Balda Aktionäre verweigern Entlastung

Die Anteilseigner des westfälischen Handyausrüsters Balda rebellieren. Vorstand und Aufsichtsratschef sind am Dienstag auf der Hauptversammlung nicht entlastet worden. Bei der Neuwahl des Kontrollgremiums einigte sich Lars Windhorst mit der NordLB.

Bielefeld - Wie Balda  am Dienstagabend bekannt gab, stimmten die Anteilseigner in Bielefeld zudem gegen diverse Pläne des Managements. So lehnten sie einen Antrag zur Erhöhung des Grundkapitals bis einschließlich Juli 2013 durch Ausgabe neuer Stückaktien um höchstens 27 Millionen Euro ab. "Überdies stimmten die Aktionäre gegen die künftige Ausgabe von Wandel- und Optionsanleihen sowie die Schaffung eines bedingten Kapitals in Höhe von rund 3,4 Millionen Euro", hieß es in der Mitteilung. Dagegen votierten die Anteilseigner für eine Ermächtigung zum Erwerb und zur Veräußerung eigener Aktien.

Die Aktionärsversammlung stimmte der Verkleinerung des Aufsichtsrates auf drei Mitglieder zu. Neu wurden in das Kontrollgremium, das von Richard Roy geführt wird, Manfred Puffer und Michael Sienkiewicz gewählt. Die zurückgetretenen Aufsichtsräte seien von den Aktionären entlastet worden. Welche Konsequenzen das Aktionärsvotum zur Nicht-Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat hat, wurde nicht mitgeteilt.

Auf der Hauptversammlung äußerten Aktionärsvertretern scharfe Kritik am Management. "Balda hat so ziemlich alle Erwartungen enttäuscht", sagte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Vorstandschef Joachim Gut kündigte dagegen an, im Gesamtjahr 2008 sollten alle Geschäftsfelder profitabel sein. Das erste Halbjahr werde aber schwächer als die zweite Jahreshälfte ausfallen. Es gebe zehn gesicherte Aufträge im neuen Kerngeschäft mit berührungsempfindlichen Bildschirmen.

Ferner habe sich Balda mit den Banken auf die Eckpunkte einer neuen stabilen Finanzierung geeinigt. Ein formeller Abschluss werde für August erwartet. Gut kündigte außerdem an, die Medizintechnik-Tochter solle noch im laufenden Jahr verkauft werden. Balda stehe aber nicht unter Zeitdruck. Nach Angaben von Finanzchef Dirk Eichelberger soll der Anteil des Geschäfts mit dem größten Kunden am Balda-Umsatz bis Ende 2008 unter 60 Prozent sinken. Dem Vernehmen nach liefert die chinesische Balda-Tochter TPK die berührungsempfindlichen Bildschirme für das iPhone von Apple .

Nach Millionenverlusten 2007 war das Ergebnis im fortgeführten Geschäft im ersten Quartal 2008 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von plus 1,7 auf minus 6,7 Millionen Euro gesunken. Der Umsatz stieg von 42,9 auf 45,2 Millionen Euro. Die Zahlen des zweiten Quartals will das Unternehmen mit gut 6500 Mitarbeitern am 6. August bekanntgeben.

Unterdessen gab es im Streit der NordLB mit dem einstigen Vorzeige-Jungunternehmer Lars Windhorst über die Besetzung des Balda-Aufsichtsrats eine Lösung. Zwar sah die Tagesordnung der Hauptversammlung vor, den Windhorst-Anwalt Michael Naschke in das Gremium zu wählen. Aber laut eines von Aufsichtsratschef Richard Roy verlesenen Schreibens zog Naschke seine Kandidatur zurück. Die NordLB hatte als eigenen Kandidaten Manfred Puffer vorgeschlagen, der derzeit im Aufsichtsrat der der österreichischen Bundesfinanzagentur sitzt.

Die NordLB hält nach eigenen Angaben 15,1 Prozent des Balda- Grundkapitals. Windhorst ist Geschäftsführer der Investmentfirma Vatas, deren Muttergesellschaft Sapinda 8,4 Prozent der Anteile hält.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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