Mittwoch, 18. September 2019

Karriere Ein bisschen schwanger gibt es nicht

Viele schwangere Frauen wissen nicht, wie sie sich im Job verhalten sollen. Wann sollte der Chef informiert werden, wie verhalten sich Frauen in Führungspositionen, was ist der beste Zeitpunkt für den Wiedereinstieg in den Beruf? Wer ein paar Tipps beherzigt, kann Familie und Karriere durchaus vereinbaren.

Hamburg/Berlin - Schwangere Frauen sind sich vor allem unsicher, wie und wann sie ihren Chef über die Schwangerschaft informieren sollen. "Bei der Mitteilungspflicht der Schwangerschaft an den Arbeitgeber handelt es sich um eine Soll-Vorschrift", erklärt Arbeitsrechtler Martin Hensche aus Berlin. Das heißt: Die Frau soll - muss aber nicht - ihren Arbeitgeber unterrichten. "Die Schwangere ist de facto frei in der Wahl des Zeitpunkts."

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Diese Freiheit sollten sich Frauen auch nehmen, rät Arbeitswissenschaftlerin Frauke Greven aus Köln. Mit ihrer Agentur berät sie Frauen in Fragen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. "Die Schwangere sollte das Selbstbewusstsein haben, ihren Chef erst zu informieren, wenn sie sich selbst ganz sicher ist." Immerhin besteht in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten. Und die werdende Mutter muss sich erst einmal an den neuen Zustand gewöhnen.

Wen die Morgenübelkeit plagt, der sollte dennoch so früh wie möglich ein Gespräch mit dem Chef suchen. "Spätestens wenn die Kollegen etwas merken oder es gar wissen, ist es besser, mit dem Arbeitgeber zu reden", sagt Beraterin Greven. "Denn der Flurfunk reagiert sehr schnell." Damit das Gespräch in einer stressfreien Atmosphäre abläuft, rät sie, es terminlich zu planen - und das Thema nicht zwischen Tür und Angel anzusprechen. "Also auch lieber nicht an einem Montagmorgen oder Freitagnachmittag den Chef damit überraschen", sagt Greven.

Vor dem Gespräch sind viele Frauen nervös. Manchmal zurecht, wie Annette Rethemeier, Beraterin bei Pro Familia in Hamburg, weiß: "Es gibt auch Arbeitgeber, die die Frauen spüren lassen, dass sie Schwangere und junge Mütter in ihrem Betrieb nicht schätzen." Wer sich im Voraus auf eine entsprechend kühle Reaktion des Chefs einstellt, ist während des Gesprächs weniger enttäuscht.

Insbesondere Frauen in leitenden Positionen stoßen nach Erfahrung von Pro-Familia-Beraterin Rethemeier nicht immer auf das Wohlwollen des Arbeitgebers. "Sie haben daher oft Angst, ihre leitende Position zu verlieren." Aus diesem Grund, verschweigen einige Frauen monatelang, dass sie schwanger sind - und verzichten damit auf wichtige Mutterschutzregeln. Denn erst wenn der Arbeitgeber von der Schwangerschaft weiß, kann er diese Regeln berücksichtigen. Unter anderem dürfen Schwangere nicht mit schweren körperlichen Arbeiten beschäftigt oder gesundheitsgefährdenden Stoffen oder Strahlen ausgesetzt werden.

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