Robert Steel Wachovia findet neuen Chef

Nach wochenlanger intensiver Suche hat die viertgrößte US-Bank Wachovia einen neuen Konzernchef benannt. An der Spitze des Instituts steht fortan Robert Steel, ein Vertrauter von Finanzminister Henry Paulson. Die Bank rechnet mit einem Milliardenverlust.

New York - Die Berufung Robert Steels teilte Wachovia  am Mittwoch nach US-Börsenschluss mit und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Zugleich kündigte das Unternehmen für das zweite Geschäftsquartal - unter anderem wegen der Finanz- und Hypothekenkrise - überraschend einen Verlust zwischen 2,6 und 2,8 Milliarden Dollar an.

Nach einer Reihe von Abschreibungen und Fehlentscheidungen hatte sich Wachovia Anfang Juni mit sofortiger Wirkung vom damaligen Vorstandschef Ken Thompson getrennt. Mit der Suche nach einem Nachfolger wurde Interimschef Lanty Smith beauftragt.

Der 56-jährige Steel, auf den die Wahl nun gefallen ist, galt als Favorit. Er war zuletzt im US-Finanzministerium als Unterstaatssekretär für inländische Finanzen und Berater von Minister Henry Paulson tätig und hatte zuvor bei der Investmentbank Goldman Sachs  gearbeitet. In einer kurzen Erklärung von Smith hieß es, Steel sei die richtige Person, um Wachovia durch das aktuelle Marktumfeld zu steuern - "als starkes und unabhängiges" Unternehmen.

Wachovia-Aktien reagierten auf die Personalentscheidung nachbörslich mit einem Plus von gut 3 Prozent auf 14,75 Dollar. Zuvor hatten sie inmitten eines allgemeinen Ausverkaufs der Finanzwerte deutlich im Minus geschlossen; im bisherigen Jahresverlauf haben die Papiere gar 63 Prozent an Wert verloren.

Der in Aussicht gestellte milliardenschwere Quartalsverlust bedeutet nach Unternehmensangaben pro Aktie ein Minus von 1,23 bis 1,33 Dollar, eine geplante Goodwill-Abschreibung noch nicht eingerechnet. Von Reuters befragte Analysten hatten dagegen im Schnitt ursprünglich mit einem Gewinn von 19 Cent je Aktie gerechnet, obgleich zuletzt ein Verlust nicht mehr gänzlich ausgeschlossen wurde.

Experten zeigten sich nun zunächst relativ gelassen. "Zumindest weiß der Markt jetzt, wie groß die Verluste sein werden", meinte etwa James Ellman vom Hedgefonds Seacliff Capital. "Überhaupt eine Zahl zu haben ist besser, als gar keine Zahl zu haben." Schon im ersten Quartal hatte Wachovia einen Verlust verbucht, damals noch in dreistelliger Millionenhöhe.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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