Jean-Claude Trichet Krisenmanager mit ruhiger Hand

Mit sicherer Hand führt Krisenmanager Jean-Claude Trichet seit fast fünf Jahren die Europäische Zentralbank. Seit dem Abgang des legendären US-Notenbankchefs Alan Greenspan wird Trichet auch anerkennend der "Altmeister unter den wichtigsten Notenbankern" genannt.

Frankfurt am Main - Der Kurs seiner Geldpolitik gilt als umsichtig. Dank schneller Milliardengeldspritzen für die Banken hat die EZB unter dem 65-jährigen Jean-Claude Trichet seit Beginn der Finanzmarktkrise mehrfach ein Austrocknen der Geldmärkte verhindert.

Sein Rückgrat und seine Krisenfestigkeit haben den Geldpolitiker 2003 in sein Amt gebracht: Als Präsident der französischen Nationalbank Banque de France schlug der parteilose Währungshüter einen strikt stabilitätsorientierten Kurs ein, um Frankreich fit für den Euro zu machen. Gegen den erbitterten Widerstand der Regierung setzte Trichet seine Politik des starken Franc durch.

"Wir tun, was wir für richtig halten", antwortet Trichet als EZB-Präsident stets auf Kritik. Der Franzose setzt sich hartnäckig gegen Attacken seines Landsmanns, des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, zur Wehr. "Wir können keine Anweisungen entgegennehmen", wiederholt er ein ums andere Mal.

Während sein Vorgänger Wim Duisenberg in der Öffentlichkeit kein Blatt vor den Mund nahm, bleibt Trichet bei Konflikten zurückhaltend - um hinter den Kulissen knallhart aufzutreten, heißt es. Beobachter loben, dass unter seiner Führung die Kommunikation der Notenbank klarer geworden sei. Der Lyrik- und Opern-Fan musste lange um den Posten im Euro-Tower zittern.

In der ersten Runde musste er sich Duisenberg geschlagen geben, danach lastete seine angebliche Verstrickung in den Bilanzskandal der Großbank Crédit Lyonnais in den 90er Jahren auf Trichet. Erst nach einem Freispruch war für den Vater zweier Söhne der Weg in den Frankfurter Euro-Tower frei.

Auch die Medienvertreter loben Trichet. Eine Vereinigung von Finanzjournalisten - "The Group of 20 + 1" - hat ihn zum "European Banker of the Year 2007" gewählt. In der Begründung lobte die Jury "die mutige und transparente Politik", die Trichet seit seiner Berufung an die EZB-Spitze im Herbst 2003 verfolgt habe. Unter seiner Ägide habe die Kommunikation der EZB mit der Öffentlichkeit und den Märkten an Klarheit und Ausdruck gewonnen. Trichet sende Signale, die den Märkten helfen könnten, sich rechtzeitig auf das Handeln der EZB einzustellen - und sei auf diesem Gebiet teilweise sogar besser als Ben Bernanke, dem Präsident der amerikanischen Notenbank Fed.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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