WWF "Den ökologischen Fußabdruck verkleinern"

Trinken für den Regenwald oder nachhaltiger Fischfang - für Unternehmen bieten sich viel mehr Möglichkeiten zum aktiven Umweltschutz als geahnt. WWF-Deutschland-Chef Eberhard Brandes ließ die Mitglieder der manager-lounge mit vielen Beispielen zur Bewahrung der biologischen Vielfalt staunen.

Hamburg - Biodiversität ist ein Schlagwort unserer Zeit. Der Schutz der Artenvielfalt und der Ökosysteme liegt auch Eberhard Brandes am Herzen. Kein Wunder, ist er doch seit knapp zwei Jahren Geschäftsführer des WWF Deutschland und fühlt sich seit Jahrzehnten der Natur verbunden. Vor den Mitgliedern der manager-lounge zeigte er in Hamburg, was jedes Unternehmen - egal ob klein oder groß - zum Erhalt der biologischen Vielfalt beitragen kann.

Der "World Wide Fund For Nature" (WWF) ist mit 4500 Mitarbeitern eine der größten Naturschutzorganisationen weltweit. 1961 in der Schweiz gegründet, haben die mittlerweile mehr als fünf Millionen Mitglieder auch politisch einiges an Gewicht erlangt. Von anderen Organisationen unterscheidet sich der WWF allerdings dadurch, weniger durch öffentlichkeitswirksame Aktionen aufzufallen. "Wir arbeiten eher wie ein Netzwerk und legen Wert auf partnerschaftliche Lösungen", so Brandes.

Unternehmen können auch direkt auf den WWF zukommen und sich beraten lassen. "Wir setzen uns dann zusammen und erarbeiten gemeinsam Vorschläge, wie interessierte Firmen einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz leisten können", so Brandes im Stile eines Beraters. Die einzelnen Firmen haben zum einen eine zentrale Multiplikatorfunktion und zum anderen natürlich auch eine große Bedeutung als direkter Nachfrager. "Ziel muss es sein, den ökologischen Fußabdruck eines jeden Unternehmens zu verkleinern."

Zu den bekanntesten WWF-Projekten zählt die Zusammenarbeit mit der Brauerei Krombacher. Die Regenwaldkampagne - vom Erlös jeder verkauften Bierkiste fließt ein Beitrag in die Regenwaldstiftung des WWF - erbrachte bereits knapp vier Millionen Euro. Dieses Geld wird nachhaltig für den Schutz vor Wilderei und illegalen Holzeinschlag sowie den Aufbau einer ökologischen Forstwirtschaft im zentralafrikanischen Regenwald von Dzanga-Sangha verwendet.

"Jedes Jahr verschwinden weltweit etwa 14 Millionen Hektar Wald, etwa die Hälfte Deutschlands", mahnt Brandes, "es dauert 300 Jahre, bis das wieder so nachwächst". Besonders Entwicklungsländer sind hier stark betroffen. Um die grüne Lunge der Erde zu retten, hat der WWF das Zertifizierungssystem "Forest Stewardship Council" (FSC) maßgeblich mit unterstützt.

"Das war eine Idee des Inhabers"

"Das war eine Idee des Inhabers"

Dieses garantiert die Beschaffung von Holz- und Papierprodukten aus kontrolliert umweltverträglicher Waldwirtschaft und soll verantwortungsbewusste Unternehmen beim Einkauf entsprechender Produkte beeinflussen. Für den WWF-Deutschland-Chef ist das für die Zukunft des Planeten eminent wichtig: "Den Erhalt der Wälder müssen wir unbedingt hinbekommen".

Für dieses Ziel setzen sich auch namhafte Konzerne aktiv ein: So unterstützt der global agierende Autohersteller Toyota  in vielen Ländern Aufforstungsprojekte mit Millionenbeiträgen.

Doch auch gerade Unternehmen, die kleiner und unbekannter sind, können etwas tun - wie zum Beispiel Berendsohn, ein Hersteller von Geschenkartikeln. Das Hamburger Unternehmen kauft an der lauenburgischen Schaalsee-Landschaft Freiflächen auf. Diese werden dann mit Bäumen bepflanzt, auch die Kunden des Unternehmens können einzelne Baumpatenschaften übernehmen. "Das war eine Idee des Inhabers", sagt Brandes. Und der Erfolg kann sich sehen lassen: Berendsohn schafft mit seinem Projekt geeigneten Lebensraum für bedrohte Tierarten wie Seeadler, Kraniche oder Fischotter - gute PR für das Unternehmen inklusive.

Ein weiteres Beispiel, das zeigt, wie durch eine effiziente Zusammenarbeit dauerhaft etwas bewegt werden kann, ist der umweltgerechte, nachhaltige Fischfang. Das Gütesiegel "Marine Stewardship Council" (MSC) wurde im Jahr 1997 vom WWF zusammen mit dem Lebensmittelkonzern Unilever  gegründet.

"Allein in der Nordsee gehen jährlich 500.000 Tonnen tote Fische wieder über Bord", sagt Brandes. Dieser Missbrauch soll eingedämmt werden. Das Prädikat garantiert deshalb, dass beim Fang der Fische auf deren Bestand geachtet und Beifang vermieden wird - der Marktanteil dieser Produkte in Deutschland ist mittlerweile auf stolze 10 Prozent gestiegen. Fischstäbchen mit dem MSC-Logo kann man also mit einem besseren Gewissen essen.

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