Ingenieure Nachwuchssorgen

Keine Berufsgruppe hat gegenwärtig so gute Jobaussichten wie Ingenieure, gegenwärtig gibt es bundesweit knapp 100.000 offene Stellen. Daran wird sich in absehbarer Zeit wohl nichts ändern: Mehr als 30 Prozent aller angehenden Ingenieure brechen ihr Studium ab.

Hannover - Studierende von Ingenieurs- und Naturwissenschaften brechen ihr Studium besonders häufig ab. In diesen Fächern wie auch bei den Sprach- und Kulturwissenschaften liegt die Abbruchrate bei 30 Prozent und höher, wie eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) in Hannover ergab. Relativ niedrige Abbrecherquoten von unter 10 Prozent gibt es dagegen bei Medizin, Pharmazie oder Lehramt. Insgesamt ist die Zahl der Studienabbrecher leicht gesunken.

Die Studie für den Absolventenjahrgang 2006 erstellte das HIS im Auftrag des Bundesbildungsministeriums. Dabei geht es um das Abbruchverhalten der Studienanfänger von 1999 bis 2001. Von 100 Studienanfängern von Anfang 2000 gaben 21 ihr Erststudium ohne Examen auf, bei der letzten Berechnung waren es noch 22. Der leichte Rückgang beruht dabei vor allem auf einer günstigen Entwicklung an den Universitäten, wo der Abbrecheranteil bei 20 Prozent liegt. An den Fachhochschulen (FH) stieg die Quote dagegen um fünf Punkte auf 22 Prozent.

Erstmals untersuchte das HIS auch Quoten für unterschiedliche Studienabschlüsse. Einen hohen Studienerfolg zeigen Staatsexamens-Studiengänge, bei denen lediglich 7 Prozent der Studienanfänger ohne Abschluss blieben. Bei Diplom- und Magisterstudiengängen an Universitäten ist die Abbrecherquote dagegen mit 29 Prozent sehr hoch, bei FH-Diplomstudien liegt sie bei durchschnittlich 21 Prozent.

Überraschend viele Studienabbrecher gibt es in den neu eingeführten Bachelor-Studiengängen (BA) bei den Studienanfängern von 2000 bis 2004: Bei den Universitäten liegt die Abbrecherquote bei 25 Prozent, bei den Fachhochschulen sogar bei 39 Prozent. Die Verfasser der Studie verweisen aber darauf, dass das Bild je nach Fächergruppen sehr differenziert sei. Offenbar gibt es vor allem bei den BA-Studiengängen der Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften sehr viele Abbrecher.

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Die hohen Abbruchraten stellen HIS zufolge somit nicht das Konzept der neuen Studienstrukturen in Frage. Vielmehr sei der Studienerfolg wohl im Zusammenhang mit der Art und Weise zu sehen, wie die neuen Strukturen umgesetzt worden seien. "Ein hoher Handlungsbedarf ergibt sich derzeit besonders für das Studium des Maschinenbaus und der Elektrotechnik an den Fachhochschulen."

Vor allem Ingenieure des Maschinenbaus und der Elektrotechnik werden in Deutschland händeringend gesucht. Der Mangel an Ingenieuren in Deutschland hat nach Ansicht des Verbands Deutscher Ingenieure (VDI) dramatische Ausmaße erreicht. Gegenwärtig suchen Unternehmen in Deutschland nach Angaben des VDI fast 100.000 Ingenieure.

manager-magazin.de mit Material von ap

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