Gehälter Benachteiligte Frauen

Große deutsche Unternehmen zahlen ihren weiblichen Fachkräften deutlich weniger als ihren männlichen Kollegen. Managerinnen erhalten laut einer Studie im Durchschnitt rund 20 Prozent weniger Gehalt als Manager. In der Geschäftsführung ist es sogar mehr als ein Drittel.

Hamburg - Mit dieser Vergütungspraxis gehen die Unternehmen hohe Risiken ein: Neben Schadenersatzforderungen drohen laut einer Untersuchung der Managementberatung Kienbaum Imageschäden, Vertrauensverluste bei Mitarbeitern, den Anteilseignern und den Kunden sowie Einbußen bei der Arbeitgeberattraktivität.

Trotzdem scheinen viele Unternehmen das Thema zu vernachlässigen. 40 Prozent der Personalverantwortlichen in Dax-Unternehmen bewerten die Maßnahmen deutscher Firmen zur Sicherstellung von Entgeltgerechtigkeit lediglich als durchschnittlich. Jeder Dritte sieht bei dieser Frage dringenden Entwicklungsbedarf. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Umfrage zum Thema "Diversity Compliance" durch die Managementberatung Kienbaum.

"Viele Unternehmen gehen mit dieser wichtigen Frage regelrecht fahrlässig um. Ihnen drohen weit reichende materielle und immaterielle Schäden", sagt Alexander v. Preen, Geschäftsführer der Kienbaum Management Consultants. Nur 40 Prozent der befragten Unternehmen haben das Ziel der Entgeltgerechtigkeit in ihren Corporate Governance Kodex aufgenommen. Davon wiederum betreibt lediglich die Hälfte ein Monitoring ihrer Vergütungspraxis, um das Erreichen des gesteckten Zieles zu kontrollieren.

Der Befund ist eindeutig: Egal in welcher Branche, bei welcher Unternehmensgröße, auf welcher Hierarchieebene, bei welchem Lebensalter oder welchem Bildungsabschluss – Frauen verdienen im Durchschnitt deutlich weniger als Männer. Der Vergütungsnachteil für Frauen auf der ersten und zweiten Ebene ist bei den variablen Gehaltsbestandteilen mit 37 Prozent größer als beim Grundgehalt mit 19 Prozent.

In der Bankbranche verdienen männliche Führungskräfte beispielsweise durchschnittlich 104.000 Euro pro Jahr, während die jährliche Gesamtvergütung der Frauen lediglich 77.000 Euro beträgt. Noch größer ist der Unterschied in der Logistikbranche: Mit 77.000 Euro im Vergleich zu 147.000 Euro erhalten Frauen auf der gleichen Führungsebene nur rund die Hälfte des Salärs ihrer männlichen Kollegen.

Differenzen schon beim Berufseinstieg

Differenzen schon beim Berufseinstieg

Betrachtet man die geschlechterspezifsche Vergütung anhand der Unternehmensgröße, fallen mit 28 Prozent besonders große Gehaltsunterschiede in Unternehmen mit 2000 bis 5000 Mitarbeitern auf. Auch bei Großunternehmen mit mehr als 5000 Beschäftigten ist die Entgeltungleichheit stark ausgeprägt: Frauen verdienen hier im Durchschnitt 21 Prozent weniger als Männer.

Deutliche Differenzen sind schon bei der Vergütung von Nachwuchskräften zu erkennen: Männliche "High Potentials" unter 30 Jahren erhalten ein rund 10 Prozent höheres Fixgehalt als ihre Kolleginnen – 48.000 Euro im Vergleich zu 43.000 Euro. Diese Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau nehmen mit steigendem Lebensalter immer weiter zu. Während männliche Führungskräfte mit jeder Altersstufe mehr verdienen, sinkt das Einkommen der Frauen ab 50 Jahren wieder. Ursächlich dafür sind vor allem traditionelle Rollen- und Lebensmodelle.

Sogar mit einer bestmöglichen Bildung erreichen Frauen nicht das gleiche Gehaltsniveau wie ihre männlichen Kollegen: Um das Durchschnittsgehalt eines Mannes mit Abitur zu erreichen, muss eine weibliche Führungskraft mindestens einen Universitätsabschluss vorweisen können.

"Diese Ungleichbehandlung ist nicht nur wegen möglicher Schadenersatzforderungen risikoreich, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Verjährungsfrist erst ab Kenntnisnahme des Diskriminierungsopfers zum tragen kommt. Zugleich sind Führungspositionen für Frauen dadurch weiterhin wenig attraktiv. So werden wertvolle Potentiale verschenkt nicht nur vor dem Hintergrund des demographischen Wandels sondern auch vor dem Hintergrund der Arbeitgeberattraktivität um ringen um die besten Bewerber. Den Grundsatz 'Gleicher Lohn für gleiche Arbeit' umzusetzen, lohnt sich daher für die Unternehmen gleich mehrfach", sagt Vergütungsexperte v. Preen.

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