Insiderverdacht "Ein reiner Schauprozess"

Die französische Finanzaufsicht ermittelt gegen zahlreiche EADS- und Airbus-Manager wegen des Verdachts auf Insiderhandel. In ungewöhnlich deutlichen Worten äußerte sich nun Airbus-Chef Thomas Enders dazu. Die Botschaft: Er habe besseres zu tun.

Dogmersfield - Airbus-Chef Thomas Enders hat die Ermittlungen der französischen Behörden wegen des Verdachts auf Insiderhandel bei EADS  kritisiert. Die Untersuchungen seien Theater und ein reiner Schauprozess, erklärte Enders im englischen Dogmersfield.

Die Ermittlungen zum Verkauf seiner Aktien des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns beeinflussten nicht seine Arbeit bei Airbus, sagte er. Airbus stehe "furchtbar vielen Herausforderungen" gegenüber, und damit verbringe er seine Zeit, betonte Enders.

Die Pariser Finanzpolizei geht seit zwei Jahren Verdachtsmomenten gegen Dutzende amtierende und frühere Manager von EADS nach. Sie sollen im Wissen um drohende Lieferverzögerungen beim Superjumbo A380 Ende 2005 und Anfang 2006 massiv Aktien verkauft haben, bevor die Pannen bekanntgegeben wurden und der EADS-Kurs abstürzte. Alle Beschuldigten haben die Vorwürfe zurückgewiesen.

Das Ziel der Airbus-Mutter EADS, im laufenden Jahr einen operativen Gewinn von 1,8 Milliarden Euro zu erwirtschaften, gelte weiter, sagte Konzernchef Louis Gallois im Vorfeld der Luftfahrtmesse in Farnborough bei London (14. bis 20. Juli). "Wir sehen nach wie vor Chancen und Risiken", ergänzte Finanzvorstand Hans Peter Ring. Die Prognose werde bei der Vorlage der Quartalszahlen Ende Juli aktualisiert.

Zuvor hatte Ring der "Börsen-Zeitung" gesagt, EADS werde die Prognose bei der Vorlage der Halbjahreszahlen am 30. Juli entweder bestätigen oder anpassen. Dies war vielfach als Hinweis auf eine bevorstehende Gewinnwarnung verstanden worden.

Bei dem Kostensenkungsprogramm Power 8 sieht EADS seine Planungen übertroffen. Es gebe Potenzial für mehr, sagte Airbus-Chef Tom Enders. Mit Power 8 wollte der Konzern seine Kosten bis zum Jahr 2010 um 2,1 Milliarden Euro senken. Das bereits angekündigte Nachfolgeprogramm Power 8 plus soll stärker auf die Abläufe im Unternehmen zielen. Enders sieht auch bei den Kostensenkungen weiteres Potenzial. "Wir können uns allerdings nicht noch mal 2 Milliarden Euro aus den Rippen schneiden", schränkte er ein.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

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