen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung und der Verzögerung beim Markteintritt neuer Produkte. Im Folgejahr soll das Ergebnis zumindest wieder ausgeglichen sein.

Die Investitionen werden sich laut Kaufmann bezahlt machen. Schon bei der Leitmesse Photokina im September in Köln werde Leica einige Neuheiten präsentieren. "Es wird im Digitalen Interessantes geben, wir werden Produkte zeigen, die niemand von uns erwartet hat, wahre Überraschungen", kündigt Kaufmann an.

Ob mit den neuen Produkten der Markt, der bislang den Elektronikgiganten aus Asien überlassen wurde, neu aufgeteilt werde? - "Nein", sagt Kaufmann, "mit unseren Produkten zielen wir primär auf das obere Marktsegment, nicht auf den breiten Massenmarkt. Der ist besetzt, und den überlassen wir gerne anderen Anbietern."

Von Maria Panagiotidou, dpa

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