SdK Der Vizechef tritt zurück

Der Vizechef der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger SdK hat sein Amt niedergelegt. Markus Straub kam unter Druck, weil er vom erheblichen Kursverfall der Wirecard-Aktie profitiert. Die Papiere von Wirecard hatten stark an Wert verloren, nachdem die SdK Wirecard irreführende Bilanzierung vorgeworfen hatte.

München - Der stellvertretende Vorsitzende der der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) ist über den Streit mit dem Zahlungsverkehrsabwickler Wirecard  gestolpert. Der SdK-Vorsitzende Klaus Schneider sagte am Mittwoch, sein Stellvertreter Markus Straub sei nach seinen umstrittenen Finanzgeschäften mit Wirecard-Wertpapieren zurückgetreten.

"Leider habe ich habe in den letzten Tagen erfahren, dass viele Personen kein Verständnis für meine Position haben", schrieb Straub am Mittwoch an den Vorstand. "Um weiteren Schaden von der SdK abzuwenden, trete ich mit sofortiger Wirkung von meinem Amt als stellvertretender Vorsitzender und Vorstand zurück."

Straub hatte eingeräumt, Wertpapiere gekauft zu haben, mit denen er von fallenden Kursen von Wirecard profitiert. Zugleich wirft die SdK dem Unternehmen aus Grasbrunn bei München falsche und irreführende Bilanzierung vor. Wirecard wiederum beschuldigt die SdK des Insiderhandels und der Kursmanipulation. Das Unternehmen hat deswegen Anzeige erstattet und fordert Schadensersatz. Die SdK hat wiederum eine Anzeige gegen Wirecard angekündigt.

Straub hatte betont, nur auf Basis öffentlich zugänglicher Daten gehandelt zu haben. Für den drastischen Kursverfall von Wirecard übernahm er keine Verantwortung und verwies vielmehr auf die fehlende Transparenz des im TecDax  gelisteten Unternehmens.

Seit dem 26. Juni, als erstmals Gerüchte über Bilanzunregelmäßigkeiten am Markt aufgekommen waren, war die Wirecard-Aktie auf in der Spitze auf 4,25 Euro eingebrochen und hatte damit etwas mehr als 60 Prozent an Wert verloren. Straub war seit 1995 Sprecher der SdK, 1999 wurde er in den Vorstand gewählt. 2000 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden berufen.

Nicht im Sinne der SdK

Nicht im Sinne der SdK

Die Sdk bezeichnet den Rücktritt Straubs "in gewisser Weise" als Schuldeingeständnis. Es sei nicht vertretbar, wenn ein SdK-Repräsentant ein Unternehmen kritisiere, dann selbst Leerkäufe tätige und damit Geld verdiene, sagte SdK-Sprecher Lothar Gries. Dies sei nicht im Sinne der Schutzgemeinschaft und stelle ihr Ansehen infrage.

An der Börse legten Wirecard-Aktien am Mittwoch um mehr als 7 Prozent auf 5,77 Euro zu. Seit Mitte Mai hatten sie drei Viertel ihres Wertes eingebüßt - vor allem wegen Gerüchten um angebliche Ungereimtheiten in der Bilanz. Wirecard hat mehrfach versucht, die Anleger zu beruhigen. Noch offene Fragen will das Unternehmen ausräumen, indem sich eine großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft die Bilanz für 2007 noch einmal anschaut.

Wirecard wies einen Medienbericht zurück, wonach die als Bilanzpolizei bekannte Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) Ende Juni ein Verfahren gegen das Unternehmen eingeleitet habe. Eine Sprecherin sagte, es gebe bislang keine Prüfung durch die DPR. Es werde aber bald eine zum Abschluss für 2007 geben, wenn Wirecard dafür grünes Licht gibt. Die DPR wollte sich nicht äußern.

Auch die Finanzaufsicht BaFin beschäftigt der Fall seit einigen Wochen. Eine Sprecherin der Behörde sagte, die BaFin prüfe auch, woher Wirecard Informationen über die umstrittenen Finanzgeschäfte Straubs gehabt habe. Die Untersuchung zum Vorwurf der Kursmanipulation dürfte noch einige Wochen andauern.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters und ddp

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