WiWi-Absolventen Was Einsteiger verdienen

Ob im Controlling, Marketing oder Vertrieb - junge Wirtschaftswissenschaftler sind gefragt. Wer den richtigen Schwerpunkt wählt, kann schon im ersten Job über 50.000 Euro pro Jahr verdienen. Der Gehaltsreport zeigt, mit welchen Einkommen Absolventen ökonomischer Studiengänge rechnen können.

Hamburg - Sehr guter Studienabschluss, gute Fremdsprachenkenntnisse und Berufspraxis bei einer studentischen Unternehmensberatung - für Silke Ahrens* war der Berufsstart kein Problem. Nach dem Studium hat sie sofort ihren Traumjob ergattert: "Dabei wurde vor allem meine Arbeit bei der studentischen Unternehmensberatung positiv bewertet." Die Betriebswirtin fing im Marketing eines großen Pharmakonzerns an - mit einem Jahresgehalt von über 45.000 Euro.

Damit gehört sie aber noch längst nicht zu den Spitzenverdienern ihrer Zunft. In manchen Branchen verdienen Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge im ersten Job 50.000 Euro und mehr pro Jahr, so eine Auswertung des auf Vergütungsthemen spezialisierten Beratungsunternehmens PersonalMarkt. Allerdings gilt dies nur für eine kleine Gruppe von meist hochqualifizierten Wirtschaftsabsolventen, die bei großen Unternehmen und in Top-Branchen einsteigen. Das Gros der Berufseinsteiger dagegen kommt auf Jahres-Bruttogehälter von rund 40.000 Euro.

Wirtschaftswissenschaftler haben derzeit insgesamt gute Karriereperspektiven, ihnen winken im Vergleich zu anderen akademischen Disziplinen attraktive Einkommen. Doch bereits am Anfang der Karriere trennt sich die Spreu vom Weizen: Die Spannen bei den Gehältern sind groß. Sie reichen von 34.800 bis 45.600 Euro - summa summarum also gut 11.000 Euro im Jahr mehr oder weniger.

Welches Einstiegsgehalt jemand bekommt, ist nicht ganz unerheblich für die weitere Karriere. Denn jede prozentuale Gehaltssteigerung lässt die absolute Differenz weiter wachsen. Wer also bereits mit einem niedrigen Gehalt startet, wird es schwer haben, später wieder aufzuholen.

Einfluss auf die Höhe des Einstiegsgehalts haben zahlreiche Faktoren. Zunächst einmal spielt der Abschluss selbst eine wichtige Rolle: Der PersonalMarkt-Auswertung zufolge ist ein Master-Abschluss am meisten wert. Absolventen eines wirtschaftswissenschaftlichen Faches erzielen mit Master-Abschluss Einstiegsgehälter in Höhe von rund 44.000 Euro jährlich. Das Universitätsdiplom dagegen bringt 41.000 Euro im Jahr. Wer seinen Abschluss an einer Fachhochschule gemacht hat, kommt auf etwa 38.000 Euro jährlich, mit dem Bachelor sind es 36.000 Euro im Jahr. Wer gar promoviert hat, kann noch einmal mit einem deutlichen Gehaltsaufschlag rechnen.

Die lukrativsten Branchen

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Neben dem Abschluss hat vor allem die Unternehmensgröße erheblichen Einfluss auf die Höhe des Einstiegsgehalts: Je größer die Firma, desto höher die Einstiegsgehälter - schon deshalb, weil viele größere Unternehmen tarifgebunden sind. Jobstarter bei Kleinstunternehmen dagegen müssen meist deutliche Abstriche beim Gehalt hinnehmen.

So verdienen Wirtschaftswissenschaftler in Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern am Anfang ihrer Karriere knapp 36.000 Euro im Jahr. In Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern erzielt das Gros der Wirtschaftswissenschaftler dagegen Einstiegsgehälter in Höhe von über 43.000 Euro jährlich. Ein Viertel der Wirtschaftsabsolventen, deren Daten in die Auswertung geflossen sind, kommt in dieser Unternehmensklasse sogar auf Jahresbruttogehälter in Höhe von rund 50.000 Euro - und mehr.

Doch nicht nur die Unternehmensgröße, auch die Branche hat großen Einfluss auf die Höhe des Gehalts. "Mir war schon klar, dass in der Pharmaindustrie höhere Einstiegsgehälter gezahlt werden als anderswo", sagt Silke Ahrens. Besonders hoch hinaus gehen die Einstiegsgehälter für Wirtschaftswissenschaftler momentan in der Luftfahrtindustrie. Bei rund 46.600 Euro liegt das Gehaltsniveau hier.

Aber auch Banken, Beratungen und Industrieunternehmen zahlen überdurchschnittlich hohe Einstiegsgehälter. Spitzeneinkommen erzielen Einsteiger bei Banken: Ein Viertel aller Wirtschaftsabsolventen, deren Daten ausgewertet wurden, kommt hier auf ein Gehalt in Höhe von 55.600 Euro und mehr.

Gesuchte Controller

Gesuchte Controller

Wer dagegen in der Hotel- und Gaststättenbranche, in der Tourismuswirtschaft, bei Werbeagenturen, Bildungsinstitutionen oder im Gesundheitswesen arbeitet, muss mit deutlich weniger Geld im Portemonnaie rechnen. In der Tourismuswirtschaft beispielsweise verdienen Wirtschaftswissenschaftler beim Berufseinstieg gerade einmal 31.200 Euro jährlich. Noch weniger zahlt das Hotel- und Gaststättengewerbe.

Zu den klassischen Berufsfeldern von Wirtschaftswissenschaftlern gehören vor allem die Bereiche Marketing, Vertrieb, Rechnungswesen und Controlling. Die Funktion hat ebenfalls Einfluss auf die Höhe des Gehalts. Wirtschaftsabsolventen, die als Produktmanager einsteigen, kommen demnach auf ein Anfangsgehalt von knapp 42.000 Euro. Wer dagegen in die Marktforschung geht, steigt mit rund 38.000 Euro im Jahr ein.

Im Vertrieb werden Key-Account-Manager mit rund 42.000 Euro Einstiegsgehalt am besten bezahlt, im Vertriebsinnendienst gibt es für Wirtschaftsabsolventen nur rund 36.000 Euro. Im Finanz- und Rechnungswesen erzielen Cash-Manager und Controller gute Gehälter: Controller steigen mit rund 42.000 Euro jährlich ein, Cash-Manager sogar mit 45.000 Euro.

Ein Abschluss, in dem das Wort "Wirtschaft" vorkommt, zahlt sich also nach wie vor aus. Allerdings gibt es beim Berufsstart erhebliche Gehaltsunterschiede, es kommt stark auf Faktoren wie Unternehmensgröße, Branche und Funktion an. Für Silke Ahrens war aber nicht allein das hohe Einstiegsgehalt verlockend: "Genauso wichtig war es für mich, interessante Aufgaben, eine passende Unternehmenskultur und vor allem Entwicklungsperspektiven im Unternehmen zu haben."

Heike Friedrichsen, PersonalMarkt

(*Name geändert)

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