ProSiebenSat.1 Wenig Werbung, kein Chef

Seit Monaten kämpft ProSiebenSat.1 gegen den schwächelnden Verkauf von Fernsehwerbung. Außerdem war die Sendergruppe von Aktionären scharf kritisiert worden, weil sich die Eigentümer KKR und Permira eine stattliche Dividende genehmigt hatten. Nun räumt ProSiebenSat.1-Chef Guillaume de Posch seinen Posten.

München - Der Chef der TV-Sendergruppe ProSiebenSat.1 verlässt nach zuletzt großen Problemen beim Verkauf von Fernsehwerbung den Konzern. Guillaume de Posch werde auf eigenen Wunsch ProSiebenSat.1  Ende 2008 verlassen, teilte der Münchner Konzern am Dienstag überraschend mit. Genaue Angaben zu seinem Ausscheiden machte de Posch nicht. "Für mich ist jetzt der richtige Zeitpunkt, eine neue Herausforderung zu suchen", sagte er lediglich.

De Posch ist seit vier Jahren Vorstandschef der Sendergruppe, die im ersten Quartal in die Verlustzone gerutscht war und mit hohen Schulden kämpft. Auch Finanzchef Lothar Lanz hatte das Unternehmen vor wenigen Tagen verlassen. Aufsichtsratschef Götz Mäuser sagte, de Posch habe das Unternehmen nach der Kirch-Insolvenz zur größten integrierten Sendergruppe in Europa gemacht. "Wir haben Guillaumes Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis genommen."

Ein Nachfolger steht noch nicht fest. "Wir werden nun eine fokussierte Suche nach einem Nachfolger einleiten", so Mäuser weiter. Gleichzeitig teilte das Unternehmen allerdings mit, Andreas Bartl werde mit sofortiger Wirkung in den Vorstand zu berufen. Bartl war bislang Managing Director der Tochtergesellschaft German Free-TV. Unter seiner Führung entstanden beim Sender ProSieben unter anderem Formate wie "Germany's Next Topmodel" oder "Schlag den Raab".

Die Aktien der Sendergruppe reagierten positiv auf den angekündigten Abgang von de Posch. Kurzzeitig drehten die Papiere bis auf 7,87 Euro ins Plus, nachdem die Mediengruppe den Rücktritt vermeldet hat. "Der Wechsel an der Führungsspitze ist ein positives Signal", sagte ein Börsianer mit Blick auf die zuletzt unbefriedigende Geschäftsentwicklung.

Der Konzern steckt momentan in einer Phase des Umbruchs. Seit der SBS-Übernahme im vergangenen Jahr sitzt ProSiebenSat.1 auf einem Schuldenberg von rund 3,5 Milliarden Euro. Im ersten Quartal lief das Geschäft obendrein nicht rund. Wegen sinkender Werbeeinnahmen und schwächerer Quoten auf dem Heimatmarkt war das operative Ergebnis um ein Viertel eingebrochen. Auch der Umsatz ging zurück. Das Unternehmen erklärte die Entwicklung mit einer Umstellung des Werbezeitenmodells.

Die Führung von ProSiebenSat.1 war zuletzt auf der Hauptversammlung von den Aktionären kritisiert worden, weil der von den Finanzinvestoren KKR Private Equity Investors  und Permira kontrollierte Medienkonzern für 2007 insgesamt rund 270 Millionen Euro an Dividende ausschütten will. Der Gewinn lag im vergangenen Jahr allerdings nur bei knapp 90 Millionen Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters und ap

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